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Zeitumstellung am Wochenende: Jäger und ADAC warnen vor Wildunfällen

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Von: Carolin Eberth

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Auf Warnzeichen achten und diese ernst nehmen. Das ist einer der Tipps, die die Polizei zum Vermeiden von Wildunfällen gibt.
Zeitumstellung am Wochenende: Jäger und ADAC warnen vor Wildunfällen © Carolin Eberth

Am Wochenende werden die Uhren auf Winterzeit umgestellt. Es wird morgens wieder früher hell und abends eine Stunde früher dunkler. Damit fällt die Dämmerungszeit, in der sich die heimischen Wildtiere auf Nahrungssuche begeben, wieder in die Hauptverkehrszeit. Deshalb ist auf den Straßen besondere Vorsicht geboten, wie der ADAC Hessen-Thüringen und die heimischen Jäger warnen.

Hersfeld-Rotenburg – „Tiere kennen weder Verkehrsregeln noch Uhrzeit. Daher sollten Verkehrsteilnehmer in den Wochen nach der Zeitumstellung besondere Vorsicht walten lassen“, rät Wolfgang Herda, Verkehrsexperte des ADAC Hessen-Thüringen. „Nur mit ausreichend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug behalten Autofahrerinnen und Autofahrer den Überblick und kommen bei einer Gefahrenbremsung rechtzeitig zum Stehen“, so Herda.

Die Dämmerungszeit ist die Zeit, in der Wildtiere aktiv werden. Reh, Wildschwein oder Hirsch orientieren sich allerdings am Tageslicht und kennen die Zeitumstellung nicht. Während sie am Vortag die Fahrbahn noch gefahrenlos überqueren konnten, braust einen Tag später plötzlich der Berufsverkehr über die Straße.

Insbesondere die Morgenstunden werden so zur Falle für Tier und Mensch. Zwischen 6 und 8 Uhr morgens ist das Risiko für einen Zusammenstoß besonders hoch. Am Abend wird es eine Stunde früher dunkel. Die Dämmerungsphase beginnt bereits gegen 17 Uhr und fällt damit ebenfalls in die Rush-Hour, warnen Wilfried Marchewka, der Vorsitzende des Kreisjagdvereins Bad Hersfeld, und Wolfgang Adam, Vorsitzender der Jägervereinigung Rotenburg. Aber was ist zu tun, wenn sich ein Zusammenstoß nicht mehr verhindern lässt? „Dann sollte man nicht ausweichen. Dabei riskieren Fahrer nämlich eine deutlich härtere Kollision: mit entgegenkommenden Autos oder Bäumen am Straßenrand“, warnt Wolfgang Adam.

„In der Unfallmeldung bitte die Fluchtrichtung mitteilen und die Unfallstelle markieren. Dies gelingt zum Beispiel mit einem weißen Papiertaschentuch, das an einen Ast oder Busch, von der Straße aus gut sichtbar, befestigt wird. Auch ein Einmalhandschuh aus dem Verbandskasten kann beispielsweise über den nächstgelegenen Leitpfosten gestülpt werden, um den Unfallort zu markieren. So kann der Jäger das verletzte Tier leichter finden“, sagt Wilfried Marchewka.

FRAGEN UND ANTWORTEN: Wildunfälle vermeiden und Tierleid verhindern

Im Herbst steigt das Risiko von Verkehrsunfällen merklich an. Denn nicht nur die früher einsetzende Dunkelheit, das Wetter und rutschiges Laub auf den Straßen halten ihre Tücken bereit, auch ist nach der Zeitumstellung zu den Hauptverkehrszeiten mehr Wild unterwegs, als sonst. Die Folge sind mehr Wildunfälle als im Rest des Jahres. Wir geben Tipps, was im Fall eines Wildunfalls zu beachten ist.

Wie kann man Wildunfällen vorbeugen?

Vor allem vorausschauend fahren und Geschwindigkeit anpassen, lautet die Devise. Denn die Geschwindigkeit ist ein entscheidender Faktor bei der Vermeidung von Wildunfällen. Je geringer die gefahrene Geschwindigkeit ist, desto größer ist die Chance, noch rechtzeitig vor dem Wildtier zum Stehen zu kommen. Wer Tempo 80 statt 100 fährt, verkürzt den Bremsweg bereits um 25 Meter, teilt der Landesjagdverband Hessen mit.

Wieso sind Wildunfälle so gefährlich?

Große Tiere wie Wildschweine und Hirsche können schwere Unfälle verursachen. Der Zusammenstoß mit einem rund 70 Kilogramm schweren Wildschwein bei Tempo 60 hat in etwa den Effekt, als würde sich ein zweieinhalb Tonnen schweres Nilpferd auf die Motorhaube setzen. Ein 100 Kilogramm schweres Wildschwein entspricht bereits einem dreieinhalb Tonnen schweren Nashorn, erklärt der Landesjagdverband.

Wo sollte man besonders vorsichtig sein?

Besonders gefährlich sind neue Straßen durch Waldgebiete, da das Wild seine gewohnten Wege über viele Jahre beibehält, gibt der Kreisjagdverein Hersfeld zu bedenken.

Wie verhält man sich als Autofahrer, wenn Wild am Straßenrand steht?

Wenn ein Tier am Straßenrand steht, sollte der Fahrer kontrolliert bremsen, abblenden und hupen. Die Augen der Wildtiere sind deutlich lichtempfindlicher als die des Menschen, das Fernlicht blendet und macht orientierungslos. Der Hupton hilft Wildtieren, sich akustisch zu orientieren und zu flüchten, rät der ADAC Hessen-Thüringen. Außerdem sollte man als Fahrer stets mit Nachzüglern rechnen, da ein Tier selten allein kommt.

Was sollte getan werden, falls man dem Wild nicht mehr ausweichen kann?

Falls eine Kollision unvermeidbar ist, sollte der Autofahrer nicht riskant ausweichen, sondern das Lenkrad gut festhalten und bremsen. Ein unkontrolliertes Ausweichmanöver erhöht laut ADAC Hessen-Thüringen das Unfallrisiko, besonders wenn das Auto in den Gegenverkehr gerät oder die Fahrt am Baum endet.

Was muss getan werden, wenn es zum Zusammenstoß mit einem Stück Wild kam?

Nach einer Kollision muss die Unfallstelle unverzüglich gesichert werden: Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anlegen und Warndreieck aufstellen. Tote Tiere sollten nicht angefasst oder mitgenommen werden. Das Mitnehmen von getötetem Wild kann darüber hinaus als Wilderei zu bewerten sein, teilt der ADAC mit.

Muss auch die Polizei informiert werden?

Im Interesse des Tierschutzes ist es nach einem Wildunfall Pflicht, die Polizei anzurufen, selbst wenn das Tier geflüchtet ist. Diese kontaktiert den zuständigen Jäger, der das verletzte Tier suchen und erlösen kann. Die Polizei stellt vor Ort eine Wildunfallbescheinigung aus, die anschließend als Nachweis bei der Versicherung dient.

(Von Carolin Eberth)

Der Kreisjagdverein Hersfeld weist auf den Ratgeberfilm „Wildunfälle verhindern“ hin, welcher vom Landesjagdverband in Zusammenarbeit mit der Polizei Mittelhessen und dem ADAC Hessen-Thüringen entstanden ist. Im Internet ist er zu finden unter:
ljv-hessen.de/wildunfall-film

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