Restaurator und Malermeister André Lange erhielt Bundespreis für seine Arbeit

Das Alte ist sein Metier

Für die Kirche in Breitenbach am Herzberg: Restaurator André Lange wirkt bei vielen historischen Gebäude in der Umgebung mit, er zeigt einen Silikonabdruck für ein Stuckteil. Foto:  Schittelkopp

Schrecksbach. Hexenküche nennt André Lange seine Werkstatt. Dort lagern Farbpigmente, Sackleinen, Abdrücke und vieles mehr, das der junge Restaurator und Malermeister für seine Arbeit benötigt. An vielen historischen Bauwerken in der Region ist und war er tätig: an der Kirche in Breitenbach am Herzberg beispielsweise, am Pfarrhaus in Holzburg und an der Teufelsmühle in Grebenhain. Für diese Arbeit erhielt der 30-jährige Schrecksbacher nun eine Auszeichnung.

Er bekam eine Ehrenurkunde des Bundespreises für Handwerk in der Denkmalpflege für seine Arbeit an der Teufelsmühle. Elf Denkmalseigentümer und 38 Handwerker unterschiedlicher Gewerke aus Hessen wurden dabei geehrt. Das historische Fachwerkhaus Teufelsmühle wird seit 18 Monaten saniert. Die Arbeiten stehen in den letzten Zügen, berichtet André Lange. Ausgezeichnet wurde seine nachhaltige Restaurierung des Fachwerks.

„Nichts hält ewig“, sagt Lange. Viel Aufwand bereitete dem Restaurator die Sanierungen der jüngeren Vergangenheit. Die Fachwerkstrahlen mussten von der Lasur der vergangenen Jahrzehnten befreit werden. Mit Ölen baute Lange das Holz wieder auf. „Das ist nachhaltiger und schonender für die Substanz.“ Doch bedeutet mehr Arbeit. So braucht das Öl zwei Tage um zu trocknen. Früher kamen industrielle Materialien zum Einsatz. Im Trend standen Farben, die schnell trockneten, das war der Zeitgeist. Damit würde man heute nicht mehr arbeiten – zum Schutz des Fachwerks.

Doch warum interessiert sich ein junger Mann für altes Gemäuer? Der Malerbetrieb Lange besteht seit 1946 in Familienhand, der Junior baute mit der Weiterbildung zum Restaurator ein zweites Standbein für die Firma auf. Denn an einigen historischen Gebäuden dürfen Maler- und Verputzerarbeiten nur von einem Restaurator ausgeführt werden und Restaurieren nach historischem Vorbild steht derzeit hoch im Kurs. Nach dem Abschluss von Ausbildung und Meisterschule zum Maler absolvierte André Lange seine Weiterbildung zum Restaurator im Malerhandwerk an der Propstei Johannesberg in Fulda. Dort stand unter anderem Chemie, Befunduntersuchung und Farbkonzepte auf dem Stundenplan. Die Weiterbildung hat sein Blick auf Architektur verändert. „Ich gucke immer, was und wie restauriert wurde.“

Auch ein Restaurator muss sich auf dem Laufenden halten, so schloss sich André Lange einer Arbeitsgruppe an. Die Restauratoren besichtigen beispielsweise historische Bauten wie das Schloss Fasanerie in Eichenzell und den Herkules in Kassel. Und was lässt das Restauratorenherz höher schlagen? „Eine Dombauhütte in Speyer oder Köln würde mich sehr interessieren.“

Von Claudia Schittelkopp

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