Geschichte des alten Grals reicht bis in den Dreißigjährigen Krieg zurück

Jahrhundertealter Kelch in Obersuhler Kirche wiederentdeckt

Hat schon den Dreißigjährigen Krieg miterlebt: Der Abendmahlskelch in der Obersuhler Kirche. Unser Bild zeigt von links den Kirchenältesten Hans Helmut Schweitzer, die Pfarrer Andreas und Juliane Schmidt-Wecken und die Kirchenälteste Renate Dörffel. Foto: Schlenz

Obersuhl. Der stumme Zeitzeuge, ein alter Gral, lag jahrelang unentdeckt in der Obersuhler Kirche. Jetzt hat ihn ein Kunsthistoriker wiederentdeckt und seine Geschichte aufgearbeitet - sie reicht bis zum Dreißigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert zurück. 

Wenn der Abendmahlskelch von Obersuhl sprechen könnte, hätte er vermutlich viel zu erzählen: Vielleicht über die marodierenden Söldnerhorden des Dreißigjährigen Krieges, über die Obersuhler aus vier Jahrhunderten, die das Abendmahl aus ihm einnahmen oder über die vielen christlichen Feste, die gemeinsam mit ihm in der Kirchengemeinde gefeiert wurden. „Da stecken so viele menschliche Geschichten drin“, schwärmt Kirchenältester Hans Helmut Schweitzer.

Lange Zeit unentdeckt

Laut Pfarrer Andreas Schmidt-Wecken zeige der Kelch, wie lange Menschen schon in der Kirche zusammenkämen. Er bilde gewissermaßen ein „Band der Zeugen“. Dabei wurde der Kelch jahrzehntelang nicht genutzt und befand sich in einem sehr schlechten Zustand. Die Vergoldung war abgerieben und der Becher verbeult.

„Wir sind seit 23 Jahren hier und er hat die ganze Zeit im Stahlschrank gelegen“, berichtet Pfarrer Schmidt-Wecken. Niemand wisse, wann er zuletzt in Gebrauch war. Allerdings tauche er bereits auf einer Inventarliste aus dem Jahr 1943 auf.

Vor zwei Jahren kam dann der Kunstreferent der Landeskirche, Götz Pfeiffer aus Wolfhagen, und erkannte den wahren Wert des seltenen Einzelstückes. Der 18,5 Zentimeter hohe Kelch besteht aus vergoldetem Silber und wiegt 267 Gramm. Der knotenförmige Mittelteil besteht aus einem sechseckigen Ring mit der Aufschrift „IHESVS“, was für Jesus steht.

Unter dem Fuß sind die Aufschrift „Iohannes Ellenberchk“ und das Jahr 1639 zu lesen. Bei dem Namen handelt es sich laut Pfeiffer entweder um den Goldschmied oder aber um einen wohlhabenden Stifter. Obwohl man durch die Inschrift den Kelch auf das letzte Jahrzehnt des Dreißigjährigen Krieges datieren könne, weise der Fuß eine spätmittelalterliche Form auf, so Pfeiffer.

Somit sind Teile des Kelches möglicherweise noch einige Jahrhunderte älter und stammen vielleicht noch aus einer Zeit vor der Reformation, als Bücher in sorgsamer Handarbeit von Mönchen abgeschrieben wurden und Abendmahlskelche in der höfischen Dichtung als Gral bezeichnet wurden.

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