1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schwalmstadt

Abgewandelte Gottesdienstformate für die kalten Monate

Erstellt:

Von: Anne Quehl

Kommentare

Anja Fülling steht in der Kirche. Sie hält einen Stapel Decken in der Hand.
Ein Stapel wärmender Decken für die Gottesdienstbesucher: Unser Foto zeigt Pfarrerin Anja Fülling in der Kirche von Wolfhagen-Wenigenhasungen.  © Bea Ricken

Gottesdienstbesucher sollten sich warm anziehen. Das zumindest wird den Gläubigen geraten. Grund dafür: Die Energiekrise trifft auch die Kirchen – es wird gespart.

Schwalm – Um Energie zu sparen, werden die Heizungen gedrosselt, die Kirchen – ohnehin keine energetisch vorteilhaften Gebäude – sind in diesem Winter wohl vielerorts noch kälter als ohnehin. Wir haben uns umgehört, wie es Pfarrer beurteilen.

Winterkirche und Ideen

Pfarrer Dieter Schindelmann erzählt, dass die Treysaer Stadtkirche zwar über eine neue Heizungsanlage verfügt, aber wärmer als 14, 15 Grad wird es nicht. Im Januar und Februar wird daher „Winterkirche“ im Kirchsaal gehalten.

In Frankenhain hat es sich etabliert, in diesen Monaten „Wäscheleinengottesdienste“ zum Abholen anzubieten. Das werde gut angenommen, in rund 40 Haushalte der 235 Gemeindeglieder kommt so die schriftliche Predigt, um sich zu Hause damit zu beschäftigten. Zudem würden kurze Andachten der Pfarrer auf Youtube gut ankommen.

Familiär und sparsam

Pfarrerin Nora Dinges (Neukirchen) berichtet auf unsere Anfrage, dass dort die Gottesdienste bereits seit Mitte Oktober im Gemeindehaus gefeiert werden, und das werde auch bis mindestens März so bleiben.

Nora Dinges, Pfarrerin Neukirchen
Nora Dinges, Pfarrerin Neukirchen © Christiane Decker

Es stehe in keinem Verhältnis, die Kirchenheizung 20 Stunden laufen zu lassen –- denn pro Stunde geht es gerade mal ein Grad hinauf, und auch wieder herunter – für den Gottesdienst von weniger als einer Stunde.

„Die uns vorgelegten Zahlen haben uns sehr deutlich gezeigt, dass wir das finanziell nicht stemmen können. Und der Kirchenvorstand ist sich einig, aus ökologischen Gründen auch nicht wollen.“ Die Gottesdienste im Gemeindehaus würden von den Gemeindegliedern positiv angenommen, da sie auch bei geringerer Beteiligung als „familiärer und näher“ empfunden werden, „so geht es auch mir selbst“, sagt Nora Dinges.

Wolldecke

Dekan Christian Wachter erzählt, dass er sich seit einigen Wochen immer eine Wolldecke in die Gottesdienste mitnimmt, die ihn wärmt solange er sitzt, „inzwischen gibt es erste Nachahmer“. In einigen Kirchen lägen auch Decken für die Besucher bereit, ähnlich wie in der Außengastronomie an kälteren Tagen.

Technikwahl begrenzt

Als kommend angesehene Heizungstechniken sind für die meisten Kirchen wohl keine Alternative zur klassischen Anlagen. In Treysa etwa wurde eine Gasbrennwertheizung eingebaut.

Dieter Schindelmann, Pfarrer Schwalmstadt
Dieter Schindelmann, Pfarrer Schwalmstadt © Sandra Rose

Weder Wärmepumpen- noch Pelletstechnik komme für das Gebäude in Betracht, so Pfarrer Schindelmann. Und auch Fotovoltaik sei keine Option, „in der Nacht zum Sonntag scheint wenig Sonne“, die Speicherhertechnik sei noch nicht soweit. Sein Format, das Dieter Schindelmann über lange Jahre prägte, findet sowieso draußen statt, an der Totenkirche. Dort wird Schindelmann am Heiligen Abend seinen letzten Gottesdienst halten, bevor er in den Ruhestand geht. Bei (fast) jedem Wetter. (Anne Quehl)

Auch interessant

Kommentare