Bachs Präludium trifft Maffays Tabaluga

Michael Sens lieferte musikalisches Kabarett vom Feinsten in Bosserode

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Der Lindenberg steht im gut: Michael Sens machte nicht nur an Klavier und Gitarre eine gute Figur, sondern auch als Rocker-Urgestein. 

Mit viel Witz und Ratschlägen für den Umgang mit dem anderen Geschlecht begeisterte der studierte Musiker Michael Sens am Freitag in der voll besetzten Mehrzweckhalle in Bosserode.

Eine wichtige Frage klärte er gleich zu Beginn mit einem prüfenden Blick ins Publikum: Was sind das eigentlich für Menschen, die zu einem Kabarettabend gehen?

Meist sind es doch die Frauen, die ihre Männer nur mitbringen, so seine Antwort. Wünscht sich der mitgebrachte Mann nicht auf sein Sofa zurück? Schon erklärte Sens die Vorteile eines Abends auf dem Sofa, mit ergonomisch geformter Rückenlehne, Fernbedienung in der Sofafalte, einem gekühlten Bier, das der daheimgebliebene Mann im grobgerippten Unterhemd genießt. Er kann durch die Programme zappen, wie er will, und seinen wohlgeformten Körper entspannen.

Ein studierter Musiker macht Kabarett: Michael Sens unterhielt das Publikum in der Mehrzweckhalle in Bosserode.

Männlichen Singles empfahl Sens, die Frau ihres Herzens mit Opernkarten zu erfreuen. Eine Oper für Anfänger sei Cavalleria rusticana, diese dauert nur eine Stunde. Von Wagner riet er ab, denn für die Dauer seiner Opern müsste man Urlaub einreichen. Auch die kontroverse Wohnraumgestaltung männlicher und weiblicher Singles stellte der Kabarettist dar. Das Chaos, der Schmutz und die desolate Kühlschrankbestückung der männlichen Wohnung versus Eleganz, Sauberkeit und ein Kühlschrank voller Bioprodukte der weiblichen Wohnung. Aber will „Mann“ das aufgeben für die Ehe, sprich betreutes Wohnen? All dies unterlegte er mit passender Klaviermusik.

Wenn sich Peter Maffay bei Johann Sebastian Bach bedient

Für die Musikkenner und Laien deckte Sens eine Reihe von Plagiaten auf. So zeigte er, dass die DDR-Hymne identisch ist mit Hans Albers gesungenem Schlager „Goodbye Johnny“, den Peter Kreuder komponierte. Oder haben beide doch bei Beethovens „Freudvoll und leidvoll“ geklaut?

Was bis zu diesem Abend niemand wusste: Johann Sebastian Bach brachte Peter Maffay in die Hitlisten. Sens zeigte die erstaunliche Ähnlichkeit von Maffays Tabaluga mit Bachs Präludium aus dem Wohltemperierten Klavier. Präzise spielte er das Präludium von Bach, sang dazu den Tabaluga-Song und das Publikum versuchte, das Ave Maria von Gounod darüber zu singen. Am Klavier imitierte Sens dann Udo Lindenberg und konnte die dafür nötige Kieferstarre nur durch eine Angelika-Merkel-Gegen-Imitation wieder loswerden.

Tosender Applaus für den Komponisten-Fußball

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war der Komponisten-Fußball, bei dem Sens als Radiomoderator ein Fußballspiel in enormer Geschwindigkeit kommentierte. Doch seine Kicker waren Komponisten, deren Werke er während seines rasanten Kommentars auszugsweise spielte, wie Fröhlicher Landmann, Säbeltanz, Türkischer Marsch, Beethovens Neunte, Für Elise, Bolero, Hummelflug und viele mehr. Eine unglaubliche Leistung, die mit tosendem Applaus belohnt wurde.

Zum Abschluss erläuterte Sens, diesmal mit Gitarre, das musikalische Balzverhalten der Männer. Angefangen vom schwermütigen Liebeslied des Russen, dem aufgeregten Flamenco des Spaniers über die ruhigen jazzigen Klänge des Brasilianers bis zum Chanson des Franzosen. Eindeutiger Sieger bei den Frauen war der Franzose, der jedem Satz eine erotische Endung geben konnte.

Von Elke Suck-Iffland

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