Aufteilung nach Klasse acht

Schüler aus dem ganzen Landkreis drängen auf die Integrierte Gesamtschule Obersuhl

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Kommen aus dem gesamten Kreisgebiet: Schüler und Schülerinnen der Klasse fünf von Heike Seidenfaden-Weber im Biologieunterricht. Selbst Kinder aus Eisenach und Rotenburg besuchen die Blumensteinschule, eine integrierte Gesamtschule.

Obersuhl. Um die Angebote der Integrierten Gesamtschule Obersuhl nutzen zu können, nehmen die Schüler weite Wege auf sich.

Die meisten der fast 560 Schülerinnen und Schüler, die die Blumensteinschule in Obersuhl (BSO) besuchen, sind sogenannte Fahrschüler, die mit Bussen oder Bahnen zur Schule fahren. Nur 94 Obersuhler Kinder kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Die anderen nehmen teils weite Wege in Kauf, um die Integrierte Gesamtschule zu erreichen.

Allein aus Thüringen kommen 16 Prozent, das sind 87 Schüler, darunter 39 aus dem benachbarten Gerstungen, elf sogar aus Eisenach. Selbst für Kinder aus Rotenburg (30), Bebra (26), Friedewald (23), Philippsthal (12) und vor allem aus Heringen (78) ist die Schule ein Anziehungspunkt als Integrierte Gesamtschule – neben Bebra die einzige ihrer Art im Landkreis. In Thüringen gibt es diese Schulform gar nicht. Dort besuchen die Kinder entweder die Regelschule oder das Gymnasium.

Was macht die Schule so attraktiv, dass sogar Kinder aus Bad Hersfeld oder Alheim-Niederellenbach den weiten Weg in Kauf nehmen? Die Schüler einer fünften Klasse loben, die BSO gefalle ihnen, sie kämen gerne und die Lehrer seien nett – und sie finden die Cafeteria gut.

Mehr Zeit für Entwicklung

Schulleiterin Doritha Rudschweski sagt, viele Eltern wollten ihren Kindern mehr Zeit für die Entwicklung lassen. An der BSO erfolge die Entscheidung für eine Schullaufbahn nicht schon in der fünften Klasse, sondern erst vor der neunten Klasse. Außerdem schätzen die Eltern nach den Worten der Schulleiterin die vielen Ganztagsangebote – allein 34 Arbeitsgemeinschaften sind es, von den AGs Schulgarten, Chemie Aktiv, Yoga, Boxfitness bis hin zu Schach und Chinesisch, Schulsanitätern und Streitschlichtern. Daneben gibt es eine kostenlose Hausaufgabenbetreuung und -hilfe. Wenn ein Schüler etwa eine Mathearbeit verhauen habe, erhalte er einen Förderplan und sechs Wochen verpflichtendenden Förderunterricht bei einem Fachlehrer. Man lege zudem Wert auf ein offenes, wertschätzendes Klima, sagt Rudschweski.

Den Zuspruch aus Thüringen erklärt sie auch dadurch, dass im Nachbarbundesland mittlerweile 60 Prozent der Kinder aufs Gymnasium kämen und die Regelschule zur Restschule verkomme.

Als Argument gegen den Sinn einer frühen Selektion führt die Schulleiterin die Quote von 50 Prozent der BSO-Schüler an, deren Leistungen nach der Klasse 10 den Besuch einer gymnasialen Oberstufe erlauben. Sie ist allerdings nicht der Ansicht, dass alle studieren müssten. Glücklich und erfolgreich könne man auch ohne Abi sein. „Das ist nicht das Nonplusultra“, sagt Rudschweski.

Kein Kind ohne Abschluss

An der BSO bemüht man sich, jedes Kind nach seinen Talenten zu fördern, die schwächeren Schüler ebenso wie die begabten. Man strebt ein Lernen miteinander und voneinander an. Es sei eine Herausforderung für die Lehrkräfte, jedes Kind nach seinen Bedürfnissen zu fördern, erklärt Rudschewski. Seit drei Jahren hat kein Kind die Schule ohne Abschluss verlassen.

Dabei gehe es nicht nur um die Vermittlung von Wissen, sondern auch um soziale Kompetenz und verantwortungsvolles Handeln in der Schulgemeinde und darüber hinaus.

Hintergrund: Aufteilung erst nach Klasse acht

Trotz allgemein sinkender Schülerzahlen ist die Anzahl an der Blumensteinschule Obersuhl (BSO) weitgehend stabil geblieben. Zugänge verzeichnet die Integrierte Gesamtschule (IGS) auch in die Klassen sieben bis neun durch Gymnasialschüler, die zur IGS wechseln. Aus 22 Grundschulen – auch aus dem Wartburg- und dem Werra-Meißner-Kreis kommen die Kinder in die fünften Klassen der BSO. 

Mehr als 40 Lehrkräfte unterrichten die rund 560 Schülerinnen und Schüler. Die unterrichtenden Klassen- und Fachlehrer/innen arbeiten eng zusammen und begleiten ihren Jahrgang in der Regel bis zum neunten Schuljahr oder durch die gesamte Schulzeit. Erst nach Klasse sieben gibt es Kurse in Deutsch, Mathe und Englisch, nach Klasse acht erfolgt die Aufgliederung in Haupt-, Real- und Gymnasialklassen. Die Hälfte der Schüler erreicht nach Klasse zehn die Qualifikation für eine gymnasiale Oberstufe.

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