Empörung, weil das Land nicht zahlt

Bergbaualtlasten: Wildeck gibt Startschuss für Sanierung in Richelsdorf

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Gesperrt: Der Spielplatz in Richelsdorf ist mittlerweile seit fünf Jahren unbenutzbar.

Die Gemeinde Wildeck stellt außerplanmäßig 300 000 Euro bereit, um die stark mit Arsen belasteten, gemeindeeigenen Flächen zu sanieren - ein Erbe des Kupferschieferbergbaus.

Konkret geht es um den Minigolfplatz, den Spielplatz, das Backhaus und das Grundstück Kupferstraße 20 in Richelsdorf. Dafür hat die Wildecker Gemeindevertretung am Donnerstagabend in Raßdorf einstimmig grünes Licht gegeben. Zwei Mitglieder der FWG-Fraktion enthielten sich bei der Abstimmung.

Die Flächen sollen noch in diesem Jahr saniert werden. Die Arbeiten sollen im Spätsommer beginnen. Die Altlasten stammen aus dem Bergbau der Richelsdorfer Hütte.

Die Wildecker Gemeindevertretung wollte damit auch ein klares Signal an die Richelsdorfer senden, dass die Flächen jetzt so schnell wie möglich saniert werden. Der Spielplatz ist mittlerweile seit fünf Jahren nicht nutzbar. Die neue Minigolfanlage war gar nicht erst in Betrieb gegangen. Das Parlament versteht das Votum aber auch als vehementen Appell an die hessische Landesregierung, die Gemeinde bei der Sanierung dieser Flächen finanziell nicht allein zu lassen.

Auf diesen Flächen muss der Boden 50 Zentimeter abgetragen werden, berichtete Bürgermeister Wirth. Diese Erde wird auf die Halde beim ehemaligen Betriebsgelände der Richelsdorfer Hütte umgelagert. Die Flächen werden mit unbelastetem Material wieder aufgefüllt und die Oberfläche begrünt. „Insgesamt reden wir von 1540 Kubikmetern Erde mit einem Gesamtgewicht von 2700 Tonnen“, berichtete Wirth. Dies sei das mildeste Mittel für die Gefahrenabwehr in diesem Bereich und damit das geeignetste Mittel um die bisherige Nutzung wieder herzustellen.“ Die Zeit dränge. 2023 soll die Halde versiegelt werden. Dann müsste die kontaminierte Erde über 200 Kilometer zur nächsten geeigneten Abfalldeponie gefahren werden. Die Kosten würden sich dann mindestens verdoppeln.

„Für die Richelsdorfer ist die Situation unsäglich“, betonte Wirth. Die Ansicht des Umweltministeriums in Wiesbaden sei unverändert. „Wir können leider keine finanzielle Unterstützung in Aussicht stellen“, so die Reaktion aus Wiesbaden bisher. Das Land sei bemüht, die Kosten für die Gemeinde so niedrig wie möglich zu halten, indem eine teure externe Entsorgung vermieden werden kann und die Erde auf der Halde endgelagert wird.

Bürgermeister Wirth versprach, sich damit nicht zufriedenzugeben: „Wir werden weiter alles unternehmen, um eine finanzielle Unterstützung vom Land zu bekommen.“ Dies gelte nicht nur für die öffentlichen Flächen, sondern auch für die privaten Flächen. Der nächste Termin in Wiesbaden sei der 13. August.

Martina Selzer (Grüne) sagte, das Umweltministerium suche zurzeit intensiv nach rechtlich korrekten Möglichkeiten, die Gemeinde bei der Sanierung der Flächen finanziell zu unterstützen.

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