Wappenstein hat Geburtstag

Monument an der früheren Steintorbrücke ist 300 Jahre alt

Das barocke Wappen: Der Stein ist das letzte Relikt der abgebrochenen Steintürbrücke. Foto: Stadtgeschichtlicher Arbeitskreis

Auch wenn eine von Treysas bekanntesten Brücken längst Geschichte ist, ihr Wappenstein steht immer noch am Fuße der unteren Steingasse:

In diesen Tagen wird der Wappenstein nahe der früheren Steintorbrücke 300 Jahre alt. Mitglieder des Stadtgeschichtlichen Arbeitskreises erinnern an das Monument.

Aufgestellt in 1719

Sie berichten, dass der Stein im Jahre 1719 aufgestellt wurde. In einem Bericht aus 2004 (Schwälmer Jahrbuch) schrieb Mitglied Hans Friauf: „Es hätte nicht mehr viel gefehlt und auch er wäre uns für immer verloren gegangen. Gemeint ist hier der denkmalgeschützte Wappenstein aus der ehemaligen Steintorbrücke, die 1968 aus verkehrstechnischen Gründen abgebrochen wurde.“

Steintorbrücke und Hexenturm

Seinerzeit sei ein Kleinod unwiederbringlich zerstört und der historisch gewachsene Ort Treysa um ein bedeutendes Kulturgut ärmer geworden. Dabei habe die Steintorbrücke mit dem nahe gelegenen Hexenturm – ein Reststück der früheren äußeren Stadtmauer – immer wieder auch Maler und Fotografen inspiriert.

Wappenstein als Relikt erhalten

Als letztes und einziges Relikt blieb der Wappenstein erhalten, der heute noch ganz in der Nähe auf einem Betonsockel aufgerichtet steht. Der Reliefstein von etwas über zwei Quadratmeter Größe war seinerzeit erst viel später, nach Fertigstellung der Brücke in die Brustwehr eingesetzt worden, heißt es in Friaufs Bericht weiter. Er zeigt auf seinen beiden Ansichtsseiten stilisierte Wappen mit der Jahreszahl. Die Steinmetzarbeit soll ein Bildhauer namens HAG angefertigt haben.

Aufnahme von 1948: Das Foto zeigt die Steintorbrücke, die 1968 aus verkehrstechnischen Gründen abgerissen wurde. 

Fürsten- und Adelshäuser ließen sich Wappenschilde meist zu symbolhaften Darstellungen der eigenen Herrschaftsgebiete wie auch ihrer zugehörigen Familienbande gestalten. Das im Treysaer Wappenstein dargestellte Bildmotiv wurde von den Landesherren im Zeitraum von 1648 bis 1751 als hessisches Staatswappen geführt. Die im Verlauf des Giebelgesims eingefügten Großbuchstaben bedeuten die Initialen und Abkürzungen sämtlicher Titel des damaligen Landesherrn – Carl Landgraf zu Hessen, Fürst zu Hersfeld, Graf zu Catzenelnbogen, Dietz, Ziegenhain, Nidda und Schaumburg.

Ziegenadler als Wappen

Das Herstellungsjahr ist im Sockel des Denkmals eingemeißelt. Die Gegenseite zeigt in einem großen Oval das alte Treysaer Stadtwappen, den „Ziegenadler“, unter einer herrschaftlichen Krone. Dazu umlaufend in einem stilisierten Schleifenband die Aufschrift: Johann Jacob Müller, Consul reg. (Regierender Bürgermeister). Das Symbol des Treysaer Stadtwappens findet man als ein Steinbildnis im Ortsbereich nur noch im Wappenstein über dem Rathauseingang und auf dem Schild der Rolandsfigur am Marktkumpf. In einer Erlassung regelte Landgraf Friedrich II 1780 erstmals die Erhaltung der Denkmäler. Danach sollte bei Reparaturen an Kirchen, Rathäusern, Schlössern und alten Gebäuden darauf geachtet werden, „dass kein Monument durch Zerschlagung, Abhauung, Durchlöcherung, Übertünchung oder sonst auf irgend eine Weise Schaden leide“.

Schreiner, Schlosser, Maurer und Zimmerleute durften bei geistlichen Gebäuden nur mit Einverständnis des Pfarrers und bei weltlichen Bauwerken nur mit Zustimmung der Obrigkeit des Ortes Renovierungsarbeiten vornehmen.

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