Gutachter-Vorschlag

Mit Arsen belastete Grundstücke in Wildeck:  Zweite Untersuchung soll Klarheit bringen

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Der Bach Weihe hat die Giftstoffe vom ehemaligen Betriebsgelände der Richelsdorfer Hütte in den Ort gespült. Auf dem Foto ist rechts das Backhaus und dahinter der seit Jahren gesperrte Spielplatz zu sehen. Foto: René Dupont.

23 private Grundstücke in Richelsdorf in Wildeck im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind durch Arsen belastet - eine Altlast des Bergbaus. Den 18 Eigentümern drohen horrende Sanierungskosten. 

  • In Richelsdorf im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind Grundstücke mit Arsen belastet.
  • Es soll eine Nachuntersuchung geben.
  • Wir haben mit dem Regierungspräsidium deswegen gesprochen.

Neben der Corona-Krise bleiben die Bergbau-Altlasten das drängendste Thema in Richelsdorf, Ortsteil von Wildeck im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Seit der Informationsveranstaltung Anfang Februar hat sich Überraschendes getan: Es soll Nachuntersuchungen auf Arsen auf allen 23 betroffenen Grundstücken geben. Wir haben beim Regierungspräsidium (RP) nachgefragt. Dazu Fragen und Antworten.

Sind die Einzelgespräche mit den Grundstücksbesitzern abgeschlossen?

Allen 18 Betroffenen wurden Termine für Einzelgespräche angeboten. Der letzte Termin war der 16. März. Bisher haben 13 Betroffene das Angebot angenommen. Drei Beratungsgespräche konnten wegen Krankheit oder Terminverhinderung bislang nicht stattfinden. Hier hat das Regierungspräsidium zwei weitere Tage für Beratungstermine für die Arsen-Problematik nach Ostern angeboten. 

Zwei Termine sind bereits vereinbart. Das Regierungspräsidium ist bemüht, auch die letzten beiden Grundstückseigentümer dazu zu bewegen, die angebotenen Beratungen nach Ostern anzunehmen.

Wie sind die Gespräche verlaufen?

Die Beratungsgespräche sind ausnahmslos sachlich und äußerst konstruktiv verlaufen, teilt der Pressesprecher des RP, Michael Conrad, mit. Einige Eigentümer konnten auch Hinweise über die Arsen-Situation geben, die dem Regierungspräsidium helfen, die Belastungen genauer einzugrenzen. „Verständlicherweise haben die Eigentümer ihre Auffassung zur Haftungsverantwortung mitgeteilt“, berichtet das RP. Sie sehen das Land Hessen in der Pflicht.

Arsen in Wildeck im Kreis Hersfeld-Rotenburg: Noch keine Maßnahmen ergriffen

Haben schon Eigentümer entschieden, welchen Weg sie bei der Sanierung ihrer Grundstücke gehen?

Auf konkrete Maßnahmen zur Gefahrenabwehr hat sich bisher noch kein Grundstückseigentümer festgelegt. Die Möglichkeiten für die betroffenen Grundstücke in Wildeck im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind mit den Eigentümern oder dessen Beauftragten im Detail besprochen und in einem Beratungsprotokoll festgehalten worden. 

Der überwiegende Teil der Betroffenen habe grundsätzliches Interesse an einer Sanierung durch den Austausch des vom Arsen betroffenen Bodens bekundet, allerdings unter dem Vorbehalt, dass die Haftungsfragen geklärt sind und damit eine eventuelle Kostenaufteilung, betont das RP.

Warum soll es jetzt Nachuntersuchungen geben?

Allen betroffenen Eigentümern in Wildeck im Kreis Hersfeld-Rotenburg wurde eine Nachuntersuchung auf Arsen auf ihren Grundstücken angeboten. Dabei sollen die Hinweise der Eigentümer berücksichtigt werden, um die Belastungsschwerpunkte eingrenzen zu können.

