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„Das Laufen verlernt“: Wildecker Herzbube Gliem gibt Einblick in seine lange Leidenszeit

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Von: Peter Gottbehüt, Thomas Klemm

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Lange Zeit war der Wildecker Herzbube Wilfried Gliem gesundheitlich ausgebremst. Nun befindet er sich endlich auf dem Weg der Besserung.

Hönebach – Körbeweise, so wie früher, bekommt Wilfried Gliem seine Fanpost nicht mehr zugestellt. Briefe von Anhängern seiner Musik trägt der Postbote freilich immer noch in regelmäßigen Abständen für den Wildecker Herzbuben aus. In den vergangenen Monaten dürften sich unter die Autogrammwünsche oft auch Genesungswünsche gemischt haben. Denn der Hönebacher hat nach einer Fußverletzung einen monatelangen Leidensweg – verbunden mit mehreren Operationen und Hauttransplantationen – hinter sich.

Nun muss er noch ein weiteres Mal für mehrere Tage ins Krankenhaus, befindet sich aber, und das ist die gute Nachricht, insgesamt gesehen tatsächlich auf dem Weg der Besserung.

Wildecker Herzbube Wilfried Gliem: „Das war dann auch der Beginn meines Kräfteabbaus“

Vor vier, fünf Jahren begann die Odyssee für Wilfried Gliem. Bei einem heftigen Sturz prellte er sich einen Wirbel, maß diesem Unfall aber zunächst keine große Bedeutung bei. Erst Monate später, bei einem Arztbesuch, stellte sich heraus, dass es sich um einen sogenannten Sinterungsbruch gehandelt haben muss. „Das war dann auch der Beginn meines Kräfteabbaus“, sagte er.

Gehandicapt, „weil es mir sehr weh getan hat“, habe er mehr oder weniger „das Laufen verlernt“. Erst im Oktober vergangenen Jahres begann der Volksmusiksänger damit, wieder an seiner Fitness zu arbeiten. Sein Hausarzt stellte damals bei einem Gesundheitscheck fest, dass das Herz von Wilfried Gliem völlig intakt sei, dessen Kondition aber zu wünschen übrig lasse.

Ab sofort galt es für den Sänger, an der Kondition zu feilen. Das tat er gern mit Spaziergängen, unter anderem in seinem weitläufigen Garten. Bis er sich im März dieses Jahres dort eine Blase gelaufen hatte. „Es begann mit einer kleinen blauen Stelle an der Ferse meines linken Fußes. Die wurde zunächst mit konservativen Mitteln behandelt.“ Der Zustand der Wunde am Fuß verschlimmerte sich im Verlauf der nächsten Wochen, bis bei einer ersten Operation Gewebe entfernt werden musste.

Wilfried Gliem, einer der beiden Wildecker Herzbuben, mit aktueller Fanpost. Nach seiner langen Erkrankung will er gemeinsam mit seinem Partner Wolfgang Schwalm bald wieder durchstarten.
Wilfried Gliem, einer der beiden Wildecker Herzbuben, mit aktueller Fanpost. Nach seiner langen Erkrankung will er gemeinsam mit seinem Partner Wolfgang Schwalm bald wieder durchstarten. © Thomas Klemm

Wildecker Herzbube erklärt Gesundheitsprobleme: „Auf gut Deutsch abgestorben“

Auch danach stellte sich keine Besserung ein. Im Gegenteil: „Zehn Tage nach der OP stellte sich heraus, dass die Wunde nekrologisch war, also auf gut Deutsch abgestorben.“ Es folgten sechs Wochen Krankenhaus-Aufenthalt, die noch verschärft wurden durch eine Corona-Erkrankung. Die überstand der 76-Jährige in der Isolationsstation des Fuldaer Krankenhauses, genauso wie die zwei Wochen auf der Krankenstation vor und nach der Corona-Zwangspause.

Seinen Lebensmut ließ sich der bekannte Volksmusiksänger nicht nehmen. Während der langwierigen Fußverletzung unterstützte ihn nicht nur die Familie nach Kräften, sondern auch die Fans seiner Musik. „Schon am ersten Tag im Fuldaer Krankenhaus musste ich Autogramme schreiben“, schmunzelte er. Und selbst im Krankenhaus machte er das, was er am besten kann. „Jeden Tag wird eine Stunde lang geprobt“, lautet seine Devise.

Wünscht seinem Musikfreund gute Genesung: Der Wildecker Herzbube Wolfgang Schwalm.
Wünscht seinem Musikfreund gute Genesung: Der Wildecker Herzbube Wolfgang Schwalm. © Peter Gottbehüt

Das kann er übrigens auch allein tun, ohne seinen Partner Wolfgang Schwalm. Mit dem will er aber im kommenden Jahr wieder auf der Bühne stehen. „Wenn sich mein Gesundheitszustand weiter so positiv entwickelt wie jetzt, kann ich auch wieder auftreten.“ Zwar werde er keineswegs mit einem Rollstuhl auf die Bretter fahren, die auch für ihn die Welt bedeuten. Aber eine sogenannte Stehhilfe lässt er gelten. „Damit kann man sich gut abstützen und das Publikum denkt trotzdem, dass man steht.“ Diese Variante habe er hin und wieder angewandt, als ihn die schlimmen Rückenschmerzen plagten, gab er zu.

Schon kurz nach der Jahreswende auf die Bühne zurückzukehren, wird wohl nicht möglich sein, weiß Wilfried Gliem. „Die Verträge für die kommenden Monate sind eigentlich unter Dach und Fach. Da ist es schwierig, schnell noch etwas für uns Wildecker Herzbuben zu finden. Also Auftritte im Januar sehe ich eher nicht. Da müssen wir viel Glück haben, wenn wir noch irgendetwas ergattern wollen. Aber die Leute entscheiden sich heutzutage erfahrungsgemäß kurzfristiger als früher, wenn sie jemanden engagieren wollen. Da wollen wir mal optimistisch sein.“

Wildecker Herzbuben: Gliems Partner Wolfgang Schwalm drückt die Daumen

Das ist auch Wolfgang Schwalm, den die lange Leidensgeschichte seines Musikfreundes als Duo-Partner der Wildecker Herzbuben in diesem Jahr nicht nur betroffen gemacht, sondern ebenso musikalisch ausgebremst hat. Daher drückt er seinem Sanges-Partner kräftig die Daumen, damit dieser im wahrsten Sinne des Wortes „möglichst schnell wieder auf die Beine kommt“. „Ich wünsche ihm alles erdenklich Gute – vor allem Gesundheit. Jetzt kommt es erst mal darauf an, dass er wieder fit wird – er soll sich ja erst mal richtig auskurieren“, sagt Schwalm.

Wenn die Gesundheit wieder mitspielt, wollen „die beiden Dicken“, wie sie von ihren Fans in der Volksmusikszene auch liebevoll betitelt werden, im kommenden Jahr wieder durchstarten und auf die Bühnen der einschlägigen Shows zurückkehren. Damit auch künftig ihr „Herzilein“ und ihre vielen weiteren beliebten Hits wieder mit vertrauten Stimmen in der vertrauten Tracht die Fans begeistern werden. „Wir stehen ja schließlich schon seit mehr als 48 Jahren gemeinsam als Bandmusiker auf der Bühne“, erinnert sich Schwalm. Seit mehr als dreißig Jahren sind die zwei nun bereits die Wildecker Herzbuben. (Thomas Klemm und Peter Gottbehüt)

Im Interview mit der HNA erklärte der Wildecker Herzbube Wolfgang Schwalm: „Herzilein ist unser Leben“.

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