Neukirchener befürchten weitere Aufrüstung des Mobilfunkmastes am Kienberg

Angst vor den Antennen

Fast 40 Meter hoch: Die Anwohner im Gebiet Kühnfeld/Kienberg in der Neukirchener Kernstadt fürchten wegen des Mobilfunkmastes um ihre Gesundheit. Foto: Köcher

Neukirchen. Nach Meinung vieler Neukirchener hat er dem Turm der Nikolaikirche den Rang als Wahrzeichen der Stadt abgelaufen: Der Sendemast des Mobilfunkanbieters E-Plus auf dem Kienberg am Ortseingang, fast 40 Meter hoch, ist weithin sichtbar. Der Funkmast wurde im Juni vergangenen Jahres errichtet.

Den Bau habe die Stadtverwaltung zwei Jahre lang abwehren können, erklärt Bürgermeister Klemens Olbrich. Letztendlich aber gewann E-Plus einen Rechtsstreit dazu vor dem Kasseler Verwaltungsgerichtshof. Weder die 200 Unterschriften der Anwohner im Gebiet Kühnfeld/Kienberg noch die Argumente der Stadt etwa für ein intaktes Landschaftsbild und Gesundes Wohnen fanden vor Gericht Berücksichtigung.

Das sagt der Bürgermeister:

Wir haben alles in unser Macht Stehende getan, um den Bau des Mobilfunkmastes zu verhindern“, sagt Neukirchens Bürgermeister Klemens Olbrich. Innerhalb der Möglichkeiten des Bauplanungsrechts habe die Stadtverwaltung alles ausgeschöpft. Für den Rechtsstreit vor dem Verwaltungsgericht Kassel habe die Stadt über 1400 Euro Steuergeld aufgewendet. Über zwei Jahre lang habe die Stadt den Bau des Mobilfunkmastes abwehren können, die Argument zum Schutz der Anwohner und der Bevölkerung seien vom Gericht jedoch zurückgewiesen worden. (jkö)

Derzeit jedoch fürchten die Anwohner neue Belastungen: Nachdem der Mobilfunkdienstleister Alcatel-Lucent, der für E-Plus den Sendemast aufbaute, im März den Zuschlag für den bundesweiten Aufbau des Digitalfunknetzes für Behördendienste wie Polizei und Feuerwehr erhalten hat, befürchten die Neukirchener in Zukunft neue Sendeantennen. „Wir sind relativ sicher, dass weitere Antennen auf den Mast kommen werden“, sagt Anwohner Dr. Mario Knoch, der als Allgemeinmediziner bereits auf erste Folgen des Mobilfunkmastes auf dem Kienberg hinweist: Technische Geräte in seiner Praxis würden gestört, so dass er diese in das Kellergeschoss seines Hause habe verlegen müssen.

Andere Anwohner berichten von Batterien in Kleingeräten wie Radios, die sich nun schneller entleeren würden, sowie von plötzlichen Senderwechseln beim Fernsehgucken. „Wir befürchten schon jetzt gesundheitliche Schäden“, sagt Anwohnerin Heidi Knöppler zum Betrieb des Mobilfunkturmes, 60 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt.

Furcht vor Krebserkrankung

Von Schlafstörungen wird berichtet, Kopfschmerzen und Befindlichkeitsstörungen werden befürchtet. Die Gefahr, an Krebs zu erkranken, sei drastisch erhöht, heißt es unter den Anwohnern. Gefahren, auf die die besorgten Neukirchener mit einem Vortrag am Montag, 17. Mai, im Rathaus aufmerksam machen wollen (siehe Termin).

„Die Bürgerbelange sind ignoriert worden“, kritisiert Knoch, der selbst als Privatmann gegen den Funkmast-Bau klagt. Weder habe die Stadt vor Gericht alle Register gezogen, noch sei die Anlage in Sachen Leistung und Standort angemessen. Auch weiter entfernt von der Wohnbebauung sei die Sendeleistung ausreichend, habe er nachgeprüft.

Anders als bei Asbest, wo einzelne, krebserregende Fasern nachweisbar seien, gebe es bei den gesundheitlichen Folgen zum Mobilfunk kein generelles Krankheitsbild, meint Michael Brandt. Doch hohe Belastungen für schwangere Frauen und Kinder durch den Sendebetrieb rund um die Uhr seien wahrscheinlich. Dr. Mario Knoch formuliert den Vorsorge-Gedanken der Anwohner drastischer: „Wir wollen nicht warten, bis die Leichen purzeln.“

Von Jürgen Köcher

Das sagt der Mobilfunkanbieter

Jeder Funkmast ist notwendig, sagt E-Plus-Pressesprecher Martin Reineke. Mit der Anlage sei eine Versorgungslücke geschlossen worden. Der Sendemast trage dem gestiegenen Gesprächsaufkommen Rechnung, und in diesem Sinne sei der „Kunde der Architekt des Netzes“, sagt Reineke. Und: „Der Funkmast gibt nicht mehr Leistung ab als notwendig.“

Die Anlage regele sich selbst. Das heißt: Sie sei nur aktiv – also sende und empfange – in der notwendigen Sendestärke, wenn entsprechend Gespräche anfielen. Mit dem Funkmast würden alle vorgeschriebenen Sicherheitsabstände eingehalten und alle strengen Auflagen erfüllt, sagt Reineke weiter. Wie das Netz für den digitalen Behörden Funk aufgebaut werde, sei noch unklar. Dafür habe die entsprechende Bundesbehörde die Planungshoheit.

Wahrscheinlich sei, dass dafür ein eigenes Netz aufgebaut werde. Eine Gefährdung der Anlieger hatte bereits Gudrun Hees vom Mobilfunkdienstleister Alcatel-Lucent verneint. Nach Messungen elektromagnetischer Felder im näheren Umfeld des Sendemastes Mitte Januar sei festzustellen, dass die Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetzes deutlich unterschritten würden. (jkö)

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