Achtung Rutschgefahr: Schnee und Eis füllen chirurgische Ambulanzen und Stationen

Der Winter lässt’s krachen

Das Glatteis verlangte seine Opfer: Helge Müller aus Maikammer in der Pfalz (vorne) brach sich beim Besuch in Bad Hersfeld das Bein. Klaus-Dieter Erbe aus Heimboldshausen (hinten) stürzte beim Schneeschieben und laboriert seitdem an einem Bluterguss. Fotos: Hornickel

Hersfeld-Rotenburg. Gestern gefror der Regen auf Treppen, Geländern und Gehwegen und steigerte die winterliche Sturzgefahr im Landkreis. Das merkten Ärzte und Schwestern in den Krankenhäusern der Region.

„Wir hatten zehn Patienten mehr als sonst“, berichtet Oberarzt Dr. Andreas Schmidt aus der Rotenburger Unfallchirurgie. 30 Patienten liegen dort stationär. Allerdings habe man schon schlimmere Tage erlebt. Anscheinend gewöhnten sich die Menschen langsam an den Umgang mit Schnee und Eis. Nur fünfmal schickte die Leitstelle Rettungswagen aus, um Gestürzte ins Krankenhaus zu fahren.

Doch der Winter schafft das Klinikpersonal: „Seit der vergangenen Woche haben wir zwei Drittel mehr Patienten, die sich bei Stürzen verletzt haben“, sagt Assistenzarzt Guy Waisbrod aus der Unfallambulanz am Klinikum Bad Hersfeld.

Sechs Schwestern fehlen

Allein gestern gab es wieder mindestens 40 Fälle, in denen Menschen mit Sturzverletzungen ambulant behandelt oder stationär aufgenommen werden mussten. Zeitweise sei in allen drei Operationssälen gleichzeitig notfallchirurgisch gearbeitet worden, berichtet der Arzt. Und das, obwohl allein in dieser Abteilung fünf bis sechs Schwestern fehlen, die entweder selbst gestürzt oder anderweitig erkrankt seien.

Auf der Station für Unfallchirurgie und Orthopädie kann Schwester Susanne mittags nicht genau sagen, wieviele Neuzugänge es gestern gab: „Es war chaotisch heute. Man merkt deutlich, dass es draußen glatt ist.“ Auf jeden Fall sind alle 24 Krankenbetten belegt.

„Seit der vergangenen Woche haben wir zwei Drittel mehr Patienten, die sich bei Stürzen verletzt haben“

Guy Waisbrod, Arzt

Arno Hagedorn, Leiter des Rettungsdienstes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), beurteilt die Lage eher gelassen. „Wir hatten etwa 50 Einsätze in 24 Stunden, und heute Vormittag fünf Fälle von Glatteisopfern. Das ist noch im Normbereich.“

Einer der Pechvögel ist Helge Müller aus Maikammer, ein ehemaliger Hersfelder, der die Arbeit des DRK lobte. „Ich war auf der Höhe des Lullusbrunnens unterwegs, da rutschte ich plötzlich weg und mein rechter Fuß stand quer. Die Mitarbeiter des Roten Kreuzes waren zufällig in der Nähe und sind mir sofort zu Hilfe geeilt.“ Müller trägt nun das Bein in Gips, sein Sprunggelenk ist gebrochen. Weihnachten wird er im Klinikum verbringen müssen.

Sein Zimmernachbar ist Klaus-Dieter Erbe aus Heimboldshausen. Bei dem Vorhaben, die Straße von Schnee zu befreien, überraschte ihn eine Eisschicht - er zog sich einen komplizierten Bluterguss am Knie zu.

Von Kurt Hornickel und Christina Pistor

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