 Außerdem soll so die Resorptionsverfügbarkeit des Arsens einzeln für jedes Grundstück bestimmt werden. Die Resorptionsverfügbarkeit gibt an, welcher Anteil der Schadstoffe maximal vom Körper aufgenommen werden könnte. Beim Verschlucken von Bodenpartikeln wird lediglich ein Teil des darin enthaltenen Arsens resorbiert und biologisch wirksam.

Arsen in Wildeck im Kreis Hersfeld-Rotenburg: Erneute Untersuchung wegen neuer Studie

Was ist bisher untersucht worden?

Als Beurteilungsmaßstab für eine anzunehmende Gefährdung der Gesundheit der Menschen durch dasArsen wurden „vorsorgebegründete Maßnahmenwerte“ abgeleitet. Dabei wurden flächenübergreifend an ausgewählten Bodenproben die resorptionsverfügbaren Anteile von Arsen ermittelt. Auf dieser Grundlage sind in Richelsdorf im Kreis Hersfeld-Rotenburg insgesamt 18 Wohn- oder Gartengrundstücke mit Arsengehalt oberhalb des vorsorgebegründeten Maßnahmenwertes von 80 mg/kg ausgewiesen worden. Für alle Nutzungsszenarien wurde jeweils der höchste Wert der resorptionsverfügbaren Arsenanteile von 70 Prozent zugrunde gelegt. 

„Damit basiert der Vorsorgecharakter der für den gesamten Ortsbereich von Richelsdorf in Wildeck vorgeschlagenen Maßnahmenwerte auf der Annahme eines ungünstigen Expositionsszenarios“, erläutert das Regierungspräsidium.

Ein Gutachter schlägt deshalb jetzt Nachuntersuchungen vor?

Zur Absicherung der Untersuchungsbefunde im Projekt Richelsdorfer Kupferhütte wurde vor Kurzem am Institut für Geowissenschaften der Technischen Universität Darmstadt genauer untersucht, wie der Zusammenhang zwischen der Resorptionsverfügbarkeit von Arsen, wenn man es mit dem Mund aufnimmt, und verschiedenen Bodenparametern ist. In Richelsdorf in Wildeck im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind unter anderem auch Rasenflächen und Nutzgärten betroffen. 

Die Studie liegt seit Februar im Entwurf vor. Der Gutachter schlägt vor, grundstücksbezogene Untersuchungen der Resorptionsverfügbarkeit von Arsen auf allen betroffenen Wohngrundstücken durchzuführen. Jeder Fall soll einzeln bewertet werden und entsprechende Maßnahmenwerte für jedes Grundstück jeweils entsprechend der Nutzungsart festgelegt werden.

Arsen in Wildeck im Kreis Hersfeld-Rotenburg: Land Hessen übernimmt Kosten

Was sagen die Grundstücksbesitzer dazu?

Bis jetzt haben 16 betroffene Grundstückseigentümer in Wildeck im Kreis Hersfeld-Rotenburg den Nachuntersuchungen zugestimmt. Das Regierungspräsidium ist auch hier zuversichtlich, die offenen Zustimmungen noch in den nächsten Tagen zu erhalten. Die Nachuntersuchungen werden vom Land Hessen bezahlt. Sie sollen in der nächsten Woche starten – wenn die Kontaktbestimmungen wegen der Corona-Krise nicht weiter verschärft werden. Termine sollen in dieser Woche mit den Eigentümern ausgemacht werden.

Arsen in Wildeck im Kreis hersfeld-Rotenburg: Das ist bisher passiert: 

InRichelsdorf in Wildeck im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind viele Böden mit Arsen belastet. Die Eigentümer müssen die Kosten für die Sanierung selbst tragen.

Noch sind viele Fragen zu den Bergbau-Altlasten in Richelsdorf in Wildeck im Landkreis Hersfeld-Rotenburg offen. Hier sechs Gründe, warum es dennoch Hoffnung gibt für die Richelsdorfer.

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