HNA-Markt: Schätze aus Afrika und Asien

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Kunstsammler Karlheinz Schmiedel (83) mit einem außergewöhnlichen Stück, einer beeindruckenden Holzmaske aus Kamerun.

Nach dem Abitur Anfang der 1950er-Jahre studierte Karlheinz Schmiedel in Berlin Architektur. Das kulturelle Angebot der geteilten Stadt war äußerst vielfältig. Theater, Oper, Konzerte, Tanz und vor allem Museen und Galerien in Ost und West beeindruckten nachhaltig.

Beide Seiten waren in regelrechtem Wettstreit. „Und das zu erschwinglichen Preisen für einen Bettelstudenten“, erzählt Schmiedel. Und so fand der Kunstfreund in einer namhaften Galerie den Grundstock für seine spätere umfangreiche Sammlung: Es war ein so genannter „Tapa“ – ein Wandbehang aus Bast von der Insel Samoa. Ein „Schnäppchen“, weiß der Kunstsammler aus Willingshain heute. Denn auch der anwesende Karl Schmidt-Rottluff – ein deutscher Maler, Grafiker und Plastiker und wichtiger Vertreter des Expressionismus – war ebenfalls an dem seltenen Stück interessiert. Wie seine Künstlerkollegen von der Gemeinschaft „Die Brücke“ war er selbst in der Südsee gewesen und kannte den Wert des Stückes. „Vergleichbares kann man im Folkwang-Museum in Essen bewundern“, erläutert Schmiedel.

Auf seinen Reisen in viele Länder stieß der Architekt später immer wieder auf solche „Schnäppchen“. So fand er auf einer Autoreise im türkischen Iznik, der Hauptstadt der Keramik, eine Majolikafliese mit dem Bild der Kaaba aus Mekka. Auch sie ist eine Rarität. Schmiedel, der selbst töpferte und Keramik herstellte, war sogleich fasziniert. Besonders ins Herz geschlossen hat Karlheinz Schmiedel Reisschalen aus Bambus und mehrfarbigem Lack, die er in Thailand erwarb. „Das Außergewöhnliche daran ist, dass, ähnlich wie bei der berühmten Russischen Puppe, mehrere Schalen mit Deckeln ineinander geschachtelt sind“, verdeutlicht der Willingshainer. Die Malereien seien sehr delikat, fast ziseliert.

Schmiedel war zwar selbst noch nicht in China, aber in der Chinatown im Kanadischen Toronto konnte er einen bezaubernden Pinselbecher aus feinem alten Porzellan erwerben. Zahlreiche Figuren des Wayang-Golek-Theaters aus Indonesien hatte eine Bonner Galerie im Programm. Wayang heißt übersetzt übrigens Schatten.

Bildergalerie

HNA-Markt: Kunstsammler Karlheinz Schmiedel aus Willingshain gibt weitgereiste Raritäten ab.

Den Schritt nach Afrika machte ein Missionar für den Kunstfreund. Er überließ ihm einige Preziosen aus seiner umfangreichen Sammlung – hierbei ist eine große, ausgehöhlte Maske aus Kamerun besonders beeindruckend. Als originell stellt der Sammler mehrere kleine Bronzen aus Benin heraus: „Die im Wachsausschmelzverfahren hergestellt sind, jede ein Unikat.“ Faszinierend schön seien auch die Holzfiguren aus Niger. „Der Name gilt auch für das Holz – pechschwarz und steinhart. Bewundernswert, wie die Künstler das Material derart feingestaltig bearbeitet haben“, erläutert Schmiedel, der demnächst seinen 84. Geburtstag feiert.

„Ich möchte noch erleben, in welche Hände meine Schätze gelangen und welcher Liebhaber ihnen die gleiche Achtung entgegenbringt wie ich es all die Jahre getan habe“, sagt er. (zsr)

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