Angeklagter hob 500 Euro vom Konto eines Rentners ab

Treysa. Gegen einen 38-jährigen arbeitslosen Straßenbauer wurde am Amtsgericht Treysa wegen Computerbetrugs verhandelt. Bereits Mitte Juli war der Fall vor Gericht. Da sich damals der Richter aber weder aus der Aussage des Angeklagten, noch aus der Aussage des Opfers ein schlüssiges Bild machen konnte, waren zur neuerlichen Verhandlung drei weitere Zeugen geladen worden.

Mutter, jüngere Schwester und eine Bankangestellte sollten helfen, offene Fragen zu klären. Am Ende war er aber nicht schlauer, als einige Monate zuvor.

Laut Anklageschrift soll der Mann aus dem Altkreis Ziegenhain im August vergangenen Jahres einem 61-jährigen Rentner EC-Karte und PIN-Nummer aus dem Briefkasten entwendet haben, um sich vom Konto des Rentners 500 Euro abzuheben. Kurios: Einige Tage später fanden sich EC-Karte und PIN ordentlich in ein Briefkuvert gesteckt wieder im Briefkasten.

Der Angeklagte blieb bei seiner im Sommer gemachten Aussage: Er habe am frühen Vormittag Karte und PIN-Nummer vom vermeintlichen Opfer ausgehändigt bekommen und das Geld im Auftrag abgehoben. Der Rentner ist der Vater der Halbschwester des Angeklagten. Der 61-Jährige habe volltrunken und eingenässt an der Brücke im Walkmühlenweg gestanden und wäre selbst nicht mehr in der Lage gewesen, Geld zu holen.

Da Mutter und Schwester den Sachverhalt nur aus der Erzählung des Angeklagten kannten, konnten sie auch nur wiedergeben, was sie am Tattag am Frühstückstisch gehört hatten. Dies deckte sich naturgemäß mit der Aussage des 38-Jährigen und brachte daher wenig Licht ins Dunkel. Sowohl Mutter, als auch Schwester - Tochter des vermeintlichen Betrugsopfers - gaben einen kleinen Einblick in die Lebenswelt des 61-jährigen Rentners. „Ich habe meinen Vater volltrunken am Rewe getroffen“, schilderte die junge Frau und stütze die Aussage ihres Halbbruders.

Auch die erneute Befragung des Betrugsopfers selber führte nicht weiter. Als der Richter wissen wollte, mit wem er in der Bank damals gesprochen hätte, erklärte der 61-Jährige: „Entweder ist es eine junge Frau oder eine alte Frau oder ein Mann gewesen. So genau weiß ich das nicht.“

Die Bankangestellte konnte auch nichts zur Aufklärung beitragen. Sie könne sich zwar an den Mann erinnern: „Er hat öfter neue EC-Karten bestellt“, aber nicht an den konkreten Sachverhalt. Am Ende stand nach wie vor Aussage gegen Aussage. Im Zweifel für den Angeklagten, lautete auch das Urteil. (zmh)

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