Wildschweine wüten im Garten von Ronshäuserin

Mit dem Rechen ausgerüstet: Zum dritten Mal in den vergangenen vier Wochen musste Elfriede Noll aus Ronshausen die Wildschäden in ihrem Garten beseitigen. Fotos: Künemund

Ronshausen. Elfriede Noll aus Ronshausen schläft nachts kaum noch. Mindestens drei Kontrollgänge hinter ihrem Haus unternimmt sie täglich in der Dunkelheit. Der Grund: Zum dritten Mal binnen eines Monats haben Wildschweine ihren Garten umgegraben.

„Jedes Jahr ist das so und niemand hilft mir. Ich selbst bin nicht in der Lage, das Wild zu vertreiben“, sagt sie.

Ihr Garten ist ungefähr so groß wie ein Fußballfeld. Er liegt hinter ihrem Haus an der Straße „Zum Schellenberg“ angrenzend an eine Wiese, dem Wald sehr nahe. „Zu Fressen gibt es bei mir nichts für die Tiere. Ich habe keine Obstbäume“, sagt die 72-Jährige. Angelockt würden die Wildschwein-Rotten durch Abfälle der Nachbarn.

„Ich kann also gar nichts dafür, dass sie meinen Garten verwüsten. Trotzdem sagen Gemeinde und Jagdpächter, dass sie mir nicht helfen, weil in einer geschlossenen Ortschaft nicht geschossen werden darf“, sagt Noll. Sie solle einen Zaun bauen, habe man ihr empfohlen. Aber: „Dafür fehlt mir das Geld.“ Derzeit müsse sie regelmäßig die aufgewühlten Stellen im Rasen begradigen und festtreten. „In diesem Zustand lassen möchte ich es ja nicht“, sagt die Rentnerin.

Ihr Vorschlag: Die Jäger sollen den Wildschweinen auf der Wiese über ihrem Grundstück Einhalt gebieten und sie gegebenenfalls schießen. „Ich verstehe, dass sie sich ärgert. Aber in Gärten ruht die Jagd. Wir kümmern uns nur um Wildschäden auf landwirtschaftlichen Flächen“, sagt der zuständige Jagdpächter Harald Rössing. Das sei gesetzlich so vorgeschrieben. „Auf dem angrenzenden Feld ist es ebenfalls nicht erlaubt, zu schießen. Die Gefahr ist einfach zu groß, dass wir Menschen treffen“, so Rössing.

Dazu komme das Problem, dass man in Deutschland nicht nachts mit Scheinwerfern schießen dürfe. „Da die Wildschweine gegen 2 Uhr kommen und wir dann nichts sehen, spricht auch diese Vorschrift dagegen. Wir jagen nur, was wir sehen“, sagt der Jagdpächter. Er rät Elfriede Noll erneut, ihr Grundstück einzuzäunen. „Um diese Probleme muss sich jeder selbst kümmern, so leid es mir tut.“

Dieser Meinung schließt sich Ronshausens Bürgermeister Markus Becker an. „Es ist schade, dass ihr Rasen aufgewühlt wurde. Aber die Gemeinde kann ihr nicht helfen, zuständig sind die Jäger.“ Doch diese hätten so nah am Waldrand auch keine Möglichkeit, das Eindringen der Tiere in Elfriede Nolls Garten zu verhindern. „Sie müssten dafür ja alles ausrotten. Das geht nicht“, sagt Becker.

Die Fläche mit einem Zaun zu schützen, sei die einzige Möglichkeit. „Und nicht mal das ist eine Garantie“, berichtet der Verwaltungschef, „in den um unseren Friedhof haben die Wildschweine ein Loch gerissen und die Grünflächen umgegraben, glücklicherweise nicht die Gräber.“

Von Florian Künemund

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