Projekt kostet sechs Millionen Euro

Zinkhalde wird eingepackt: Dauerlösung für Altlasten aus Richelsdorfer Bergbau

Die Halde am Rand des Betriebsgeländes außerhalb des Wildecker Ortsteils Richelsdorf wirkt unscheinbar, hat es aber in sich: Dort lagern zum Teil giftige Rückstände aus der Farbenproduktion und der Kupferverhüttung. Das Gelände ist eingezäunt. Die Halde hat ein Volumen von etwa 100 000 Kubikmetern. Foto: Dupont

Richelsdorf. Alle sechs Wochen fährt ein Lkw auf das ehemalige Betriebsgelände der Richelsdorfer Hütte. In Containern transportiert er von dort mit Schwermetallen belasteten Schlamm zur Entsorgung ab. Seit 1992 filtert eine Wasseraufbereitungsanlage auf dem Gelände die Schwermetalle erfolgreich aus dem Grundwasser.

Von 1992 bis zum Jahr 2000 filterte die alte Anlage aus 180.000 Kubikmetern Grundwasser etwa 45.000 Kilogramm Zink, 130 Kilogramm Cadmium und 72 Kilogramm Arsen. Von 2010 bis 2015 entfernte die neue Anlage 9300 Kilogramm Schwermetalle, ebenfalls vor allem Zink, aber auch 1,7 Kilogramm Arsen. Mit der erfolgreichen Grundwasser-Aufbereitung entfällt ein Weg, auf dem die Schwermetalle weitergeleitet werden konnten.

Sie soll irgendwann überflüssig werden: Die Anlage für die Grundwasser-Aufbereitung auf dem ehemaligen Gelände der Richelsdorfer Hütte ist in einer Halle untergebracht. Sie läuft vollautomatisch. Die Anlage verhindert das Abfließen von schwermetallhaltigem Wasser von dem Gelände und der Halde. Foto: Hessische Industriemüll GmbH/nh

Ein weiterer erfolgreicher Schritt war 1999 die Verlegung der Weihe aus dem Einflussbereich der Altlasten. Seitdem enthält auch der Bach zumindest keine Schwermetalle mehr von dem Betriebsgelände der Richelsdorfer Hütte. Jetzt führt er noch Schadstoffe aus dem Friedrichstollen, aus dem er kommt. Zwei weitere mögliche Wege zur Verbreitung der Schadstoffe gibt es noch. Bei der Produktion damals können Giftstoffe durch Schornsteine in die Luft gepustet worden sein. Außerdem ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Richelsdorfer selbst in vergangenen Jahrzehnten möglicherweise belasteten Boden von dem Betriebsgelände in den Ort und auf ihre Grundstücke geholt haben. Material von der Hütte wurde auch beim Straßenbau verwendet. Zurzeit laufen Untersuchungen von Privatgrundstücken. Die Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr vorliegen.

Hauptquelle im Griff

Die ursprüngliche Hauptquelle dieser Probleme – das Betriebsgelände der Richelsdorfer Hütte und die Zinkhalde – hält das vom Land Hessen mit der Sanierung beauftragte Unternehmen also seit langem erfolgreich in Schach. Um die Altlasten kümmert sich die Hessische Industriemüll GmbH (HIM).

Die ohne Unterbrechung laufende Wasseraufbereitung allerdings hat ihren Preis. Der Betrieb der Anlage kostet pro Jahr 80 000 bis 100 000 Euro. Deshalb basteln die Sanierer jetzt an einer Dauerlösung für die Halde: Sie soll mit einer Kunststoff-Bahn eingepackt und abgedichtet werden. Dann können Niederschläge keine Schadstoffe mehr aus der Halde noch tiefer in den Boden sickern lassen.

„Die Pläne für das Projekt liegen zur Zeit dem Regierungspräsidium zur Genehmigung vor“, berichtet HIM-Mitarbeiter Zrinko Rezic. Das Einpacken der Halde würde etwa sechs Millionen Euro kosten. Ziel ist, mit dem Einpacken 2019 zu beginnen. Dazu muss die Halde gerodet und die Außenböschungen begradigt werden. Am Fuß der Halde entsteht eine Entwässerung.

Das Zink verkaufen?

Mit dem Einpacken soll die Hauptschadstoffquelle dauerhaft gesichert werden. Die Verantwortlichen hoffen, dass irgendwann nichts oder nur noch sehr geringe Mengen an Schwermetallen ausgewaschen werden und die Wasseraufbereitung dann eingestellt werden kann.

100 Jahre soll die Folie halten, versprechen die Hersteller. Denkbar ist aber auch, dass sie gar nicht so lange halten muss. Falls irgendwann zum Beispiel die Zinkpreise kräftig steigen sollten, könnte eine Aufarbeitung der Schwermetalle und ein Verkauf doch noch wirtschaftlich werden.

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