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Zwischen Orient und Okzident: Bad Hersfelder Chorverein beeindruckte mit Karl Jenkins’ Stabat Mater

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Von: Ute Janßen

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Eindrucksvolle Klangwelten präsentierte der Chorverein Bad Hersfeld mit Unterstützung der Frankfurter Sinfoniker und der Solistin Susanne Schimmack mit „Stabat Mater“ von Karl Jenkins in der Stadthalle. Die Leitung hatte Helgo Hahn. Weitere
Eindrucksvolle Klangwelten präsentierte der Chorverein Bad Hersfeld mit Unterstützung der Frankfurter Sinfoniker und der Solistin Susanne Schimmack mit „Stabat Mater“ von Karl Jenkins in der Stadthalle. Die Leitung hatte Helgo Hahn. Weitere © Steffen Sennewald

Eindrucksvolle Klangwelten präsentierte der Chorverein Bad Hersfeld mit Unterstützung der Frankfurter Sinfoniker und der Solistin Susanne Schimmack mit „Stabat Mater“ von Karl Jenkins in der Stadthalle.

Bad Hersfeld – Eine Mutter in Trauer um ihr Kind. Diese Botschaft wird überall verstanden – unabhängig von Sprache oder Kulturkreis. Die trauernde, um ihren toten Sohn klagende Maria steht im Mittelpunkt von Karl Jenkins’ „Stabat Mater“, das der Chorverein gemeinsam mit den Frankfurter Sinfonikern unter der Leitung von Helgo Hahn in der Stadthalle aufgeführt hat.

Der walisische Komponist Karl Jenkins (geboren 1944) hat den mittelalterlichen Text mit starken Bezügen vor allem in den arabischen Kulturraum vertont und durch weitere Texte ergänzt. So kommt unter anderem der persische Mystiker Rumi zu Wort, Jenkins’ Ehefrau, die Autorin und Komponistin Carol Barrat hat ein „Lament“ beigesteuert und eine Stelle aus dem altbabylonischen Gilgamesch-Epos wird zitiert. Der Text beschränkt sich nicht nur auf das Latein der mittelalterlichen Vorlage (die unter anderem auch von Komponisten wie Verdi, Pergolesi, Haydn, Dvorák und Penderecki vertont wurde), gesungen wird auch auf Englisch, Hebräisch, Altgriechisch, Aramäisch – Sprachen, die in besonderer Weise mit der biblischen Botschaft und ihren Ursprüngen verbunden sind.

Mezzosopranistin Susanne Schimmack gestaltete ihre Parte mit warmem, leicht abgedunkelten aber dennoch erstaunlich obertonreichem Timbre.
Mezzosopranistin Susanne Schimmack gestaltete ihre Parte mit warmem, leicht abgedunkelten aber dennoch erstaunlich obertonreichem Timbre. © Steffen Sennewald

Jenkins’ Werk steht für eine Synthese aus Klassik und Weltmusik, darin ähnelt das Stabat Mater seiner populärsten Komposition „Adiemus“. Besonders deutlich trat Jenkins’ Kompositionsprinzip in seinem Concerto Grosso „Palladio“ (benannt nach dem italienischen Renaissance-Architekten Andrea Palladio, der wie kaum ein anderer für die Verbindung zwischen Harmonie und Eleganz steht, der erste Satz wurde im Übrigen durch einen Werbespot für Diamanten populär) hervor, mit dem die Streichergruppe der Frankfurter Sinfoniker unter Hahns Leitung das Programm ergänzte. Kleine, geradezu minimalistisch gestaltete musikalische Motive werden über einem Klangteppich in verschiedenen Varianten wiederholt, was einen geradezu meditativen Charakter erzeugt.

Die Musik zeigt sich effektvoll und flächig gestaltet, Bewegung findet über satten Klangteppichen statt, die zum Teil an Filmmusik erinnern. An einigen Stellen wird der satte, fast popularmusikalisch eingängige Klang dem Klagethema und der Innigkeit der Texte allerdings nur eingeschränkt gerecht. Über tieftraurigen, berührenden Texten liegt an einigen Stellen Musik, der es zum Teil an Tiefenschärfe und emotionalem Charakter mangelt. Der Chorverein und die Mezzosopranistin Susanne Schimmack, die ihre Partie mit warmem, leicht abgedunkelten aber dennoch erstaunlich obertonreichem Timbre gestaltete, sorgten jedoch dafür, dass die Musik an keiner Stelle falsches Pathos entwickelte oder gar ins Kitschige abdriftete und dass die Charakteristika der Musik mit ihren harmonischen Rückungen und den Anklängen an arabische Musik – sozusagen als Brücke zwischen Europa und der Ursprungsregion der biblischen Botschaft – mit viel Liebe zum Detail herausgearbeitet wurde.

Die Frankfurter Sinfoniker legten eine dynamisch gestaltete, teilweise schwelgerische aber vor allem durch die rhythmische Akzentuierung über das Schlagwerk souverän gestaltete Basis für die Gesangsstimmen. Insbesondere die Sängerinnen und Sänger des Chorvereins, die unter nicht ganz einfachen akustischen Bedingungen in der Stadthalle agierten, sind besonders zu loben. Sie folgten Hahns Dirigat aufmerksam und bewiesen deutlichen Gestaltungswillen. Abgesehen von intonatorischen Trübungen in der Schlussphase (vor allem im sehr heiklen, abgesehen vom Schlagwerk ohne Orchester gesungenen Chor „Fac, ut portam Christi mortem“) fand der Chor zu einer souveränen Behandlung der Musik. Eindrucksvoll gelang vor allem die Steigerung am Schluss – buchstäblich mit Pauken und Trompeten – die in einem triumphal strahlenden, kraftvollen „Amen. Alleluja“ mündete. Mit stehendem Applaus revanchierte sich das Publikum in der gut besetzten Stadthalle für ein intensives Konzerterlebnis. (Ute Janßen)

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