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K+S will sich an geplanter Strecken-Elektrifizierung im Werratal beteiligen

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Der Bahnhof des Philippsthaler K+S-Standorts Hattorf.
Traktionswechsel: Bislang holen Diesellokomotiven die Züge im Bahnhof des Philippsthaler K+S-Standorts Hattorf ab, um sie bis nach Gerstungen zu bringen. Bis einige Meter hinter den Weichen im Bild will das Bergbauunternehmen seine Werksgleise mit Fahrdraht und Oberleitungsmasten ausrüsten, sodass sich hier künftig auch Elektroloks vor die Waggons setzen können. © Jan-Christoph Eisenberg

Das Bergbau-Unternehmen K+S plant, Teile seiner Gleisanlagen im Werratal zu elektrifizieren.

Philippsthal/Heringen – Wenn die Bahnstrecke von Gerstungen nach Heimboldshausen für den Einsatz von Elektrolokomotiven ausgebaut wird, sollen auch Teile der Gleisanlagen von K+S mit Oberleitungsmasten und Fahrdraht ausgestattet werden.

Der Kaliproduzent wolle dadurch weiterhin den reibungslosen und effizienten Bahntransport sicherstellen, erklärt der Logistik-Leiter des Verbundwerks Werra, Andreas Metz. Vor die beladenen Güterzüge werden die Lokomotiven der mit den Transporten beauftragten Verkehrsunternehmen – der Bahntochter DB Cargo und privater Anbieter wie der Bebraer Holzlogistik und Güterbahn (HLG) – oft direkt auf den Werksgleisen gespannt. „Das erspart zusätzliche Rangierbewegungen in den Bahnhöfen und schafft dort mehr Kapazitäten für ankommende Leerwaggons, die unsere eigenen Rangierloks anschließend abholen und auf die Verlade- und Abstellgleise der Werksstandorte verteilen“, erläutert Metz.

Auf der eingleisigen DB-Strecke ziehen bislang Diesellokomotiven die Züge. Im Bahnhof Gerstungen an der Hauptstrecke Bebra-Halle werden sie von Elektroloks übernommen. Dieser Wechsel soll künftig wegfallen. Der rund 18 Kilometer lange Schienenstrang durchs Werratal ist deshalb im vergangenen Dezember ins Bundesprogramm „Elektrische Güterbahn“ aufgenommen worden (unsere Zeitung berichtete).

Andreas Metz
Andreas Metz © K+S

Damit die nach dem Oberleitungsbau eingesetzten Elektroloks die Züge weiterhin direkt bei K+S abholen können, sollen am Standort Wintershall in Heringen die ersten Meter von drei parallel zum DB-Bahnhof verlaufenden K+S-Gleisen elektrifiziert werden. Am Standort Hattorf in Philippsthal umfasst der geplante Ausbau die beiden parallelen, knapp 1,5 Kilometer langen Schienenstränge vom Bahnhof Heimboldshausen zur Kalifabrik. Zusätzlich sollen die Einfahrten in sechs Gleise im Werksbahnhof, in beide Ladegleise des Werra-Kombi-Terminals sowie eines weiteren Abstellgleises auf Höhe des Containerbahnhofs mit Fahrdraht versehen werden – nicht auf voller Gleislänge, sondern jeweils nur so weit, dass sich die elektrischen Loks vor die Züge setzen können. Nicht elektrifiziert wird voraussichtlich die Grubenanschlussbahn von Hattorf nach Unterbreizbach. Als Grund nennt der Logistikleiter neben einem ungünstigen Kosten-Nutzen-Verhältnis auch technische Hürden: Am Bahnübergang Hattorf etwa müsste der Fahrdraht die auch von Schwertransporten genutzte B62 überspannen.

Während derzeit die von K+S beauftragten Bahnunternehmen die Züge aus Unterbreizbach direkt im dortigen Rangierbahnhof abholen, sollen die Waggons künftig von den werkseigenen Dieselloks bis zum Beginn der Oberleitung am Standort Hattorf gebracht werden, wo dann eine Elektrolok übernimmt.

Die eigene Rangierlokflotte von K+S lässt sich laut Metz nicht auf Elektrobetrieb umstellen. Denn dafür müsste das gesamte Werksbahnnetz mit Oberleitung ausgerüstet werden, was nicht nur mit großem Aufwand verbunden sei. Der Fahrdraht hat eine Spannung von 15 000 Volt. Aus Sicherheitsgründen oder um Arbeiten an Fabrikanlagen zu ermöglichen, müsse vielerorts im Werk der Raum über den Gleisen frei bleiben. Das gelte auch für das Werra-Kombi-Terminal, wo die Container von „Reachstackern“– einer Art überdimensionalen Gabelstaplern – auf die Waggons gesetzt werden.

Was die Elektrifizierung kosten wird und wann sie beginnt, ist laut Andreas Metz noch unklar und hängt nicht zuletzt von den Planungen für Oberleitungsbau auf der Strecke der DB ab, mit der sich K+S eng abstimmen werde.

Für die Anwohner soll das Vorhaben laut Logistikleiter einen angenehmen Nebeneffekt haben: Elektroloks seien deutlich leiser unterwegs als dieselbetriebene, der Geräuschpegel der abfahrenden Züge werde damit sinken. (Jan-Christoph Eisenberg)

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