Wahl in Alheim

Bürgermeisterkandidat Jochen Schmidt im Porträt: „Wir brauchen mehr Wertschätzung“

Jochen Schmidt, Kandidat für die Bürgermeisterwahl in Alheim am 8. November 2020, lächelt für ein Porträtfoto in die Kamera.
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Jochen Schmidt will – wenn er gewählt wird – Alheimer werden: Der 52-Jährige wird dann in der Gemeinde wohnen, leben und arbeiten. Zurzeit wohnt er in Bad Hersfeld zur Miete.

In Alheim wird am 8. November ein neuer Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin gewählt. Wir stellen die drei Kandidaten vor. Heute: Familientherapeut Jochen Schmidt.

Alheim – Jochen Schmidt springt aus seinem alten, silbergrauen Audi. Fünf Minuten vor dem Fototermin am Heinebacher See hat er eine spontane Idee. Auf das Foto soll – als Symbol für Heimat – noch ein Haus. Er saust in ein Geschäft in Heinebach und kommt mit dem Häuschen zurück. Probleme und Ideen sind für ihn dazu da, um angepackt zu werden. Zu dem Häuschen gehört noch ein ganzer Bauernhof samt Schweinen und Kühen aus Holz – zu viel, um alles in die Kamera zu halten. „Die Kinder aus meinem Bekanntenkreis werden sich freuen. Bald ist ja Weihnachten“, sagt Jochen Schmidt und lacht. Auch das Problem ist also gelöst.

„Gemeinsam mit anderen kleine und große Probleme und Konflikte anzupacken und Ideen umzusetzen, das ist mein tägliches Brot“, beschreibt der 52-Jährige, der als unabhängiger und parteiloser Kandidat Bürgermeister in Alheim werden will, seinen Beruf. Der Familientherapeut berät beim Diakonischen Werk Eltern und Kinder in Konfliktsituationen und bei Erziehungsfragen. Bekannterweise geht es dabei auch schon mal ordentlich zur Sache: „Pubertät“ ist ein Pulverfass für viele Familien.

„Manchmal haben Quereinsteiger einen unbefangeneren Blick auf die Dinge“

Und so wäre für den 52-jährigen „Lösungssucher“ und Sozialarbeiter der Wechsel vom Therapeutenstuhl auf den Rathauschefsessel kein grundlegender, sondern in gewisser Weise eine Fortführung seiner bisherigen Arbeit auf kommunalpolitischer Ebene. „Gemeinsam mit den Menschen Lösungen finden, damit sie zufriedener werden und mit denen sie stolz sein können auf ihr Hab und Gut“, fasst Schmidt seine Ziele zusammen.

Er möchte die Bürger mehr in Entscheidungsprozesse einbinden. „Fragen – Zuhören – gemeinsam machen“, so sein Motto. Dass er keine Fachausbildung als Verwaltungswirt hinter sich hat, sieht er nicht als Makel, im Gegenteil. „Manchmal haben Quereinsteiger einen unbefangeneren Blick auf die Dinge“, sagt er. Erste kommunalpolitische Erfahrung hat er zwei Jahre im Ortsbeirat Frielendorf-Spieskappel gesammelt. „Politisch interessiert war ich schon immer“, sagt Schmidt. Auch Mitarbeiter zu führen war schon Teil seiner Arbeit. Ein wichtiger Aspekt ist für ihn, die Mitarbeiter zu motivieren und ihren engagierten Einsatz wertzuschätzen. „Unser Dienst ist ein Dienst für den Bürger.“

Zur Person

Jochen Schmidt (52) stammt aus Frielendorf im Schwalm-Eder-Kreis. Nach Fachabitur und Wehrdienst studierte er in Kassel Sozialpädagogik sowie Politik- und Sozialwissenschaften. In der Jugendberufshilfe war er unter anderem in Schwalmstadt und Berlin tätig. Außerdem hat er im Bereich Rechtsextremismus gearbeitet und Opfer und Aussteiger der Szene betreut. 2013 war er hauptberuflich als Coach und „Zertifizierter Wirtschaftsmediator“ in Frankfurt im Einsatz. Ehrenamtlich führt er das Engagement bis heute für Mitarbeiter in Betrieben der chemischen Industrie in Nordhessen und bei Kali+Salz für die IG BCE Kassel fort. Jugendpfleger in Alheim war Schmidt –mit befristetem Vertrag – 2014 und 2015. Seit 2016 arbeitet er als Familienberater und Therapeut beim Diakonischen Werk Hersfeld-Rotenburg. Seine Hobbys sind Schwimmen, Radfahren und er schaut sich gern Eishockey- und Fußballspiele an.

