Starke Arsenbelastung

Bergbau-Altlasten im Landkreis Hersfeld-Rotenburg: Darum gibt es Hoffnung für die Betroffenen

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Viele kritische Fragen: Etwa 150 Besucher waren zu der Informationsveranstaltung gekommen, zu der der Landkreis und die Gemeinde Wildeck eingeladen hatten. 

Noch sind viele Fragen zu den Bergbau-Altlasten in Richelsdorf im Landkreis Hersfeld-Rotenburg offen. Hier sechs Gründe, warum es dennoch Hoffnung gibt für die Richelsdorfer.

  • Viele Grundstücke sind mit Arsen belastet.
  • Die Sanierung ist mit hohen Kosten verbunden.
  • Ein gemeinsamer Sanierungsplan soll entstehen.

„Das hier ist ein Pulverfass, auf dem wir sitzen.“ So fasste der Richelsdorfer Ortsvorsteher Wilfried Wetterau am Dienstagabend in einer Informationsveranstaltung in der Weißberghalle die Situation in dem Wildecker Ortsteil im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zusammen, der massiv unter den Bergbau-Altlasten leidet. 

Zu der Veranstaltung eingeladen hatten Landrat Dr. Michael Koch und Bürgermeister Alexander Wirth. 23 private Grundstücke von 18 Eigentümern sind so stark mit Arsen belastet, dass sie saniert werden müssen.

Ihnen drohen zum Teil horrende Kosten. Noch sind viele Frage offen. Hier sechs Gründe, warum die Informationsveranstaltung dennoch gezeigt hat, dass es Hoffnung gibt für die Richelsdorfer.

Bergbau im Landkreis Hersfeld-Rotenburg: 1. Strategie, wie es weitergeht, steht

Auch wenn die rechtliche Frage, wer letztlich für die Sanierungskosten aufkommen muss, noch nicht geklärt ist, ist klar, wie es weitergeht. Jetzt stehen die Beratungsgespräche des Regierungspräsidiums Kassel mit den betroffenen Eigentümern an. 

Davon hängt viel ab. Mit jedem Einzelnen wird geklärt, welche Möglichkeiten der Sanierung es für sein Grundstück gibt. 

„Danach wissen wir, ob wir über Gesamtkosten von 500.000 Euro oder fünf Millionen Euro reden“, betonte Landrat Dr. Michael Koch. „Erst dann können die politischen Verhandlungen auf allen Ebenen losgehen über die Frage, wer sich an den Kosten beteiligt.“

Bergbau im Landkreis Hersfeld-Rotenburg: 2. Der Unmut in Wildeck wächst

Etwa 150 Besucher bei der Informationsveranstaltung in Richelsdorf im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Das ist schon mal ein Statement. Betroffene berichteten von ihrer Situation – mal sachlich, mal ratlos, mal empört.

Informierten im kleinen Richelsdorf im Landkreis Hersfeld-Rotenburg: Rede und Antwort zum Thema Altlasten im Bergbau standen von links Zrinko Rezic und Birgit Schmitt-Biegel (Hessische Industriemüll GmbH), Sabine Kaemling (Regierungspräsidium Kassel), Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber, Landrat Dr. Michael Koch, Jörg Hartmann (Regierungspräsidium) und Bürgermeister Alexander Wirth.

Dabei auch Gemeindevertreter, Kreistagsmitglieder und die heimischen Landtagsabgeordneten Karina Fissmann (SPD) und Gerhard Schenk (AfD), die sich mit kritischen Fragen und Anregungen für die Richelsdorfer einsetzten.

Landrat Koch fasste die sich abzeichnende breite Unterstützung zusammen in dem Satz: „Das ist die Botschaft des heutigen Abends: Wir lassen die Richelsdorfer nicht allein.“ 

Beteiligung vom Landkreis Hersfeld-Rotenburg denkbar

Auch eine finanzielle Beteiligung des Landkreises an den Sanierungskosten sei denkbar. Das müsse aber der Kreistag entscheiden. Eins steht für den Landrat fest: „Die Kosten dürfen nicht an den 18 Grundstücksbesitzern in Richelsdorf hängen bleiben. Es hätte jeden von uns treffen können.“

„Das Land muss sich an die Gesetze halten. Wir loten aber gerade aus, ob es da einen Spielraum gibt“, betonte Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber, der sich ein paar Tage vorher vor Ort ausführlich über die Probleme hatte informieren lassen.

Bergbau im Landkreis Hersfeld-Rotenburg: 3. Es gibt Alternativen bei der Sanierung

Das Regierungspräsidium empfiehlt den Grundstücksbesitzern, den belasteten Boden auszutauschen. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten. 

Sie können die belastete Fläche zum Beispiel auch mit Pflaster überdecken und sichern. Sie können auch die Nutzung einschränken, sich festlegen, kein Wohnhaus auf einer Fläche zu bauen, sondern nur eine Parkfläche daraus zu machen. Das kostet meist nur wenig Geld. Die Nutzungseinschränkung muss aber als Baulast eingetragen werden. 

Durch Bergbau im Landkreis Hersfeld-Rotenburg schwere Konsequenzen

Dann aber ist das Grundstück nicht mehr viel oder gar nichts mehr wert. „Einen Tod muss man sterben“, brachte es Jörg Hartmann vom Regierungspräsidium auf den Punkt. 

Man kann auch einen Zaun um eine belastete Fläche ziehen und bei hoher Belastung das Betreten komplett verbieten. „Unsere Aufgabe ist es, die Eigentümer so zu beraten, dass ihre finanzielle Belastung möglichst gering ausfällt“, betonte Hartmann.

Bergbau im Landkreis Hersfeld-Rotenburg: 4. Hoffnungsschimmer ist Prüfauftrag

Das Regierungspräsidium lässt intern juristisch prüfen, ob über den „Vertrauensschutz“ noch etwas für die Richelsdorfer zu erreichen ist. Dabei geht es um das Bundesbodenschutzgesetz (§ 4, Absatz 5) und das Vertrauen des Eigentümers eines belasteten Grundstücks darauf, dass eine solche Beeinträchtigung nicht entstehen wird. Aber das ist eine juristische Geschichte für sich.

Bergbau im Landkreis Hersfeld-Rotenburg: 5. Gemeinsamer Sanierungsplan denkbar

Wenn die Beratungsgespräche abgeschlossen sind, ist es denkbar, dass die betroffenen Grundstückseigentümer ein Fachbüro beauftragen, einen gemeinsamen Sanierungsplan für alle zu erstellen. „Das wäre die beste Lösung“, betonte Sabine Kaemling vom Regierungspräsidium Kassel auf Anfrage von Bürgermeister Alexander Wirth.

Bergbau im Landkreis Hersfeld-Rotenburg: 6. Keiner will ein „Geisterdorf“

„Wir wollen hier kein Dorf haben voller herrenloser Häuser, um die ein Zaun gezogen ist. Dann ist hier bald ganz tote Hose“, betonte Bürgermeister Wirth. Und er sagte zu, weiter für wirklich gute Lösungen für die Richelsdorfer und die Gemeinde zu kämpfen. 

Ausführliche Informationen zu den Problemen sind in einer Präsentation enthalten, die in Kürze auf der Internetseite der Gemeinde Wildeck veröffentlicht werden soll: wildeck.de

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