Wohltätigkeitsrallye durch die Wüste: Zwei Rotenburger waren dabei

Vor dem Start in die Wüste: Das Auto, das Michael Gerlach (rechts) und seine Frau Sabine nach Gambia gebracht haben, erhält wie alle Fahrzeuge der Rallye einen Unterfahrschutz. Fotos: nh

Rotenburg. Hinter ihnen liegen drei Wochen Autofahrt durch Gebirge, die Wüste, mit der Fähre übers Meer: Sabine und Michael Gerlach aus Rotenburg hatten mit einem Kastenwagen im März an der Wohltätigkeitsrallye Dresden-Dakar-Banjul teilgenommen - und sind jetzt noch begeistert.

„Es war interessant, toll und abenteuerlich“, sagt Sabine Gerlach. „Ich habe mich jeden Abend auf den neuen Tag und die neuen Eindrücke gefreut.“

Nachhaltige Projekte

Die Gerlachs haben einen von den Stadtwerken Rotenburg zur Verfügung gestellten und vom Ingenieur-Büro Gerlach und Schröder aufgearbeiteten Kastenwagen nach Gambia gebracht, um ihn dort mit 49 anderen Fahrzeugen für einen guten Zweck versteigern zu lassen. Dabei sind gut 100 000 Euro zusammengekommen, die in Schulen, eine Krankenstation und nachhaltige Projekte vor Ort fließen. Veranstalter der Rallye ist der sächsische Verein Breitengrad (wir berichteten).

In Serikunda, einem kleinen Ort nahe der gambischen Hauptstadt Banjul, konnten die Gerlachs viele Projekte sehen, die von der Rallye schon profitiert haben. So gibt es dort eine kleine Kfz-Werkstatt sowie, ganz neu, eine Bäckerei, die von einem ehemaligen Rallyeteilnehmer aufgebaut wurde. Ein Mann aus Gambia, der vor 18 Jahren nach Deutschland gekommen war, um hier Schreiner und Holztechniker zu werden und sogar seinen Meistertitel erwarb, ist in seine Heimat zurückgegangen und betreut dort nun eine Holzlehrwerkstatt. „So etwas ist sinnvoll“, sagt Michael Gerlach. Ebenso wie der Ankauf eines großen, fruchtbaren Grundstücks, in dem sich mehrere alleinerziehende Frauen Gärten anlegen konnten und so nun für ihre Familie sorgen.

Aufgeschlossene Menschen

„Viele aufgeschlossene und intelligente Menschen dort haben erkannt, dass ihre Zukunft in ihrem eigenen Land liegen kann und arbeiten für bessere Lebensbedingungen vor Ort“, hat Michael Gerlach beobachtet. Beeindruckt war er ebenfalls davon, dass in der Krankenstation auch aufklärend gewirkt wird - sogar politisch. „In Gesprächen werden auch viele idealisierte Vorstellungen vom Leben in Europa, besonders in Deutschland, geradegerückt.“ Dennoch wollten fast alle jungen Gambianer weg. Die Rallyeteilnehmer würden gerne kontaktiert. Man hoffe auf eine Einladung nach Deutschland - dann gibt es auch ein Visum.

Von wegen „In der Wüste ist es heiß“: Michael und Sabine Gerlach erlebten kalten Wind und eisige Nächte mit und in ihrem Auto.

Von der Freundlichkeit und Hilfsbereitsschaft der Menschen in Gambia waren die Gerlachs begeistert und wollen auf jeden Fall noch einmal an einer Rallye teilnehmen. Sie danken noch einmal der Stadt für das ausgemusterte Auto und den vielen Spenden an Stiften und Papier, die sie mit nach Gambia nehmen konnten.

Einziger Wermutstropfen: Der Kastenwagen brachte nur 1400 Euro. „Da hatte ich etwas mehr erwartet“, sagt Michael Gerlach. Gelohnt hat sich die Reise nach Westafrika dennoch.

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