Und hat er schon einmal in einen Gemeindehaushalt geschaut? „Ja“, sagt er und lacht verschmitzt. „Ich habe den Alheimer Haushaltsplan sogar in meiner Tasche bei mir – geliehen von einem guten Bekannten. Und Bilanzen lesen kann ich.“ Wahlkampf ist durch die Corona-Pandemie zurzeit nur eingeschränkt möglich. „Plakate mit dem eigenen Foto aufzuhängen, daran musste ich mich erst mal gewöhnen“, gibt Schmidt zu. Mittlerweile hat er alle zehn Alheimer Ortsteile besucht, sich Sorgen und Wünsche angehört, Rundgänge gemacht und an Haustüren geklingelt. In den Dörfern ist ihm immer wieder der Wunsch begegnet, dass die immense ehrenamtliche Arbeit, die die Bürger dort leisten, mehr anerkannt wird. „Diese Wertschätzung will ich den Menschen geben“, verspricht Schmidt.

Feste, Märkte, Bildungsangebote: Jochen Schmidt will Alheim attraktiver machen

Bei seinen Besuchen in den Alheimer Ortsteilen waren die kaputten Straßen ein großes Thema, auch die Schandflecken der baufälligen, unbewohnbaren Häuser und die Schaffung weiterer Bauplätze – gerade auch für junge Familien, berichtet der 52-Jährige. Groß sei auch der Wunsch nach mehr Tempo-30-Zonen und Fußgängerüberwegen und einer noch besseren Ausstattung der Spielplätze. „Ich habe den Menschen versprochen, ein bürgernaher Bürgermeister zu sein und nicht nur im Wahlkampf bei ihnen vorbeizuschauen.“

Junge Menschen sollen in Alheim gerne und gut alt werden können.

Bürgermeisterkandidat Jochen Schmidt

Gemeinsam mit der heimischen Wirtschaft will er Alheim noch attraktiver machen mit Festen, Märkten, Bildungsangeboten, Kulturveranstaltungen und gastronomischen Angeboten. „Junge Menschen sollen in Alheim gerne und gut alt werden können. Auch die Einstellung eines hauptamtlichen Seniorenbeauftragten wäre wichtig“, sagt Schmidt.

„Das Ziel all meiner Aktivitäten als Bürgermeister wäre, die Gemeinde noch attraktiver zu gestalten für die, die hier schon zuhause sind, und sie zur Heimat werden zu lassen für die, die neu in diese liebenswerte Gemeinde ziehen.“ Und so ist das Haus auf dem Foto des Kandidaten ein wichtiges Symbol für ihn: Die Gemeinde soll Heimat werden für ihn und für möglichst viele andere. (Von René Dupont)

Der Kandidat kurz und knapp

  • 1. Nachhaltigkeit... Die Gemeinde Alheim hat 2016 den Nachhaltigkeitspreis gewonnen. Darauf kann sie stolz sein. Da kann man ansetzen und weiterarbeiten. Es ist wichtig für die nachfolgenden Generationen, dass wir mit unseren Ressourcen sorgsam umgehen.
  • 2. Der Niederellenbacher See... ist ein schönes, erhaltenswertes Biotop. Er muss als Marke, als Besonderheit für Alheim seinen Platz finden.
  • 3. Der Verwaltungszweckverband Alheimer... ist wichtig und richtig. Die Partner sollten ihn auf Augenhöhe praktizieren.
  • 4. Die Kitas in Alheim... Die Kinderbetreuung ist nur so gut wie ihre Mitarbeiter. Motivierte, glückliche und ausgeglichene Erzieher schaffen glückliche und ausgeglichene Kinder.
  • 5. Die Feuerwehren müssen in Zukunft... gut ausgestattet sein und gute Nachwuchsarbeit leisten können. Ihre ehrenamtliche Arbeit ist für die Gemeinden außerordentlich wichtig.
  • 6. Diese Marotte würde ich mir gerne abgewöhnen: Manchmal wünsche ich mir etwas mehr Gelassenheit bei den Ansprüchen, die ich an mich selbst habe.
  • 7. Als Lesestoff hat mich in letzter Zeit besonders beeindruckt: „Würde: Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft“ von Gerald Hüther.
  • 8. Mit diesen Eigenschaften würden mich meine besten Freunde beschreiben: eine treue Seele, zuverlässig.
  • 9. Wenn ich für einen Tag Bundeskanzler wäre, würde ich... für jedes Jahr einen Tag der Mitmenschlichkeit ausrufen, an dem sich die Menschen gegenseitig helfen.
  • 10. Die Bürgermeisterwahl wäre für mich ein Erfolg, wenn... Ich möchte die Wahl gewinnen.

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