Roman von ehemaligem Kriminalbeamten 

Direkt am DDR-Grenzzaun: Krimi spielt in Obersuhl

+
Brisant und ungewöhnlich: Frank Schmidtkowski unterhält mit seinem Roman. Gleichzeitig erschüttert er das Selbstbewusstsein der Menschen bis ins Mark. Im Frühjahr will er auch in unserer Region Lesungen anbieten. Die Termine stehen noch nicht fest. 

Obersuhl. Ein ehemaliger Kripobeamter hat einen bemerkenswerten Roman geschrieben. "Randgebiete der Menschheit" spielt vor allem in Obersuhl, das direkt am DDR-Grenzzaun lag.

Der Mann hat eine Botschaft. „Und es ist keine schöne Botschaft“, sagt Frank Schmidtkowski. „Nicht für meine Leser und nicht für mich als Autor.“ Deshalb verpackte der 50-Jährige seine kritischen Gedanken über Gott, die Welt und das Universum in einen unterhaltsamen und spannenden Roman.

„Randgebiete der Menschheit“ lautet der Titel seines philosophischen Kriminalromans. Er spielt zum großen Teil in Obersuhl - in den Jahren 1985 und 2015.

Schmidtkowski ist in Obersuhl geboren und aufgewachsen. In einer Zeit, in der das Dorf noch von drei Seiten durch den Grenzzaun der DDR eingekesselt war - aber noch auf der westlichen Seite lag - Randgebiet eben. Im ersten Abschnitt des Romans bekommen die Leser einen Einblick in das Leben an der Grenze.

„Trotz der widrigen Umstände war meine Kindheit und Jugend dort unbeschwert“, erzählt der Autor. Und er denkt gern daran zurück. „Es gab damals einen starken Zusammenhalt unter den Jugendlichen“, erinnert er sich. Schon als Kind war er naturverbunden. Das spürt man in seinem Buch. Es ist sein erstes. „Der Rhäden war unser Spielplatz.“ Und der Rhäden - ein Streifen unberührter Natur - spielt als Schauplatz im Buch eine wichtige Rolle.

Noch vor dem Mauerfall verließ er mit 19 Jahren seine Heimat aus beruflichen Gründen. Nach dem Studium war er im Rhein-Main-Gebiet zuletzt als Dozent und Kriminalbeamter tätig. Heute lebt er mit seiner Frau, zwei Hunden und einem Pferd im Hintertaunus. Doch eins steht für ihn fest: „Im Herzen bleibt man immer Zoni - also westdeutscher Bürger des Zonenrandgebiets.“ Seine Verwandtschaft wohnt heute noch in Obersuhl. „Es gibt nur wenige Bücher, die das Leben an der innerdeutschen Grenze aus westlicher Sicht beschreiben“, betont Schmidtkowski. Im zweiten Abschnitt entwickelt sich dann der Kriminalfall.

„Wenn man ein Alter von 50 Jahren erreicht hat, kann man Erfahrungen besser einordnen, in die richtigen Schubladen stecken.“ Die philsosophischen Abschnitte sollen die Leser zum „ehrlichen Nachdenken“ anregen. Mit dem Blick ins unendliche Universum lässt der Roman das Selbstbewusstsein und die Überheblichkeit der Menschen auf die Größe eines Staubkorns schrumpfen.

Das Buch ist keine Autobiografie. Schmidtkowski hat aber viele persönliche Erlebnisse verarbeitet. Schon in der Schule hatte er großes Interesse an Physik und Mathematik. „Es geht mir dabei nicht um die Theorie. Mich interessiert, was man damit praktisch erklären kann.“

„Wir definieren uns zu sehr über Karriere, Intelligenz, Wohlstand und Wachstum“, betont der Autor. Dabei gehe der Blick auf das Wesentliche verloren: Liebe, Toleranz, Verantwortung für die Umwelt.

Info: Frank Schmidtkowski, „Randgebiete der Menschheit“, 284 Seiten, Books on Demand, 12,90 Euro.

Eine Buchkritik und Zitate aus dem Roman lesen Sie in der gedruckten Freitagausgabe der Rotenburg Bebraer Allgemeine und im E-Paper.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.