Gabriele und Holger Rode verließen kurz nach dem Mauerfall die DDR

30 Jahre Mauerfall: Von Potsdam in die Schwalm

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Wurden herzlich empfangen: Gabriele (65) und Holger (64) Rode leben seit knapp 30 Jahren in Treysa und erinnern sich zurück an die unruhigen Zeiten der Wende. 

„Die Menschen hier haben es uns leicht gemacht“, sagen Gabriele und Holger Rode. „Es lief fast schon zu glatt“, erzählen die beiden früheren Potsdamer, die seit 1990 in der Schwalm leben.

Die Stadt Potsdam vermissen sie manchmal immer noch, dennoch sind beide überzeugt: „Wir haben für unsere Familie alles richtig gemacht.“ Rodes entschlossen sich kurz nach dem Mauerfall im November 1989, die DDR zu verlassen. 

Noch genau erinnert sich Gabriele Rode (65) an die unruhigen Zeiten, die das Ende der DDR einläuteten. „Wir selbst hatten keine Fluchtgedanken, aber viele Bekannte machten sich auf den Weg. Die Lage wurde zunehmend unübersichtlicher, das zeichnete sich auch in den Betrieben ab.“ 

Am 9. November 1989 feierten Rodes den Geburtstag der Großmutter. Erst zuhause erfuhren sie vom Mauerfall. „Wir haben das zunächst gar nicht realisiert. In den kommenden Tagen war ja längst nicht gleich klar, wie es weitergehen würde. Klar freuten wir uns, erstmals über die Glienicker Brücke gehen zu können – aber es war mulmig, wir dachten, womöglich kommen wir nicht mehr zurück“, erinnert sich Holger Rode (64).

Auch die Flut der Nachrichten überraschte die Rodes, die gerade ihr drittes Kind bekommen hatten. Der 64-Jährige berichtet, dass in den Betrieben nahezu nicht mehr gearbeitet wurde: „Die Leute waren völlig aus dem Häuschen, alle holten sich die Stempel für ihre Ausweise, um ausreisen zu können – die Neugier war riesig.“ 

Und tatsächlich wird die Familie beim ersten Besuch in Westberlin begeistert begrüßt: „Es war alles so bunt, es herrschte eine nicht gekannte Euphorie – wir drehten die Autoscheiben runter und bekamen Kaffeepakete reingeworfen“, erzählt das Paar.

Bei aller Freude wuchs auch die Sorge – unter anderem die, was eigentlich mit dem Geld passiert. Rodes erfuhren, dass Freunde in Trutzhain untergekommen waren – und fuhren kurzerhand hin. „Es hat uns hier auf Anhieb gefallen. Und wir wollten als Familie auch irgendwie mutig sein und Neues wagen“, sagt Gabriele Rode. Mithilfe der Freunde fand Holger Rode schnell einen Job im Baumarkt Mücke in Ziegenhain. 

Frau und Kinder ziehen in die Schwalm

Im März 1990 zog dann auch Gabriele mit den drei Kindern – insgesamt hat das Paar fünf aus vorherigen Ehen – in die Schwalm.

Fünf Jahre lebte die Familie in Wiera, mietete dann ein Haus in Treysa, heute ist es ihr Eigentum. Gabriele Rode, die Russisch und Englisch studiert hatte, fasste beruflich wieder Fuß: „Ich wollte unbedingt in meinem Beruf als Lehrerin arbeiten, aber in der DDR gab es nur das erste Staatsexamen. Ich gab hier Kurse in der Volkshochschule, dann machte ich das Referendariat an der Carl-Bantzer-Schule in Ziegenhain.“ Hier fand sie ihre Berufung, zuletzt, bis zum Ruhestand im Sommer, als stellvertretende Schulleiterin. Holger Rode war bis zu seiner Rente in der Auftragsverwaltung der Hephata-Werkstätten tätig.

Ausflug zum Dinopark: Die Rodes mit mit den Kindern Lars und Björn im Jahre 1984. Foto: Familie Rode

Vom Leben in der DDR gibt es noch viele Fotos und die Verwandten in Potsdam, die regelmäßig besucht werden. Und immer wieder mussten Rodes auch in der Schwalm ihre Geschichte erzählen: „Wir haben festgestellt, es gab viele Vorurteile – aber auf beiden Seiten“, sagen sie. „Wir wussten nichts vom Westen und der Westen wenig vom Osten.“ Als Familie seien sie glücklich mit ihrer Entscheidung: „Wir sind stolz, dass es geklappt hat und allen dankbar, die uns begleitet haben.“ 

Ob Deutschland zusammen gewachsen sei? Dazu beziehen Rodes klar Stellung: „Dieser Prozess dauert noch an.“

Von Sandra Rose

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