Bei Starkregen steht Wasser im Keller

Obersuhler bangt um sein Haus und macht Gemeinde verantwortlich

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Thomas Schaft steht vor seinem Haus und zeigt auf einen der Risse in der Außenwand, der durch das ganze Mauerwerk hindurchgeht.

Thomas Schaft aus Obersuhl macht sich Sorgen: Bei Starkregen fließe Wasser von der Straße in sein Haus, sagt der 53-Jährige. Die Schuld sieht er bei der Gemeinde Wildeck.   

Thomas Schaft ist ratlos. Er hat Angst um sein Haus, das er vor sechs Jahren gekauft hat. Es steht an der Straße „Am Rasen“ in Obersuhl und hat schon stolze 91 Jahre auf dem Buckel.

„Vor drei Jahren ist es das erste Mal vorgekommen, dass bei Starkregen der Kanaldeckel vor meinem Haus herausgedrückt wurde und das Wasser auf die Straße floß“, berichtet der 53-Jährige. Mittlerweile sei das schon sechs oder sieben Mal passiert. „Bei Starkregen entsteht auf der Straße vor meinem Haus ein richtiger Teich.“ Das Hauptproblem sei, dass das Wasser dann von der Straße in sein Haus hinein laufe, sagt der Rentner, der als Kraftfahrer gearbeitet hat.

Im Keller ist ein Loch entstanden, durch das Regenwasser wieder abläuft, berichtet Hauseigentümer Thomas Schaft.

Für den 53-Jährigen ist klar, warum das passiert: „Früher hatte die Straße ein Gefälle zum Bach hin. Seit ein paar Jahren hat sie sich gesetzt und fällt jetzt zu meinem Haus hin ab“, sagt der Obersuhler. Das Haus werde unterspült. „Und die Folgen, die das hat, sind dramatisch. Vor zwei Jahren ist der Betonboden im Keller auf etwa einem Quadratmeter eingebrochen. Dort hat sich ein großes Loch gebildet, durch das das Regenwasser dann wieder aus dem Kellerraum abläuft.“

Eigentümer: Man hört ständig die Wände knacken

Außerdem wurden die Risse an seinem Haus immer größer. Und sie betreffen nicht nur die Außenfassade, sondern gehen durch das ganze Mauerwerk hindurch. Auch von innen sind sie zu sehen.

„Auf einer Seite hat sich das Haus, in dem ich mit meiner Frau lebe, mittlerweile um acht Zentimeter gesenkt. Alle tragenden Wände reißen.“ Durch die Senkung werde auch die angebaute ehemalige Scheune zur Seite gedrückt. Balken im Haus reißen. „Jetzt ist das Haus baufällig. Ich habe sogar Angst, dass es irgendwann einstürzt“, sagt der 53-Jährige. Man höre ständig die Wände knacken.

Schon nach einem Tag mit weniger Regen entsteht auf der Straße vor seinem Grundstück in Obersuhl eine größere Pfütze (Foto), berichtet der 53-Jährige. Bei Starkregen entstehe ein regelrechter Teich. Das Wasser laufe dann von der Straße in sein Haus, klagt der Obersuhler.

Für Thomas Schaft ist auch klar, wer für das Desaster verantwortlich ist: die Gemeinde Wildeck. Sie trage die Verantwortung für den Zustand der Straße und des Kanals vor seinem Haus.

Er habe sich auch schon an die Polizei gewandt, erzählt der Obersuhler. Er wollte erreichen, dass keine schweren Lkw mehr durch die Tempo-30-Zone vor seinem Haus fahren dürfen und die Höchstgeschwindigkeit noch weiter gedrosselt wird. „Die Polizei verwies mich weiter, das sei Aufgabe der Gemeinde.“

„Ich habe die Gemeinde mehrfach über die Missstände informiert. Aber es kam keiner vorbei, um sich die Probleme mal genauer anzusehen“, betont Schaft. Dort sei man untätig und weise ihm die Verantwortung zu.

Den Obersuhler quälen seit einem Arbeitsunfall auch massive gesundheitliche Probleme. Dazu kam ein Schlaganfall. Er schafft es kaum noch, selbst ins Rathaus zu laufen, obwohl es nur einen Katzensprung entfernt liegt. „Ich bin ein Pflegefall und auch finanziell nicht in der Lage, mir eine andere Unterkunft zu besorgen“, sagt Schaft, der von Berufsunfähigkeitsrente lebt.

Gemeinde: Straße ist nicht die Ursache

Tatsächlich ist die Gemeinde Wildeck zuständig für den Zustand der Straße „Am Rasen“ in Obersuhl. Es handelt sich um eine Gemeindestraße. Bürgermeister Alexander Wirth weist die Vorwürfe, die Thomas Schaft der Gemeinde macht, aber vehement zurück. 

„Es war definitiv ein Mitarbeiter der Verwaltung vor Ort, der sich die Situation angesehen hat“, betont Bürgermeister Wirth. Die Straße sei in Ordnung. Sie weise keine baulichen Mängel auf, die für die Probleme des Eigentümers verantwortlich sein könnten. „Auch der Kanal ist definitiv in Ordnung. Auch bei Starkregen kann es da keine Probleme geben“, sagt Wirth. In der Straße seien sogar zwei Kanalrohre verlegt, einhundert Meter weiter befinde sich ein großes Regenrücklaufbecken. Außerdem sei das Gefälle nur gering und damit sei auch die Fließgeschwindigkeit des Wassers gering.

Wildecks Bürgermeister Alexander Wirth

„Wir haben in unseren Unterlagen in der Gemeindeverwaltung auch keinerlei Informationen über die Gründung und Isolierung des Hauses“, betont Wirth. „Es ist Sache des Eigentümers, das selbst zu klären.“ Es sei seine Aufgabe, einen Bausachverständigen zu beauftragen, der die Schäden dokumentiert und nach den Ursachen für die Probleme sucht. „Wenn das Ergebnis der Prüfung durch einen Bausachverständigen sein sollte, dass die Gemeinde für die Probleme mit verantwortlich sein könnte, müssen wir uns das gemeinsam anschauen. Wir gehen aber davon aus, dass die Gemeinde ihren Verpflichtungen in vollem Umfang nachgekommen ist“, betont Wirth.

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