Schlägerei vor Disko: Nur einer der Zeugen will entscheidenden Schlag gesehen haben

Abend endete in der Klinik

Treysa. Eine Schlägerei vor einer Disko beschäftigt die Gerichte: Wegen schwerer Körperverletzung musste sich kürzlich ein 35-jähriger Mann aus dem Altkreis Ziegenhain vor dem Amtsgericht verantworten.

Laut Anklageschrift soll der Qualitätsmanager im Oktober 2012 einen Mann vor einer Disko brutal zusammengeschlagen haben. Bei der Tat zog sich das Opfer zahlreiche Verletzungen zu und verlor zeitweise das Bewusstsein.

Schon zweimal mussten sich Gerichte mit der Schlägerei beschäftigen. Sowohl vor dem Jugendschöffengericht in Schwalmstadt wie auch vor Landegericht Marburg wurde über die Tat verhandelt. Damals saß ein Bekannter des 35-Jährigen auf der Anklagebank. Zur abermaligen Verhandlung vor dem Amtsgericht war es gekommen, weil der vormals Beschuldigte im Revisionsverfahren einen Freispruch erwirken konnte. „Das ist der zweite Versuch herauszufinden, was damals passiert ist“, sagte der Vorsitzende Richter.

„Ich habe definitiv gesehen, wie er ihn ins Gesicht geschlagen hat. Definitiv.“

Ein Zeuge

Von sechzehn geladenen Zeugen erschienen dreizehn. Drei fehlten unentschuldigt. Alle Zeugen hatten schon mehrmals vor Gericht zu dem Sachverhalt ausgesagt und wirkten teilweise sichtlich genervt. Augenscheinlich wünschten sich viele nur noch ein schnelles Ende. Sowohl der ehemals als Täter beschuldigte Bekannte, wie auch eine Ex-Freundin hatten bei der Aussage einen Rechtsbeistand zur Seite. Angesichts der aggressiven Prozessführung seitens der Verteidigung, war das keine schlechte Idee. Denn immer wieder versuchte der Verteidiger die Aussagen der Zeugen zu erschüttern.

Mancher Zeuge konnte sich aufgrund des langen Zeitraums nur noch schemenhaft an die Ereignisse der Tatnacht erinnern. Durch geschickte Fragetechnik gelang es aber dem Richter, immer wieder Details ans Tageslicht zu fördern.

Toilette demoliert

Der Angeklagte stritt die ihm vorgeworfene Tat rundweg ab. Er habe zwar in der Disko mit einem Feuerlöscher die Toilette demoliert, aber sonst sei nichts gewesen. Ihm sei weder eine Schlägerei noch ein Rettungswagen aufgefallen, erklärte der 35-Jährige mit Unschuldsmiene.

Er habe mit Freunden nur einen schönen Abend verbringen wollen, und sei dann im Krankenhaus aufgewacht, erzählte das Opfer. Der 37-Jährige konnte sich zwar noch an ein Streitgespräch mit dem Angeklagten erinnern, aber nicht mehr sagen, wer ihn geschlagen hatte: „Ich war ja von Anfang an weg.“

Der vom Landgericht freigesprochene Bekannte des Angeklagten beschuldigte dagegen seinen ehemaligen Freund: „Ich habe definitiv gesehen, wie er ihn ins Gesicht geschlagen hat. Definitiv.“ Eine Aussage, die der Verteidiger so nicht stehen lassen wollte: „Ich werfe ihnen vor, zu lügen.“

Auch weitere Zeugenaussagen konnten kein Licht ins Dunkel bringen. Niemand sonst hatte den entscheidenden Schlag gesehen. „Was genau passiert ist, weiß ich nicht mehr“, so die symptomatische Aussage einer Zeugin.

Da wichtige Zeugen nicht zur Verhandlung erschienen waren, konnte der Prozess nicht zu Ende geführt werden und musste nach fünf Stunden Verhandlung unterbrochen werden. Fortsetzung folgt.

Von Matthias Haaß

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.