Bildpredigt: Dekan Christian Wachter und Museumsleiter Konrad Nachtwey betrachteten ein Werk des Malers Karl Mons

Abendmahl aus zwei Perspektiven

Betrachtung: Kunsthistoriker Konrad Nachtwey (links) und Dekan Christian Wachter hatten die Bildpredigt am Sonntag im Museum der Schwalm in Ziegenhain vorbereitet. Foto:s: Rose

Ziegenhain. Fast jeder kennt die viel zitierte Gretchenfrage aus Goethes Faust „Sag, wie hast du´s mit der Religion?“. Dieser Frage spürten am Sonntag ein Kunsthistoriker und ein Theologe im Museum der Schwalm in Ziegenhain nach: Vor vollem Haus plauderten Museumsleiter Konrad Nachtwey und Dekan Christian Wachter über die Abendmahlsszene von Karl Mons. Kurzweilig, informativ und vor allem mit leichter Ironie, die jedoch nicht den Ernst vermissen ließ.

Knapp 60 Besucher erfuhren sowohl aus kunsthistorischer als auch aus theologischer Sicht mehr über das bedeutende Werk, das das Abendmahl in der Kapelle Schönberg zeigt. Die Innenraumdarstellung bilde ein Gruppenporträt aus einer leichten Untersicht ab, erläuterte der Kunsthistoriker.

Wachter erklärte: „Die Szene des Abendmahls ist uns so vertraut, weil sie ikonografisch festgeschrieben ist.“ Leonardo da Vinci, der die wohl bekannteste Abendmahls-Szene schuf, habe Jesus in das Fenster hinein gemalt. „Mons malt den Mann, der das Brot austeilt, ins Fenster“, verdeutlichte der Dekan.

Christusmonogramm

Der Maler zitierte, das zeige auch die Zahl der abgebildeten Männer : 12 plus 1. Im Mittelpunkt des Bildes stehe die Schrift mit dem Christusmonogramm. Auffällig sei auch, dass der Pfarrer die kleinste Person des Bildes sei: „Der unter euch der Größte sein will, soll euer Diener sein“, zitierte Wachter aus der Bibel.

Zur Darstellung des Altars erklärte Nachtwey: „Mensa bedeutet Tafel.“ Anders als im katholischen Glaube – hier werde immer vom Altar gesprochen – spreche man im evangelischen Glauben vom „Tisch des Herrn“, sagte der Dekan. Der Tisch stelle das Zentrum dar: „Das Heiligtum ist aber immer die Schrift.“ Zur Stellung des Pfarrers in der Gesellschaft erklärte Wachter: „Früher hatte jedes Pfarrhaus eine Scheune und einen Stall – der Pfarrer sollte den gleichen Stand haben wie die Gemeindeglieder.“

Deutlich in Mons Darstellung zu sehen sind so genannte Totenkränze: „Sie waren für die Frühvollendeten gedacht, all jene, die Unverheiratet starben“, sagte Nachtwey. Für Jungfrauen und Kinder habe es zudem so genannte Totenkronen gegeben, wusste Besucherin Monika Dörrbecker.

Die Reihenfolge, in der die Männer zum Abendmahl gingen, habe eine Bedeutung, verdeutlichte der Dekan: „Es gab das Ständeabendmahl die, die dem Tod am nächsten waren, gingen als erstes.“

Nachtwey machte den Zuhörern bewusst: „Mons war ein guter Handwerker, er beherrschte eine unglaubliche Lichtführung.“ Wenngleich er sich wohl auch der künstlerischen Freiheit bediente: Der rote Backsteinboden auf dem Bild entspreche nicht der Realität. „Ich vermute, er wollte Stimmigkeit ins Bild bringen.“

Unklar sei, ob das Werk jemals in der Schönberg Kapelle hing: „Gemalt wurden solche Bilder früher, um den Menschen, die nicht lesen und schreiben konnten, das Evangelium näher zu bringen“, erklärte Dekan Christian Wachter. Was ihn besonders berühre, sei der Gesichtsausdruck des Pfarrers: „Das freundliche Gesicht des Geistlichen symbolisiert für mich die Liebe Gottes.“

Von Sandra Rose

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.