Zoff um Medibus-Äußerung: Kassenärztliche Vereinigung will Unterlassungserklärung von VdK

Bundesweites Pilotprojekt: Der Medibus, hier eine Aufnahme aus dem Sommer 2020, steuert im Halbtagswechsel Cornberg, Herleshausen, Nentershausen, Sontra und Weißenborn an.
+
Bundesweites Pilotprojekt: Der Medibus, hier eine Aufnahme aus dem Sommer 2020, steuert im Halbtagswechsel Cornberg, Herleshausen, Nentershausen, Sontra und Weißenborn an.

„Wir sind entsetzt, mit welcher Form der Hetzpropaganda der VdK Rotenburg mit seinen beiden Ortsverbänden Cornberg und Nentershausen operiert“, so die KVH.

Nentershausen/Cornberg/Frankfurt – Mit drastischen Worten und einer Unterlassungserklärung hat die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) auf die jüngsten Vorwürfe des Sozialverbands VdK Rotenburg reagiert, der behauptet hatte, die KVH würde die Weiterführung der mobilen Arztpraxis Medibus gefährden. „Wir sehen darin den jämmerlichen Versuch, sich im Vorfeld der Kommunalwahlen auf Kosten der Menschen in der Region zu profilieren“, schreiben die KVH-Vorstandsvorsitzenden, Frank Dastych und Dr. Eckhard Starke, in einer Presseerklärung. Wer so die Ängste der Menschen instrumentalisiere und „ein offenbar derart gestörtes Verhältnis zur Wahrheit hat, hat weder im VdK noch in der Kommunalpolitik etwas zu suchen“.

So lautete die Kritik des VdK

Die KVH habe vorsätzlich die Mitarbeiter des Medibusses nicht darüber unterrichtet, ob das Projekt nach dem 31. März weitergeführt werde. „Hier war die heimliche Hoffnung, dass die Beteiligten das Handtuch werfen. So auch jetzt geschehen. Da die beteiligte Ärztin die ganze Zeit keine Informationen von der KVH bekam und nach dem 31. März nicht arbeitslos werden wollte, sah sie sich im Umfeld ihres Wohnortes nach einer neuen Tätigkeit um. Diese Reaktion durch die Desinformation kann man durchaus nachvollziehen. Trotzdem muss man der Ärztin für ihren selbstlosen Einsatz für die Patienten herzlichst danken“, heißt es in der Pressemitteilung des VDK. Der Medibus stehe nun vorerst ohne ärztliche Kraft da. „Die KVH wird jetzt darauf hinweisen, dass sie das nicht voraussehen konnte“, so der VdK weiter. Tatsächlich habe die KVH aber schon im Laufe der letzten Zeit darüber nachgedacht, den Medibus unter einem Vorwand – wie jetzt eingetreten – zum schnellstmöglichen Termin stillzulegen und ihn zu einem Beratungszentrum umzubauen, meint der VdK.

„Die KVH sowie die KV-Vertreter vor Ort, aber auch die Hessische Landesregierung, wollten die Patienten hinters Licht führen. Jetzt ist das eingetreten, was der VdK schon vermutet hatte, da man sich über die Kommunalwahl retten wollte“, so der VdK-Kreisvorsitzende Raymond Singh.

Patienten in den betroffenen Kommunen stünden somit ab dem 31. März ohne ärztliche Versorgung da. „Es ist eine Unverfrorenheit, mit Patientenleben ein Pokerspiel zu veranstalten. Nur eine kurzfristige Vertretung kann hier noch das Fiasko abwenden. Schauen wir mal, ob die KVH dies hinbekommt. Der Glaube daran stirbt bei uns zuletzt“, heißt es in der Pressemitteilung.

Nach Ansicht der KVH entspreche „nichts von dem, was der dortige Vorsitzende Raymond Singh und sein Stell-vertreter Herbert Heisterkamp“ zuvor in einer Pressemitteilung geschrieben hatten, „auch nur im Entferntesten der Wahrheit“.

Der Sozialverband hatte der KVH vorgeworfen, dass sie die Mitarbeiter des Medibusses nicht darüber unterrichtet habe, ob die rollende Arztpraxis nach dem 31. März weitergeführt wird. „Hier war die heimliche Hoffnung, dass die Beteiligten das Handtuch werfen“, so der VdK. Eine Ärztin habe sich deshalb nach einer neuen Tätigkeit umgesehen. Patienten in den betroffenen Kommunen stünden deshalb ab dem 31. März ohne ärztliche Versorgung da. „Es ist eine Unverfrorenheit, mit Patientenleben ein Pokerspiel zu veranstalten“, hatte der VdK kritisiert.

Die Kassenärztliche Vereinigung widerspricht: „Die Patientenversorgung ist über den 31. März hinaus nicht nur gesichert, sondern stabiler aufgestellt als bisher.“ Von der „heimlichen Hoffnung“, das Projekt könne scheitern, könne keine Rede sein. „Was seitens des VdK passiert, ist übelste Demagogie von ganz links unten. Wer solche Linien überschreitet, muss auch mit den Konsequenzen leben.“ Dastych und Starke teilen mit, dass sie eine Unterlassungserklärung an den VdK Rotenburg und den Vorsitzenden Raymond Singh geschickt hätten. „Wir erwarten hier unverzüglich eine öffentliche Richtigstellung.“ Raymond Singh wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung vorerst nicht äußern.

Der Medibus, die rollende Hausarztpraxis, steuert seit Juli 2018 von montags bis donnerstags im Halbtageswechsel Cornberg, Herleshausen, Nentershausen, Sontra und Weißenborn an. Er soll die medizinische Versorgung in den Kommunen aufrechterhalten. Die Finanzierung war vorerst nur bis Ende 2020 gesichert.

Anfang Februar teilte das Land mit, dass das deutschlandweit in dieser Form einmalige Pilotprojekt der KVH für drei weitere Jahre gesichert sei. (Sebastian Schaffner)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.