Alles liegt in ihren Händen

Schwalm-Eder: Leitstelle koordiniert Rettungen im Kreis

Die Leitstelle des Schwalm-Eder-Kreises ist rund um die Uhr mit mindestens zwei Disponenten besetzt.
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Die Leitstelle des Schwalm-Eder-Kreises ist rund um die Uhr mit mindestens zwei Disponenten besetzt.

Wie funktioniert ein Notruf, wer setzt die Rettungskette in Gang und was bedeutet eine Telefonreanimation. Über dies Fragen sprachen wir mit Uwe Wunsch, dem Verantwortlichen für die Rettungsleitstelle im Schwalm-Eder-Kreis.

Schwalm-Eder. Eine Minute. Länger dauert die Abfrage der Leitstelle nicht. Von der Annahme bis zur Alarmierung vergehen nur selten mehr als 60 Sekunden. Wo ist der Unfallort, wer ruft an und was genau ist passiert – das sind die Fragen der Disponenten in der Leitstelle der Feuerwehr und des Rettungsdienstes in Homberg. Doch merken muss sich das keiner: „Wir sind die Profis, wir führen das Gespräch“, sagt Uwe Wunsch, stellvertretender Fachbereichsleiter des Brand-, Katastrophenschutzes und Rettungswesens, verantwortlich für die Zentrale Leitstelle.

Anruf

Wer die 112 wählt kommt immer in der Leitstelle an. Sobald der Hörer in der Leitstelle abgenommen wird, wird der Anrufer durch das Gespräch geleitet. „Wir stellen die Fragen und die Betroffenen antworten“, so Wunsch. Besonders wichtig ist der Unfallort. Dabei hilft auch moderne Technik: Etwa 80 Prozent der Smartphones übermitteln automatisch die GPS-Daten an die Leitstelle, sobald 112 gewählt wird. „Bis auf wenige Meter genau können wir orten, wo sich der Anrufer befindet“, sagt Wunsch. Beenden sollte der Anrufer das Gespräch nie, das macht der Leitstellenmitarbeiter, wenn er alle notwendigen Informationen hat. Damit er nichts vergisst, unterstützt eine spezielle Software den Disponenten – gewissermaßen wie eine Checkliste. Für Rückfragen wird die Telefonnummer gespeichert – egal ob sie unterdrückt ist oder nicht. „Notrufmissbräuche sind bei uns sehr selten“, sagt Wunsch, „Wir erwischen sowieso jeden“.

Besetzt

Es kann passieren, dass ein Anrufer in der Warteschleife hängt. Wenn alle Mitarbeiter schon am telefonieren sind, ertönt in der Leitstelle ein sogenannter Drängelton, ein lauter Piepton, der ankündigt, dass noch jemand in der Leitung ist. Eine Rufumleitung soll noch in diesem Jahr eingerichtet werden, sodass bei einer besetzten Leitung der Notruf automatisch nach Kassel in die dortige Leistelle geht.

Telefonreanimation

In seltenen Fällen kann es passieren, dass die ausgebildeten Helfer über das Telefon Anweisungen geben müssen, um einen Ersthelfer vor Ort beispielsweise bei einer Herz-Lungen-Wiederbelebung zu unterstützen. Da eine Telefon-Reanimation länger als eine Minute dauert, können sich die Disponenten untereinander helfen. Jeder sieht die Notrufe, die ein Kollege angenommen hat und kann so den Rettungsdienst, die Feuerwehr oder auch die Polizei verständigen, ohne dass der Kontakt zum Helfer vor Ort abgebrochen werden muss.

Alarmierung

Sobald der Mitarbeiter der Leitstelle weiß, worum es geht, kann er ein Einsatzstichwort vergeben. Dort ist hinterlegt, welche Einsatzkräfte und Hilfsmittel benötigt werden, um Gefahren abzuwenden.

Der Computer rechnet dann selbstständig aus, welche Feuerwehren die benötigten Hilfsmittel haben, am nächsten zum Unfallort sind und schlägt dann automatisch vor, wer alarmiert wird. Die letzte Entscheidung hat aber der Mensch, denn er bestätigt den Vorschlag.

Zeit ist ein wichtiger Faktor im Notfall. Deswegen haben auch die Rettungswagen (RTW) in vergangener Zeit aufgerüstet. Eine Blackbox im RTW übermittelt alle fünf Sekunden den genauen Standort des Fahrzeugs. So können die kürzesten Wege eingehalten werden, denn die Retter haben nur zehn Minuten, bis sie am Unfallort eintreffen sollen. „In 87 Prozent der Fälle schaffen sie das. Hindernisse wie Baustellen verlängern den Fahrtweg allerdings“, sagt Wunsch.

Die Disponenten der Leitstelle können die Autos auf den Bildschirmen schon anhand der Farbe zuordnen, ob sie besetzt oder frei sind – und das über die Kreisgrenzen hinaus.

„Wenn zum Beispiel ein RTW aus Kassel durch die Schwalm fährt, können wir dieses trotzdem anfunken und alarmieren“, erklärt Wunsch weiter. Eine Situation, die selten vorkommt. Mit 217 Einsatzabteilungen der Freiwilligen Feuerwehr, 13 Rettungswachen mit 31 Fahrzeugen und vier Notärzten im Schwalm-Eder-Kreis ist die Versorgung von Unfällen flächendeckend abgesichert. „Wir haben genug Personal und notfalls hilft man sich aus“, freut sich Wunsch. (Von Kira Müller)

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