Untersuchung der Grundstücke soll ausgeweitet werden

Belastung durch Arsen in Richelsdorf: Test vor allem für Kinder

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Seit September ist der Spielplatz in Richelsdorf gesperrt: Dort und auf dem angrenzenden neuen Minigolfplatz wurden hohe Werte von Arsen festgestellt. Belastete Erde vom Minigolfplatz soll jetzt in den bereitstehenden Containern abtransportiert werden. 

Richelsdorf. Ein Dorf kämpft mit den Altlasten des Bergbaus: Nach der Untersuchung von etwa 30 privaten und öffentlichen Grundstücken in Richelsdorf auf eine Belastung mit Schwermetallen hin rücken jetzt auch die Menschen direkt in den Blickpunkt. 

Bei einer Versammlung am Freitagabend im Wildecker Ortsteil Richelsdorf wurde allen Bürgern angeboten, auf freiwilliger Basis eine Urinprobe abzugeben, um zu klären, ob Dorfbewohner gesundheitlichen Gefahren durch eine möglicherweise zu hohe Arsen-Belastung ausgesetzt sind.

Im Fokus der Untersuchungen stehen aber vor allem die Kinder. Das betonte Prof. Dr. Ulrich Ewers, ein anerkannter Experte für Toxikologie und Umwelthygiene. Er klärte über mögliche Gesundheitsgefahren auf. Bei einer chronische Arsen-Vergiftung treten zum Beispiel Hautkrebs oder Blasenkrebs häufiger auf.

Arsen ist ein natürlicher Bestandteil von Böden und Gesteinen. Sie haben einen durchschnittlichen Arsengehalt von 5 bis 25 Milligramm pro Kilogramm, betonte Professor Ewers, der vor allem beim Bergbau im Ruhrgebiet, aber auch deutschlandweit viel Erfahrung im Umgang mit Altlasten hat. Wenn auf dem Spielplatz in Richelsdorf Werte um die 1000 Milligramm festgestellt worden seien, müsse man sich Gedanken über mögliche Gefahren für spielende Kinder machen. Der Spielplatz war bereits im September gesperrt worden.

Nach Ewers Angaben finden sich in Kupfererzen hohe Arsenkonzentrationen. Bei der Gewinnung, Aufbereitung und Verhüttung werde Arsen freigesetzt. Genau dieses Problem liege in Richelsdorf vor.

Bach trug Schwermetalle in den Ort

Der Wildecker Ortsteil kämpft Jahrzehnte nach der Schließung mit den Altlasten aus dem Bergbau der Richelsdorfer Hütte. Der Bach Weihe hat die Schwermetalle vom Betriebsgelände bis in den Ort getragen. Dort sind sie durch Überschwemmungen auf angrenzende Grundstücke gelangt. Außerdem haben Anwohner vor vielen Jahren selbst Material vom Betriebsgelände genutzt, um ihre Grundstücke aufzufüllen und trockenzulegen. Zudem wurde belastetes Material aus alten Mühlgräben verteilt.

Auch weitere Grundstücke werden untersucht

Auch die Untersuchung der Grundstücke entlang der Weihe soll weiter ausgeweitet werden. Sie wird bis zur ehemaligen Schapermühle gehen. Damit decken die Boden-Tests dann etwa dreiviertel des Ortes entlang des Baches ab. Das berichtete Zrinko Rezic von der Hessischen Industriemüll GmbH, die im Auftrag des Landes für die Sanierung von Altlasten zuständig ist. Bei gut der Hälfte der untersuchten Grundstücke sei der Prüfwert für Arsen nicht überschritten worden, betonte er. Bei den restlichen Flächen sei ein kleiner Anteil hoch belastet.

Wie Arsen in den menschlichen Körper gelangen kann, wie gefährlich Arsen ist und wie die Urin-Untersuchungen ablaufen sollen, darüber lesen Sie mehr in der gedruckten Montagsausgabe unserer Zeitung.

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