Zwischen den Zeilen

Zwischen den Zeilen: Trauer in Paris, Ängste in Bad Hersfeld

Kai A. Struthoff

Fassungslos blicken wir in diesen Stunden nach Paris. Die Stadt der Liebe wird zu einem Tal der Tränen. Viele von uns erinnern sich jetzt an schöne Stunden am Ufer der Seine, auf den Stufen von Sacré Coeur mit dem Blick auf das Lichtermeer dieser farbenfrohen, liberalen Metropole.

Und unsere Gedanken sind bei unseren Freunden - zum Beispiel in unserer Partnerstadt L’Haÿ-les-Roses. Feige Terroristen attackieren das Herz der modernen europäischen Demokratie: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - diese gemeinsamen Werte können auch Bomben und Gewalt nicht erschüttern!

Es ist eben dieser menschenverachtende Terrorismus, der so viele Menschen dazu bringt, ihre Heimat zu verlassen und sich auf die lange, gefährliche Flucht nach Europa zu machen. 

Unser Live-Ticker zu den Anschlägen in Paris

Auch uns hat in der vergangenen Woche die Mitteilung erreicht, dass schon bald mehrere hundert Flüchtlinge im ehemaligen Herkules-Einkaufsmarkt in der Innenstadt untergebracht werden sollen. Die Umbau-Arbeiten haben schon begonnen. Und plötzlich werden auch in unserer beschaulichen Stadt die diffusen, ganz menschlichen Ängste vor Fremdem und Neuem konkret.

Trotzdem war ich entsetzt, welche Befürchtungen bei der Bürgerversammlung in Bad Hersfeld laut wurden. Von angeblichen Massenvergewaltigungen und kollektiven Raubzügen war da die Rede. Hallo?! Dafür gibt es überhaupt keine Indizien, außer kruder Stimmungsmache via Facebook. Diese Ängste müssen ernstgenommen werden, aber man muss ihnen mit Fakten begegnen. Ich selbst hatte das große Privileg, viel reisen zu dürfen und war auch in einigen der Herkunftsländer der Flüchtlinge. Ich habe dort viel Gastfreundschaft und Menschlichkeit erlebt und die Erfahrung gemacht, dass einem die meisten Menschen so begegnen, wie man ihnen gegenübertritt. Ein Lächeln sagt oft mehr als tausend Worte. Alles blauäugiges Gutmenschen-Gewäsch? Das werden viele leider so sehen. Ich bleibe trotzdem optimistisch - auch wenn das an Tagen wie diesen schwer ist.

Dass Dieter Wedel ein gutes Händchen für starke Inszenierungen hat, wissen wir. Sonst wäre er kein Erfolgsregisseur. So ist wohl auch sein Auftritt bei der Spielplan-Pressekonferenz zu werten, als er unverhohlen mit Rücktritt drohte. Es ist verständlich, dass dem Intendanten bei all dem Politgezänk in unserer Stadt der Kragen geplatzt ist. Man darf das wohl als kalkulierten Warnschuss mit Theaterdonner verstehen. Tatsächlich hätte man diesen Streit aber nicht vor der versammelten bundesdeutschen Presse austragen dürfen, sondern geräuschlos klären müssen.

Dabei zeigt sich freilich auch, wie isoliert Bürgermeister Thomas Fehling zwischen den politischen Fronten steht. Anstatt mit der Autorität des Amtes alle Beteiligten an einen Tisch und zu einem Kompromiss zu zwingen, eskalierte der Streit vor laufenden Kameras. Gute Diplomatie sieht anders aus.

Am Ende waren dann alle selbst ganz entsetzt von ihrem unbedachten Tun und haben doch noch schnell einen Kompromiss gefunden. Immerhin.

Wie wir hören, nimmt Dieter Wedel nun einen zweiten Anlauf und will am kommenden Freitag doch noch den Spielplan vorstellen. Und angeblich hat er einige Überraschungen im Gepäck, die nicht schon auf den Plakaten standen.

Bei all den Hiobsbotschaften geht das Übernahmeangebot des Kreises an das HKZ völlig unter. Einzig Hans-Jürgen Schülbe hat sich kritisch zu Wort gemeldet. Sonst wagt sich keiner aus der Deckung. Im Hintergrund aber versuchen interessierte Kreise, die Strategie von Landrat Michael Koch zu erschüttern. Sie stellen – berechtigte – Fragen, etwa nach der Tragfähigkeit der Finanzierung und des medizinischen Konzepts. Und auch in beiden Kliniken rumort es. Viele Mitarbeiter sorgen sich, dass eine solche Fusion beide Häuser in den Ruin reißen könnte. Unterdessen künden die Buschtrommeln davon, dass es schon am Montag Neuigkeiten vom Klinik-Clinch geben könnte.

Als Falschmeldung wird sich hoffentlich die Weissagung der Grünen herausstellen, wonach die K+S-Versenkerlaubnis nicht verlängert wird. Leider vernehmen auch wir derzeit eher negative Signale. Wie es auch ausgeht: Völlig unangemessen und zynisch ist die Formulierung der Grünen „Vor der Hacke ist es duster“ – als gehe es hier um grenzdebile Salzkratzer und nicht um das Schicksal vieler Menschen und einer ganzen Region.

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