Bergbau-Altlasten

Arsen-Probleme: Sachsen bietet Richelsdorf Hilfe an

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Versuche im Gewächshaus: Dem Boden, in dem Getreidepflanzen wachsen, werden natürliche eisenhaltige Verbindungen beigemischt. 

Der Wildecker Ortsteil Richelsdorf leidet massiv unter den Folgen des Bergbaus. Aus dem Osten kommt jetzt ein ungewöhnliches Angebot. 

  • Im Ortsteil Reiochelsdorf von Wildeck sind die Böden stark mit Arsen belastet und müssen saniert werden.
  • Den Bewohnern drohen deshalb horrende Zahlungen.
  • Die Firma G.E.O.S. bietet nun ihre Hilfe an.  

Viele Richelsdorfer können seit Längerem nicht mehr gut schlafen, weil ihnen zum Teil horrende Zahlungen drohen. Die Böden ihrer Grundstücke sind als Folge des Kupferschiefer-Bergbaus der Richelsdorfer Hütte so stark mit Arsen belastet, dass sie saniert werden müssen.

Aus dem Osten kommt jetzt ein Hilfsangebot, das dazu beitragen könnte, von der reichen Erfahrung der Ostdeutschen mit den Folgen des Bergbaus zu profitieren.

Wildeck: Firma G.O.E.S. aus Freiberg bietet Hilfe an

Die sächsische Firma G.E.O.S. war im Internet auf die Berichte unserer Zeitung über die Situation in Richelsdorf aufmerksam geworden und bietet jetzt ihre Hilfe an. Eines ihrer Spezialgebiete ist die Sanierung von Böden, die mit Schwermetallen belastet sind. 

In diesem Bereich betreibt sie auch Forschungen – bislang allerdings erst im Gewächshaus. „Wir könnten uns sogar vorstellen, ganz Richelsdorf zum Freilandversuch zu machen“, betont Tim Aubel, der im Bereich Verfahrensentwicklung und Biotechnologie für G.E.O.S. arbeitet. „Aber vor allem bieten wir den Austausch unserer Erfahrungen an.“

Tim Aubel von G.E.O.S. bei einem Vortrag auf einer internationalen Bergbau-Wasserkonferenz in Südafrika.

800 Jahre Bergbau haben im Erzgebirge fast unvorstellbare Folgen hinterlassen. „In Sachsen sind über 2000 Quadratkilometer Boden mit Spurenelementen belastet, deren Konzentration die Vorsorgewerte der Bundesbodenschutz-Verordnung überschreitet“, berichtet Dr. Susan Reichel, ebenfalls aus dem Fachbereich Biotechnologie. 

Davon sind 288 Quadratkilometer Oberboden mit einer erhöhten Arsen-Konzentration von über 50 Milligramm pro Kilogramm belastet. „Die Kontamination ist Folge der erhöhten Werte im Gestein selbst, der Bergbautätigkeit und der Verhüttung“, erläutert Reichel.

Firmensitz am Erzgebirge gehört zu einem Bodenplanungsgebiet

Die Zentrale der Firma G.E.O.S. liegt in Freiberg, am Rand des Erzgebirges. Die ganze Region gehört zu einem Bodenplanungsgebiet, das streng überwacht wird. Das sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie nimmt in dem gesamten Bereich dort regelmäßig Bodenproben.

„Wenn wir für unsere Region einhalten wollten, was die gesetzlichen Verordnungen vorschreiben, würde das bedeuten, dass wir quadratkilometerweise Boden austauschen müssten“, berichtet Aubel. 

„Weil das nicht möglich ist, haben die staatlichen Stellen Empfehlungen herausgegeben, wie Landwirte und Gartenbesitzer mit Böden umgehen sollen, die mit Schwermetallen belastet sind“, ergänzt Reichel. 

Dort steht zum Beispiel drin, welche Pflanzen man anbauen sollte und welche nicht. „Wenn man sich an die Empfehlungen hält, und die Kontamination nicht zu stark ist, kann man gesundheitliche Risiken vermeiden.“ Wenn zum Beispiel Spielplätze stark mit Arsen belastet seien, würde dort natürlich auch der Boden ausgetauscht.

Im Erzgebirge sind auch zahlreiche Ackerflächen und Wohngebiete flächendeckend von erhöhten Arsen-Konzentrationen betroffen. 

Experiment: Arsen nicht mehr so mobil im Boden

G.E.O.S. hat in den vergangenen drei Jahren mit anderen europäischen Partnern an einem Forschungsprojekt mit dem Namen Agri-As teilgenommen. „Dabei geht es um die Bewertung und das Management von Arsen-kontaminierten Ackerböden und Wasser“, berichtet Reichel. 

G.E.O.S. hat auch selbst in Zusammenarbeit mit der staatlichen Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft verschiedene Experimente durchgeführt. So wurden eisenhaltige Verbindungen in den Arsen-belasteten Boden eingemischt. 

Das alles fand im Gewächshaus in Blumentöpfen statt, berichtet Aubel. „Durch die Beimischung war das Arsen im Boden nicht mehr so mobil. Über 50 Prozent weniger Arsen ging vom Boden in die Pflanze über“, betont Aubel. 

Das Ganze hat einen Haken

Das Ganze hat aber auch wieder einen Haken. „Andere Schwermetalle, die im Boden sind, reagieren vielleicht anders und werden durch die Beimischung mobiler“, betont Reichel. Dieses Risiko bestehe. „Unsere Forschung bezieht sich auf Ackerböden. Da ist es einfacher, Beimischungen einzubringen, als auf anderen Flächen.“ Deshalb seien auf jeden Fall noch Feldtests nötig. 

„Wir würden uns aber auf jeden Fall gern mit den Behördenvertretern, die für Richelsdorf zuständig sind, treffen, unsere Forschungsergebnisse vorstellen und unsere Erfahrungen austauschen“, betont Aubel. 

Auch das sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie ist gern zu Gesprächen und zum Erfahrungsaustausch bereit, teilte die Behörde auf Anfrage mit.

Hintergrund: Projekte auch in Chile

G.E.O.S. steht für Geologie, Energie, Ökologie und Sanierung. Zu den Leistungen der Firma G.E.O.S. gehört die komplette Bergbauplanung von der Machbarkeitsstudie bis hin zur Kostenermittlung und Optimierung der Abläufe. Dabei geht es nicht nur um Gesteine, sondern auch um Erdöl und Erdgas. 

Weitere Arbeitsfelder sind die Gewinnung von Energie durch Geothermie, die Sanierung von Deponien und die Sanierung von Altlasten. Ein wichtiges Arbeitsfeld des Unternehmens ist auch der Boden und das Grund- und Oberflächenwasser sowie die Wasserbehandlung. 

G.E.O.S. hat insgesamt 120 Mitarbeiter – vom Naturwissenschaftler über den Geologen bis hin zum Ingenieur ist alles vertreten. 16 Mitarbeiter sind im Bereich Verfahrensentwicklung und Biotechnologie angestellt. Das Unternehmen hat sechs Standorte in Deutschland. Die Zentrale befindet sich im sächsischen Freiberg. 

G.E.O.S. betreut Großprojekte in ganz Europa und betreibt Forschungsprojekte zum Beispiel auch in Chile. Weitere Infos gibt es auf der Website des Unternehmens.

Viele Grundstücke in Richesldorf im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind durch den Bergbau mit Arsen belastet. Jetzt gibt es Hoffnung für die Betroffenen.

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