Richelsdorf. Viktor Ershov hat eine lange Suchtkarriere hinter sich, und diese hat ihn nach Richelsdorf geführt, in die dortige Klinik für Suchtkranke. Dort versucht er nun als Patient, anderen Patienten zu helfen.
Und zwar, indem er ihnen das vermittelt, was ihm im Leben Stabilität gibt: Skateboardfahren.
Der 33-Jährige stammt aus Odessa in der Ukraine und zog als 13-Jähriger zu seinem Vater nach Speyer. Reflektiert erzählt er von seinem Leben, von den Gründen für sein Abrutschen in die Sucht und davon, was ihm Hoffnung gibt. In einer Art Ghetto sei er aufgewachsen, in einem „eiskalten Umfeld“, wo Gewalt und Verahrlosung herrschten.
Alkohol und Haschisch gaben ihm Halt, und zugleich sagt er: „Ich wollte mich damit selbst zerstören.“ In Speyer fand er dann Freunde, mit denen er Skateboard fuhr. „Das war die Wende“, sagt er. Für das Skateboardfahren hörte er mit den Drogen auf.
Die schlimmen Kindheitserfahrungen, erklärt er, hätten ihm auf eine Weise die Freiheit gegeben, beim Skateboarden mehr zu riskieren und dadurch besonders gut in der Beherrschung der Tricks zu werden.
Für Jüngere organisierte er Skateboard-Wettbewerbe, was ihm das Gefühl gab, etwas Nützliches für die Gemeinschaft zu tun. Trotzdem rutschte er in die Sucht nach Amphetaminen, die ihm Sicherheit gaben und leistungsfähiger machten, wie er sagt. Nach zahlreichen Behandlungen in den vergangenen Jahren ist er nun seit einigen Wochen in Richelsdorf.
Wöchentlich bietet er Skateboardkurse für Patienten an. Die könnten hier lernen, mit Frustration umzugehen, Angst zu überwinden und Lebensfreude zu entwickeln.
Seine Kontakte zu Skateboardfirmen hat er genutzt, um Ausrüstung zu besorgen. Michael Mack, therapeutischer Leiter der Klinik, befürwortet die Bemühungen von Viktor Ershov.
Ershov habe das Skateboardfahren geholfen, und auch andere Patienten könnten davon profitieren. Als Hobby könne es helfen, das Selbstwertgefühl zu steigern.
