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Angehörige beklagt schlechten Zustand des Friedhofs

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Von: Sandra Rose

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Für Unmut sorgen unter anderem heruntergefallene Äste, die zu selten weggeräumt werden.
Für Unmut sorgen unter anderem heruntergefallene Äste, die zu selten weggeräumt werden. © Rose, Sandra

Dabei zahlen sie bis zu 51 Euro pro Jahr an die Stadt Neukirchen, damit der Friedhof gepflegt wird. „Leistung muss erbracht werden“, sagt eine Angehörige.

Neukirchen – Sie sind Orte der Ruhe und der Trauer – Friedhöfe. Doch wenn Claudia Scheuer den Friedhof in Neukirchen betritt, dann macht sich in der 54-Jährigen seit längerem noch ein anderes Gefühl breit – Ärger.

Die Ottrauerin beklagt den schlechten Pflegezustand des Areals, zuletzt konnte sie ältere Menschen beobachten, die versuchten, mit völlig kaputten Gießkannen die Gräber ihrer Angehörigen zu gießen. Auch sprieße Unkraut in allen Ecken, es lägen größere Äste herum, gefallene Bäume würden zum Teil nicht weggeräumt, sondern in den Böschungen liegengelassen.

Laut der Neukirchenerin sind die Gießkannen bereits seit Monaten kaputt.
Laut der Neukirchenerin sind die Gießkannen bereits seit Monaten kaputt. © Privat

„Der Friedhof macht einfach einen sehr ungepflegten Eindruck. Alle Angehörigen müssen eine zusätzliche Friedhofsunterhaltungsgebühr bezahlen, aber die Leistung wird hier meines Erachtens von der Stadt nicht erbracht. So ein Anblick ist beschämend“, sagt die 54-Jährige, die sich in der Knüllstadt um das Grab ihrer Mutter kümmert.

Neukirchen erhöht die Gebühren stetig

Zuletzt hatte sich Claudia Scheuer auch an die Stadt gewandt und den Pflegezustand angemahnt – auch die Kosten habe sie angesprochen, die sich in den vergangenen sieben Jahren vervielfacht hätten. Zuerst seien pro Jahr acht, dann 27 und jetzt 44 Euro für die Unterhaltung fällig. Die Antwort aus dem Rathaus habe gelautet: „Alles wird teurer.“

Seit 2004 wird in einigen Stadtteilen Neukirchens eine Friedhofsunterhaltungsgebühr erhoben, auch in der Kernstadt. Eine Angehörige ist aber überzeugt, dass die Stadt das Areal stärker pflegen müsste.
Seit 2004 wird in einigen Stadtteilen Neukirchens eine Friedhofsunterhaltungsgebühr erhoben, auch in der Kernstadt. Eine Angehörige ist aber überzeugt, dass die Stadt das Areal stärker pflegen müsste. © Sandra Rose / claudia scheuer

Damit will sich Claudia Scheuer aber nicht zufrieden geben: „Wenn ich für eine Leistung zahle, muss sie auch erbracht werden.“ Viel zu selten werde auf dem Friedhof Neukirchen aufgeräumt, die Hänge – das Areal ist terrassenförmig angelegt – würde nur einmal im Jahr gesenst. Dabei, so rechnet die Ottrauerin vor, käme doch ein üppiges Sümmchen durch die Gebühr zusammen. Auch regt sie sich auf, dass die Unterhaltungsgebühr wohl nicht für den Friedhof in Riebelsdorf fällig sei und fragt sich, warum.

Vergleiche, was den Pflegegrad angehe, könne sie ziehen: „Ich pflege auch Gräber von Angehörigen in Obergrenzebach und Schwarzenborn – in beiden Orten sind die Flächen sehr gepflegt, ohne dass eine zusätzliche Gebühr erhoben wird.“ In Neukirchen wird die Friedhofsunterhaltungsgebühr seit 2004 erhoben. Immer wieder gab es in Stadtverordnetenversammlungen dazu teils harsche Kritik. Nach einem Gerichtsurteil wird sie seit dem Jahr 2010 nicht mehr einmalig mit der Bestattungsgebühr, sondern pro Jahr kassiert. Das kostet die Hinterbliebenen zwischen acht und 51 Euro, je nach Art der Grabstelle.

Das sagt die Stadt Neukirchen zu den Vorwürfen

Die Stadt Neukirchen nimmt, vertreten durch den Ersten Stadtrat Jürgen Lepper, zu den Vorwürfen und Fragen Stellung: „Die Kommunen sind nach dem Hessischen Gesetz über kommunale Abgaben verpflichtet, für die Inanspruchnahme der öffentlichen Einrichtungen kostendeckende Gebühren zu erheben. Dazu zählen auch die Kosten für die Unterhaltung der Friedhöfe.“

Diese Kosten seien in angemessenen Zeiträumen durch eine Gebührenbedarfsberechnung zu überprüfen. Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Neukirchen habe in 2021 aufgrund dieser Berechnung die Gebühr für die Jahre 2020 bis 2022 auf 44 Euro pro Jahr und Sterbefall beschlossen.

Diese Gebühr gelte nur für die Friedhöfe, die in städtischer Verwaltung sind. Dies seien Neukirchen-Kernstadt, Nausis, Wincherode, Rückershausen und Seigertshausen. Die Friedhöfe in Asterode, Christerode, Hauptschwenda und Riebelsdorf seien hingegen in kirchlicher Verwaltung. „Hier erfolgt die Pflege und Unterhaltung überwiegend durch ehrenamtlichen Einsatz der Bürger“, heißt es aus dem Rathaus.

Die in städtischer Verwaltung stehenden Friedhöfe würden im Zeitraum April bis Oktober ein- bis zwei Mal monatlich gemäht und gereinigt.

Es gebe vereinzelt Beschwerden über den Pflegezustand. In diesen Fällen werde nach Möglichkeit zeitnah Abhilfe geschaffen. Dazu zähle auch das Auswechseln von defekten Gießkannen – das sei auf dem Friedhof in der Kernstadt erst vor kurzem erfolgt.

Auf dem Friedhof in der Kernstadt gibt es etwa 1100 Gräber. Ergänzend weist Jürgen Lepper darauf hin, dass sowohl der Magistrat der Stadt als auch die Stadtverordnetenversammlung stets bedacht seien, die notwendigen Investitionen in die Friedhöfe vorzunehmen.

Als Beispiele in diesem Jahr seien die Sanierung der Straße zur Marienkappelle und die Anlegung von zwei weiteren Wasserzapfstellen auf dem Friedhof in der Kernstadt genannt sowie das Anlegen eines neuen Weges auf dem Friedhof in Nausis.

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