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100 Jahre Erster Weltkrieg: Schwälmer daheim und an der Front hungern

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Feldpostkarte: Deutscher Soldat in Kriegsgefangenschaft © Foto: Sammlung Lindenthal

Schwalm. Trotz der Ersatzstoffe und des Sammelns aller möglichen Metalle, Knochen, Bucheckern usw. herrschte Mangel an vielen Dingen und die Menschen hungerten, aber auch die Soldaten klagten über schlechter werdendes Essen. Karl Wilhelm, nach dem Kriege Lehrer in Merzhausen, berichtet von der Westfront, dass das Essen immer wässriger wurde und es nur alle drei Tage je Mann ein Brot gab.

Auch hier wurde gesammelt: „Einige Kameraden lieferten Geschosskörbe und anderes Altmaterial ab, wofür sie eine Sammelprämie bekamen. Diese seit einiger Zeit geübte Tätigkeit hatte ihren Grund in der sich immer stärker bemerkbar machenden deutschen Materialknappheit.“

Davon schreibt auch Lehrer Katzwinkel in der Frankenhainer Schulchronik: „Der Mangel an Rohmaterial nahm in letzter Zeit derart zu, dass auch der Laie einsah, dass an eine weitere Fortsetzung des Krieges nicht zu denken war. So müssen beispielsweise hier viele Kinder zur Zeit bei der schon rauen Witterung Holzschuhe tragen (Holzpantoffeln, wie sie z. B. in der Rhön gearbeitet werden). Ebenso wird sich in der sonstigen Kleidung recht mangelhaft beholfen. Viele Erwachsene tragen Militärschuhe oder Militärstiefel, welche sie auf irgendeine rechtmäßige oder unrechtmäßige Weise erstanden haben.“ (7.12.18) Er schildert die Stimmung nach dem Ende der Kämpfe: „Nachdem der Waffenstillstand angenommen, war man zunächst hier allgemein froh, dass das scheußliche Morden jetzt beendet ist. Wenn sich die Stimmung erklärlicherweise über das Kriegsende nicht in lautem Jubel auslöste, so hatte man doch den einen Trostgedanken: Es werden keine Menschenleben mehr unnütz geopfert.“

Den Zustand der heimkehrenden Truppen beschreibt er wie folgt: „Die Pferde sahen abgetrieben und ausgehungert aus. Dasselbe galt auch von den Soldaten. Im hiesigen Schulsaal wurden 16 Mann untergebracht. Zum größten Teil konnten die Soldaten in Betten schlafen. Dass sie hier und da in den Familien Ungeziefer, besonders Läuse, zurückgelassen haben, ist weiter nicht verwunderlich, aber unangenehm. Diese Tierchen werden wohl bei uns in Deutschland erst nach Friedensschluss verschwinden.“

Karl Wilhelm, der am 31. Juli 1917 während der großen Flandernschlacht in englische Gefangenschaft geraten war, erlebte die ständige Ankunft weiterer Gefangener: „Über diese Leute, die ausgehungert, zerlumpt, unrasiert, abgemagert und ausgemergelt durch unser Lager zogen, äußerte sich ein Kamerad: Sind das überhaupt noch deutsche Soldaten? Das sind Russen. Guckt sie euch nur an, diese Wegweiser, diese Garderobenständer! Mit denen konnte man doch keinen Krieg mehr gewinnen.“

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