Von der Hitze in die Kälte: Im Tiefkühlhaus der Firma Flach sind es konstant -23 Grad

Arbeiten wie in der Arktis

3000 Produkte auf 1800 Quadratmetern: Im Tiefkühlhaus der Firma Flach verteilt Mitarbeiter Viktor Kartschewski mit dem Stapler die Waren auf insgesamt 3000 Palettenstellplätze. Fotos: Rose

Leimsfeld. Alexander Reith und seinen Kollegen Viktor Kartschewski erwischt es täglich eiskalt. Und das ist bei den beiden Mitarbeitern der Firma Flach – Hessens größtem Lieferant für Gastronomie und Hotellerie – in Leimsfeld wörtlich zu nehmen. Denn die beiden sowie acht weitere Menschen arbeiten in der Kälte. Im Tiefkühlhaus herrscht eine konstante Temperatur von -23 Grad. Bei den momentanen Außentemperaturen um 36 Grad müssen ihre Körper also knapp 60 Grad Differenz ausgleichen. Wie die Männer den Job in der Kälte meistern, haben Sie uns erzählt.

Lothar Itzenhäuser ist der Abteilungsleiter der eisigen Truppe. Etwa 17 bis 18 Tonnen Waren werden im Kühlhaus pro Tag ausgetauscht, ab 19 Uhr wird die Ware kommissioniert. „Damit vor sechs Uhr morgens die Lastwagen wieder vom Hof sind“, erklärt Geschäftsführer Thomas Flach.

Auf 1800 Quadratmeter Lagerfläche verteilen sich 3000 Palettenstellplätze. Das Tiefkühlhaus ist zehn Meter hoch. Deshalb muss mit speziellen Tiefkühlstaplern gearbeitet werden. „Beim normalen Stapler würde das Öl einfrieren“, erläutert Flach. Doch nicht nur die Technik reagiert sensibel auf die Kälte: Alle Mitarbeiter tragen Thermoanzüge, die vor Temperaturen bis zu -30 Grad schützen. Außerdem Handschuhe, manche auch Mützen.

„Man gewöhnt sich schnell an die Kälte“, sagt Viktor Kartschewski. „Manche trinken in den Pausen warmen Tee, andere Wasser“, erzählt Itzenhäuser. Filigrane Arbeiten können die Menschen mit den Schutzhandschuhen nicht erledigen: „Die Einheiten wiegen drei Kilo aufwärts“, erläutert der Geschäftsführer. Deshalb gibt es im Lager kein Papier. „Die Mitarbeiter arbeiten seit drei Jahren nach dem Pic-by-Voice-Prinzip“, verdeutlicht Flach. Alle Bestellungen werden über Kopfhörer an die Mitarbeiter übermittelt, die die Waren dann aus den Regalen im Tiefkühlhaus entnehmen. Auf Packlisten kann vollständig verzichtet werden. „Die Fehlerquote geht bei diesem Verfahren gegen Null“, sagt Flach.

Umsatz mit der Tellermitte

Zwar ließ die Hitze den Bedarf an Eis in den vergangenen Wochen steigen, die Temperaturen haben aber für die Firma einen unangenehmen Nebeneffekt: „Unser Energiebedarf ist um das Doppelte gestiegen“, erklärt der Geschäftsführer. Das Sortiment umfasst etwa 3000 Produkte, davon entfallen weniger als zehn Prozent auf Eis. „Am gefragtesten ist die so genannte Tellermitte“, erläutert Flach. Dahinter verbirgt sich Fisch, Fleisch und Geflügel.

Obwohl Alexander Reith und seine Kollegen im Tiefkühlhaus alles andere als ins Schwitzen kommen, arbeiten sie dort gern: „Hier ist es zwar eiskalt, aber in unserem Team ist der Ton herzlich.“

Von Sandra Rose

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