Friedhelm und Klaus Heiderich züchten die Tiere auf ihrem Hof in Christerode

Angusrinder werden im Knüll gezüchtet

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Stolze Züchter: von links Friedhelm und Klaus Heiderich mit einer Herde Angusrinder oberhalb von Christerode. 

Christerode. Es ist eine Szene wie aus dem Kinderbilderbuch – wiederkäuend stehen Angusrinder auf einer grünen Weide oberhalb von Christerode und lassen sich weder durch Fliegen noch Besucher aus der Ruhe bringen.

Erst als Klaus Heiderich seine Tiere ruft, kommt Bewegung in die Herde und die charakteristisch einfarbig braun oder schwarz gefärbten Rinder laufen auf den 51-Jährigen zu und recken neugierig die Hälse. Den Angusrindern ist anzusehen, dass sie sich im Knüll wohlfühlen.

Nach Aufgabe der Milchviehhaltung hat sich Familie Heiderich 1998 der Zucht der ursprünglich aus Schottland stammenden Nutztierrasse verschrieben. Man habe Angusrinder bereits bis nach Kasachstan verkaufen können, freut sich Klaus Heiderich: „Dass das so eine Entwicklung nimmt, ist lobenswert und erstaunlich.“

Heute zählt die Mutterkuherde des begeisterten Nebenerwerbslandwirts 25 Kühe. Von Frühjahr bis Herbst weiden die Anguskühe samt Kälbern das Gras der Knüllwiesen ab. Ein Teil der Grünflächen liegt im Naturschutzgebiet Buchenbachtal. In den Wintermonaten halte man die Tiere in einer 2002 errichteten Mehrzweckhalle auf Strohbasis im Laufstall, erklärt der Christeröder: „Die Kälber werden November bis Dezember geboren und laufen bis Herbst bei der Mutter am Fuß.“

Das Angusrind ist eine mittelgroße Fleischrinderrasse, das für seine Frühreife und Leichtkalbigkeit bekannt ist, weiß der 51-Jährige: „Weitere Merkmale sind der ausgeprägte Mutterinstinkt sowie der ruhige und friedliche Charakter der Tiere.“

Angusrinder aus dem Knüll und anderen Regionen Hessens seien inzwischen international sehr begehrt und man finde diese Tiere in vielen Ländern Süd- und Osteuropas und sogar in Vorderasien wieder, erklärt Zuchtleiter Jost Grünhaupt von der Zucht- und Besamungsunion Hessen. Allein in Hessen gebe es mittlerweile wohl rund 80 Züchter, so der Rinderfachmann weiter.

„Der Vorteil des Angusrinds ist die unkomplizierte Haltung“, sagt Seniorchef Friedhelm Heiderich, Sohn Klaus ergänzt: „Der Aufwand ist bei Weitem nicht so groß wie bei der Milchviehhaltung.“ Die Managementvorteile würden für sich sprechen, so Grünhaupt: „Mit wenig Aufwand mehr Ertrag.“

700 Kilo Schlachtgewicht

Wie im Knüll werden die Tiere häufig in Regionen gehalten, in denen Grünland im Gegensatz zum Ackerbau eine übergeordnete Rolle spielt. Mit einem Gewicht von 600 bis 700 Kilogramm gehen die Angusrinder zum Schlachter. Das Fleisch weist eine feine Marmorierung und ein hervorragendes Aroma auf und ist für seine Qualität bekannt. Große Abnehmer seien die Schweizer, sagt Grünhaupt: „Im Gegensatz zu Deutschland ist dort die Bereitschaft grundsätzlich größer, für Qualität mehr zu bezahlen.“

Nicht regelmäßig, aber immer wieder haben regionale Metzgereien und Gastronomen Angusfleisch auf der Karte oder in der Kühltheke. Wer Lust auf ein außergewöhnliches Stück Fleisch aus dem Knüll habe, sollte die Augen offen halten, empfiehlt Zuchtleiter Grünhaupt.

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