Es fehlen Grundstücke

Wohnungsbau im Kreis Hersfeld-Rotenburg geht zurück

Wie hier in Bebra reißen sich Interessenten im ganzen Kreis Hersfeld-Rotenburg um Bauplätze. Unser Foto zeigt einen Neubau an der Friedrichrodaer Straße.
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Wie hier in Bebra reißen sich Interessenten im ganzen Kreis Hersfeld-Rotenburg um Bauplätze. Unser Foto zeigt einen Neubau an der Friedrichrodaer Straße.

Der Wohnungsbau im Kreis Hersfeld-Rotenburg ist im vergangenen Jahr zurückgegangen. 2020 wurden im Vergleich zum Vorjahr 17,6 Prozent weniger Wohnungen fertiggestellt.

Hersfeld-Rotenburg - Das zeigen Zahlen des Statistischen Landesamts. Demnach wurden 173 Wohnungen neu oder umgebaut, 2019 waren es noch 222.. Die Zahlen sind auffällig, da im gesamten Regierungsbezirk Kassel, zu dem auch Hersfeld-Rotenburg gehört, zur selben Zeit 29,7 Prozent mehr Wohnungen fertiggestellt wurden. Einzig der Werra-Meißner-Kreis weist mit 38 Prozent einen noch stärkeren Rückgang auf.

In den Jahren vor 2019 halten sich Zu- und Abnahmen der Fertigstellungen im Kreis ungefähr die Waage. Von einem Wohnungsbau-Boom lässt sich daher zumindest in Hersfeld-Rotenburg nicht sprechen.

Heiko Schaar

Klaus Michalak, der Bezirksvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) sieht das anders. „Der Boom der Branche hält schon seit Jahren an. Und es ist kein Ende in Sicht“, bekräftigt er und verweist auf viele genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen.

So seien nach einer Auswertung des Pestel-Instituts (Hannover) im Kreis zwischen 2011 und 2019 Baugenehmigungen für rund 220 Wohnungen erteilt worden, die noch gebaut werden müssen. Das wären mehr Wohnungen, als im gesamten vergangenen Jahr fertiggestellt worden sind. Jedoch sind Baugenehmigungen nur drei Jahre gültig, sodass letztlich weniger Wohnungen fertiggestellt werden müssten.

„Es gibt einen regelrechten Stau am Bau. Maurer, Zimmerleute und Fliesenleger arbeiten am Anschlag, um die Auftragsflut zu bewältigen“, sagt Michalak.

Die IG Bau Nordhessen fordere daher, die Beschäftigten an den guten Geschäften der Firmen zu beteiligen. In den laufenden Tarifverhandlungen möchte die Gewerkschaft neben einem Wegegeld ein Einkommensplus von 5,3 Prozent erreichen.

Von der Negativ-Entwicklung bei den Wohnungsfertigstellungen zeigt sich die heimische Baubranche derweil überrascht. Heiko Schaar, Geschäftsführer der Isi Home Bau-Unternehmung in Bebra, kann sich dies nur mit einem mangelnden Angebot an Bauland erklären. Denn gerade Einfamilienhäuser seien im Kreis sehr gefragt. Es fehle bloß an Baugrund. Teils würden sich Interessenten bereits vor offizieller Verkündung eines neuen Bauprojekts beim Unternehmen melden, um sich eine Immobilie zu sichern.

Für Bebra bezeichnet er es als „Irrweg“ der Politik, nachverdichten zu wollen, statt neue Baugebiete auszuweisen. Denn die Eigentümer unbebauter Grundstücke wollten oft nicht freiwillig ihr Grundstück bebauen oder es an Interessenten verkaufen. So bleibe Bauland knapp und die Preise würden steigen.

Schaar bringt daher einen Bauzwang für Grundstückseigentümer ins Gespräch, wie es in Tübingen Oberbürgermeister Boris Palmer vorgemacht habe. „Eine Nachverdichtung funktioniert nur, wenn Politik und Verwaltung eingreifen“, sagt Schaar.

Schon heute zeige sich, was mangelnder Baugrund für die heimischen Unternehmen bedeute: Potenzielle Mitarbeiter könnten ihren Lebensmittelpunkt nicht in den Kreis verlegen. Die Unternehmen verlören somit an Attraktivität für Arbeitnehmer.

Von Paul Bröker

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