Mit 2,92 Promille Alkohol Unfall verursacht – Führerschein für acht Monate weg

Absolut fahruntüchtig

TREYSA. Insgesamt 50 Sozialstunden und eine achtmonatige Führerscheinsperre wegen Gefährdung des Straßenverkehrs unter Alkoholeinfluss lautete das Urteil für einen 20-Jährigen aus dem Altkreis Ziegenhain.

Der Richter ging damit über das von der Staatsanwältin und dem Verteidiger gleichermaßen geforderte Strafmaß von 30 Sozialstunden und einer sechsmonatigen Führerscheinsperre hinaus. Jedoch verhängte er keine Weisung an den Angeklagten, sich einer stationären Therapie wegen seiner Alkoholsucht zu unterziehen, wie von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gefordert. Zuvor hatte die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe empfohlen, den Angeklagten nach dem Jugendrecht zu beurteilen. Der junge Mann habe eine sehr problematische Herkunftsfamilie. Er zeige eine verzögerte Entwicklung und eine mangelhafte Reife. Ihm fehle eine feste Tagesstruktur und er habe keinen Lebensplan. Außerdem sei er nach eigenen Angaben Alkoholiker.

Der Unfall hatte am 10. August 2014 stattgefunden. Der geständige und reumütige Angeklagte berichtete, er habe bereits am Nachmittag in Treysa Bier und Apfelwein getrunken, da er geplant hatte, vor Ort zu übernachten. Ein Streit mit seinem Cousin ließ ihn jedoch den folgenschweren Entschluss fassen, sich doch in sein Auto zu setzen und loszufahren.

Bei dieser Fahrt verlor der Angeklagte an der Abfahrt Richtung Florshain auf der B 454 die Kontrolle über sein Auto, geriet auf die Gegenfahrbahn und stieß dort mit einem zweiten Pkw zusammen (wir berichteten). Es entstand ein Schaden von 8000 Euro. Die Polizei stellte bei dem Unfallverursacher einen Blutalkoholwert von 2,92 Promille fest.

Ein Polizist war als Zeuge erschienen. Er beschrieb den Angeklagten als offensichtlich betrunken. Leicht verärgert monierte der Richter, dass die Akte keine Fotos beinhalte, um sich ein besseres Bild vom Unfallgeschehen zu machen. Der Polizist erzählte, sie hätten den Unfall fotografiert. Warum die Fotos nicht vorhanden seien, konnte er nicht erklären.

Therapie gegen Alkoholsucht

Bei seiner Urteilsbegründung betonte der Richter: „Es war keine folgenlose Trunkenheitsfahrt.“. Es sei Glück gewesen, dass keine Personen verletzt oder getötet worden seien. Die höhere Strafe begründete er damit, dass der Angeklagte Zeit zur Nachreifung brauche. „Sie müssen sich um eine stationäre Therapie gegen ihre Alkoholsucht kümmern“, redete er dem Angeklagten ins Gewissen.

Von Christiane Decker

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