Alsfelder Landbrauerei stellte Antrag auf Insolvenz

Die Alsfelder Landbrauerei hat Insolvenzantrag gestellt: Der Preisdruck auf dem Markt macht dem Traditionsunternehmen zu schaffen. Foto: privat

Alsfeld. Die Alsfelder Landbrauerei hat beim Amtsgericht Gießen einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Zur vorläufigen Insolvenzverwalterin ist die Rechtsanwältin Julia Kappel-Giers aus der Frankfurter Kanzlei Hermann bestellt worden.

„Die Produktion wird vollumfänglich weitergeführt“, erklärte Jochen Schwiersch, Generalbevollmächtigter der Brauerei. Für die rund 30 Mitarbeiter wurde Antrag auf Insolvenzausfallgeld bei der Agentur für Arbeit gestellt. „Unter dem Schutz des Insolvenzverfahrens muss mit der Insolvenzverwalterin nun schnellstmöglich an einer Lösung für die Zukunft gearbeitet werden“, sagte Schwiersch.

„Die Liquidität für den Winter war nicht gesichert. In einem solchen Fall schreibt das Gesetz vor, dass ein Insolvenzantrag gestellt werden muss.“

Was Schwiersch in zwei kurzen Sätzen erläutert, hat seine Ursachen einerseits im verregneten Sommer, andererseits darin, dass „die Prozesse in der Industrie und Einzelhandel länger dauern, als wir erwartet haben“. Damit bezieht sich Schwiersch darauf, dass die Landbrauerei versucht hat, neue Märkte zu erschließen, da der Vogelsbergkreis alleine als Absatzmarkt nicht ausreiche, um der Brauerei das Überleben zu sichern.

Die Strategie, mit vielen Investitionen in das Unternehmen und vor allem in den Außendienst, um das Alsfelder Bier in Hessen bekannter zu machen, ist für Schwiersch nicht gescheitert. „Die Wachstumszahlen im Bereich der Bio-Produkte beweisen, dass das Problem nicht am Investitionskonzept liegt.“ Und er betonte, dass alle drei heutigen Gesellschafter ein großes Interesse hätten, auch weiter an der Gestaltung der Zukunft mitzuarbeiten.

Mit den neuen Bio-Bieren hat die Brauerei versucht, im Rhein-Main-Gebiet und sogar in Berlin Fuß zu fassen. Dafür brauchte es aber mehr Zeit, als die Gesellschafter erhofft hatten. „Die Vorlaufkosten haben während der Biersaison im Sommer noch nicht so gefruchtet“, umschrieb Schwiersch das Problem, sodass die steigenden Umsätze im Bereich der Bio-Biere, des Mineralwassers und der Limonaden den Rückgang beim konventionellen Flaschenbier noch nicht wettmachen konnten.

Dazu habe der August, „der für Brauereien extrem wichtige Sommermonat“, aufgrund des schlechten Wetters nicht stattgefunden, sodass das wirtschaftliche Polster für den Winter nicht gegeben war. Hinzu komme, dass es auf dem Biermarkt einen Preiswettbewerb gebe, der „uns zu schaffen macht“.

So hoffte der Generalbevollmächtigte darauf, dass in Alsfeld eine Jetzt-Erst-Recht-Stimmung entsteht. „Es muss den Alsfeldern eigentlich etwas wert sein, ein Bier zu haben, das in der Region mit Produkten aus der Region von Menschen von hier gebraut wird“, hofft Schwiersch auf die Unterstützung der Menschen. „Damit die 600-jährige Brautradition in Alsfeld erhalten bleibt.“ (red)

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