Bei der Vorstellung der Pläne für den Wallgraben gab es auch kritische Stimmen

Bis 2018 soll geräumt sein

Wollten sich über die Pläne für die Kampfmittelräumung des Wallgrabens informieren: Rund 220 Menschen kamen in die Kulturhalle nach Ziegenhain. Fotos: Haaß

Ziegenhain. Die Stühle vom Mittwoch standen noch in der Kulturhalle. Ging es tags zuvor um die Notunterkunft für Flüchtlinge im Chinapark, drehte sich am Donnerstagabend alles um den Wallgraben.

Rund 220 Menschen wollten sich über die geplante Entmunitionierung der historischen Anlage informieren. „Das Thema Wallgraben treibt uns ja schon einige Jahre um“, sagte Schwalmstadts Stadtverordnetenvorsteher Reinhard Otto.

Das sagt die Ministerin:

Bevor Fachleute vom Hessischen Baumanagement, Kampfmittelräumdienst und Naturschutzbehörde zu Detailfragen Stellung bezogen, gab die hessische Ministerin der Justiz, Eva Kühne-Hörmann, einen einleitenden Überblick.

Die Ministerin warb um Verständnis für die lange Dauer des sich bereits seit 2006 hinziehenden Verfahrens. Das sei keine Untätigkeit gewesen, sondern die Fachleute hätten für die komplexen Untersuchungen und Gutachten einfach Zeit gebraucht. „Sicherheit geht vor Schnelligkeit“, stellte Kühne-Hörmann fest.

Das sind die Pläne:

Für die Räumung und Bergung der im Wallgraben vermuteten Kampfmittel veranschlagt die Ministerin 10,9 Millionen Euro. Nach einer europaweiten Ausschreibung soll der Graben ab 2016 in drei Räumabschnitten mithilfe eines Spülsiebgreifverfahrens von Munition und Sprengmitteln befreit werden. „Ziel der Maßnahme ist die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands“, sagte Wolfgang Ziegenhain, Leiter des Hessischen Baumanagements am Standort Schwalmstadt.

Die erste Proberäumung ist laut Justizministerin für September 2016 geplant. Bis Juli 2018 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. „Ich denke, es ist realistisch, dass das eingehalten werden kann“, sagte die Ministerin.

Das fragten Anwohner:

Besonders Anwohner, aber auch Mitglieder des „Arbeitskreis Festung Ziegenhain“ und Angler nutzten die Gelegenheit für kritische Nachfragen. So wollte ein Anwohner wissen, welche Maßnahmen für die Sicherheit der Bevölkerung geplant sind. Auch Fragen über die Zukunft des Fischbestands und die Gestaltung des Uferbereichs brannten den Ziegenhainern auf den Nägeln.

Norbert Schidleja macht sich Sorgen um Wasserqualität und Frischwasserzufuhr des Wallgrabens nach Ende der Kampfmittelräumung: „Es wird Jahrzehnte dauern, bis sich das Ökosystem wieder hergestellt hat.“ Bernd Völker vom Arbeitskreis Festung Ziegenhain stellte fest, dass die Entfernung der Munition noch lange nicht die Sanierung der Wasserfestung sei. Die Ministerin dazu: „Das ist eine Sache, die man weiter Schritt für Schritt diskutieren muss.“

Von Matthias Haaß

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