25-Jährige ist todkrank - trotzdem liebt sie das Leben

Hat das positive Denken trotz Krankheit nicht aufgegeben: Maria Langstroff während eines Fotoshootings 2009. Foto: Michael Schreiner /nh

Schwalmstadt. Seit zwei Jahren lebt Maria Langstroff aus Treysa in einem Pflegeheim. Die 25-Jährige leidet an einer unheilbaren Muskelerkrankung. Häufig wurde sie mit Behindertenfeindlichkeit konfrontiert. Die Erfahrungen verarbeitete sie in ihrem Buch.

Anfeindungen, Beleidigungen und demütigende Reaktionen: Das sind die Erfahrungen, die Maria Langstroff wegen ihrer Behinderung immer wieder ertragen musste. „Seit ich im Rollstuhl sitze, habe ich die Gesellschaft von ihrer hässlichen Seite kennengelernt“, sagt die 25-Jährige aus Treysa.

Eigentlich hat Maria andere Pläne für ihr Leben gehabt. Eine Familie gründen, zwei Kinder bekommen und als Lehrerin arbeiten - so stellte sich Maria ihre Zukunft vor. Ziele, denen scheinbar nichts im Wege zu stehen schien. 2006 legte sie am Schwalmgymnasium ihr Abitur ab. Ihre Leistungskurse waren Deutsch und Englisch. 2008 schrieb sie sich an der Uni Marburg für die Fächer Anglistik, Germanistik und Pädagogik für das Lehramt an Gymnasien sowie Psychologie ein.

Das Buch

Im Winter auf dem Bahnsteig stehen gelassen, Kinder, die sie mit Schneebällen bewarfen, sich lauthals darüber lustig machten, dass sich „der Spasti“ nicht wehren kann. Solch demütigende Vorfälle verarbeitete Maria Langstroff in ihrem Buch „Mundtot!? Wie ich lernte, meine Stimme zu erheben – eine sterbenskranke junge Frau erzählt“. Offen schildert sie auch ihre Gefühle und wie ihr christlicher Glaube sowie der Rückhalt ihrer Familie ihr die Kraft geben, sich nicht aufzugeben.

Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag,
249 Seiten, 9,95 Euro.

www.maria-langstroff.de

Während dieser Zeit erfuhr sie von ihrer unheilbaren Erkrankung. Ihr linker Arm schmerzte so sehr, dass sie dachte, er würde zerreißen, erinnert sich die 25-Jährige im Gespräch mit der HNA. „Ich wusste, dass mit mir etwas nicht stimmt. Deshalb bin ich nicht in ein Krankenhaus gegangen“, sagt Maria. Als sie kurz darauf wegen einer Lungenembolie zur Reha war, überbrachte ihr ein Arzt die schreckliche Botschaft.

Über ihre Erkrankung ist wenig bekannt, außer dass die Symptome stetig zunehmen. Einen Namen hat die Krankheit nicht, es gibt nur die Beschreibung „progrediente, unbekannte Muskelerkrankung“. Also eine Muskelerkrankung mit fortschreitender Verschlechterung des Gesundheitszustands.

Mittlerweile ist Maria bettlägerig und lebt in einem Pflegeheim in Gießen. Ihr Zimmer ist 16 Quadratmeter groß. An den Wänden hängen Fotos von ihrer Familie und ihren Freunden. Ihre Sehkraft hat stark nachgelassen. Personen kann sie nur noch an Umrissen erkennen. Tageslicht dürfen ihre Augen nicht aufnehmen, deshalb ist ihr Raum abgedunkelt. Wenn sie Besuch bekommt, muss sie eine Sonnenbrille tragen. Über ihrem Bett stehen drei Worte: Glaube, Hoffnung, Träume.

Lieblingslied „Dieser Weg“

Sie habe sich mit ihrem Schicksal abgefunden, sagt die 25-Jährige. Die Kraft dazu schöpft sie aus ihrem christlichen Glauben, dem Rückhalt ihrer Familie und der Leidenschaft für Musik. Ihr Lieblingslied ist „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo. Maria hat die Hoffnung nicht verloren. Vom Pflegebett aus studiert sie weiter. Stehen Prüfungen an, dann besuchen sie die Professoren im Pflegeheim.

Maria weiß, dass sie in den nächsten Jahren sterben wird. Die Lähmungserscheinungen nehmen zu. Irgendwann werden auch die Lungen und der Herzmuskel betroffen sein. Trotzdem hat sich die 25-Jährige Ziele gesetzt, die sie noch erreichen möchte: Zusammen mit Behindertenorganisationen würde sie gern ein breites Netzwerk schaffen, das sich um Behindertenintegration bemüht. Ihr Studium möchte sie so lange fortführen, wie es geht. Ihr Traum ist es, einmal vor einer Schulklasse zu unterrichten. Nein, aufgegeben hat sich die 25-Jährige nicht. „Das Leben ist lebenswert, auch wenn es schwierig ist.“

Von Daniel Göbel

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