Verwirrung vor Gericht

Amtsgericht Treysa verurteilt Mann wegen Bedrohungen zu Freiheitsstrafe

Stalking und Nötigung: Ein 36-jähriger Häftling stand am Donnerstag sechs Stunden vor dem Amtsgericht in Schwalmstadt-Treysa.
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Stalking und Nötigung: Ein 36-jähriger Häftling stand am Donnerstag sechs Stunden vor dem Amtsgericht in Schwalmstadt-Treysa.

Ein 36-Jähriger aus dem Schwalm-Eder-Kreis musste sich am Donnerstag vor dem Amtsgericht in Treysa wegen Stalkings, Nötigung und Bedrohung verantworten.

Schwalmstadt – In Begleitung von zwei Polizisten wurde er in Handschellen in den Gerichtssaal gebracht, denn seit Mitte 2020 verbüßt der Mann in der JVA Hünfeld eine Haftstrafe wegen Betrugs. Bis 2022 muss er noch in Haft bleiben.

Dazu kommt jetzt die weitere Strafe: Die Treysaer Richterin verurteilte den Mann wegen Bedrohung zu zwei Monaten Freiheitsstrafe.

Laut Anklage sollte der 36-Jährige seiner damaligen Freundin, heute 31, nachgestellt, sie mehrmals wöchentlich mit dem Roller verfolgt, ihr den Weg abgeschnitten und sie bedroht haben. Nachrichten wie er werde „ihr Leben zur Hölle machen“ sollen die Frau mehrfach erreicht haben. Sie gab während ihrer Vernehmung bei der Polizei an, „große Angst vor ihrem Ex-Freund zu haben und nur noch in Begleitung einer zweiten Person ihre Wohnung zu verlassen“.

Frau unterschrieb Dokument: Beweis für Beziehung

Das Opfer musste vor der Verhandlung ebenfalls von der Polizei abgeholt werden, weil die Hauptverhandlung ohne ihre Aussage nicht weiter fortgeführt werden konnte. Ihr Kind habe Fieber gehabt, lautetet ihre Entschuldigung für ihr Fernbleiben. Auch zur Vernehmung bei der Polizei war die Frau nicht erschienen. Sie habe „kein Interesse mehr an der Anzeige gehabt, da der Angeklagte ja jetzt eh im Gefängnis ist“, so die Geschädigte.

Schwierig in der Hauptverhandlung war es festzustellen, in welchem Beziehungsstatus Angeklagter und Opfer zum Zeitpunkt der vorgeworfenen Straftaten tatsächlich waren. Durch mehrere Zeugen versuchte die Richterin dies festzustellen, erst der letzte brachte dann die Entscheidung.

Während die Frau behauptete, es sei bereits Ende 2019 zur Trennung gekommen, widerlegte dies dieser Zeuge, ein im Vorfeld beteiligter Anwalt, der in einem früheren Prozess mit der 31-Jährigen zu tun hatte. Der Jurist legte dem Gericht in Treysa nämlich eine eidesstattliche Versicherung vor, auf der die Frau unterschrieben hatte, dass sie zum Zeitpunkt der angeklagten Taten eine Beziehung mit dem Angeklagten führte.

Drohungen vor Gerichtssaal

Im Zeugenstand beantwortete sie die Fragen der Richterin kurz und oberflächlich. Während seine frühere Lebensgefährtin sprach, wischte sich der Angeklagte mehrmals Tränen aus den Augen und entschuldigte sich für per Internet gesandten Drohungen: „Ich bin kein gewalttätiger Mensch und schäme mich für die Nachrichten, die ich geschrieben habe.“

Unterdessen trafen vor dem Verhandlungssaal die Familien des Angeklagten und der Frau aufeinander, wobei es einer verbalen Auseinandersetzung kam. Die Schwester des Angeklagten –als Zeugin geladen – fühlte sich durch die Geschädigte und deren Familie bedroht: „Ich würde mir eine fangen, wenn ich nicht aufpasse, was ich sage“, schilderte die 25-Jährige.

„Ich habe nur gelacht und gesagt, vor Gericht werde ich nicht lügen“, berichtete sie weiter. Letztlich konnte sie gar keine Hinweise geben, sagte aber: „Ich habe Angst vor der Familie.“

Verdächtig ähnliche Aussagen bei Vernehmung

Neben der 31-jährigen Frau und der Schwester des Angeklagten waren sechs weitere Zeugen geladen. Der Bruder des Angeklagten, der Bruder der Ex-Lebenspartnerin, ein Freund des 36-jährigen Mannes sowie ein Polizeibeamter. Als Zeuge war auch der Mann geladen, der nach dem Angeklagten der Partner der 31-Jährigen war, es gegenwärtig aber nicht mehr ist.

Doch die Aussagen ergaben wenig bis nichts, während der Richterin auffiel, dass die Schilderungen der Familie der 31-Jährigen einen „verdächtig ähnlichen Wortlaut hatten“. In der Akte des Angeklagten sind neun Vorstrafen verzeichnet, unter anderem wegen Betrugs, Drohungen, Beleidigungen und Urkundenfälschung. Mehr als ein Jahr muss er nun noch absitzen. (Kira Müller Und Celine Kühn)

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