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Schwalmstadt: Viel Verkehr auf den Ausweichrouten

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Die Bauarbeiten auf der B454 zwingen aktuell die Verkehrsteilnehmer zu weitläufigen Umleitungsstrecken. Als Falschenhals hat sich in Stoßzeiten die Umleitung über Ascherode erwiesen.
Die Bauarbeiten auf der B454 zwingen aktuell die Verkehrsteilnehmer zu weitläufigen Umleitungsstrecken. Als Falschenhals hat sich in Stoßzeiten die Umleitung über Ascherode erwiesen. © Philipp Knoch

Seit mehr als einer Woche ist die Bundesstraße zwischen Treysa und Ziegenhain wegen grundhafter Sanierung gesperrt und seither quält sich der Verkehr über Umleitungsstrecken und Schleichwege. Das klappt bislang eher schlecht, wie viele Autofahrer bestätigen werden.

Schwalmstadt - Insbesondere auf der Umleitung von Ziegenhain über Ascherode nach Treysa kommt es in Stoßzeiten zu langen Wartezeiten – teilweise steht man bis zu 30 Minuten im Stau. So mancher Fahrer nutzt verbotenerweise Radwege oder fährt entgegen der Einbahnstraße.

Der Verkehr sucht sich einen Weg, kein Wunder, schließlich fahren täglich mehr als 13 200 Fahrzeuge über die Bundesstraße 454. Diese von der Stadt Schwalmstadt auf Anfrage unserer Zeitung genannte Zahl stammt aus einer Verkehrszählung aus dem Jahr 2015. „Es ist davon auszugehen, dass die Anzahl der Kfz seit dieser Erhebung nicht gesunken ist“, erklärte Bürgermeister Stefan Pinhard.

Halbseitige Sperrung nicht möglich

Im Gegensatz zur Sanierung der B254 zwischen Frielendorf und Homberg ist eine halbseitige Sperrung auf der B454 nach Angaben von Hessen Mobil nicht möglich. Die Bundesstraße zwischen Treysa und Ziegenhain sei für solch eine Variante insbesondere mit Blick auf Lkw einfach nicht breit genug, erklärte ein Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Die Vollsperrung diene dem Schutz der Arbeiter und verkürze außerdem die Bauzeit, heißt es weiter von Hessen Mobil.

Es sei nie geplant gewesen, den Verkehr weiträumig um Schwalmstadt umzuleiten, da dies vom Verkehrsteilnehmer nicht angenommen würde, sagt Dirk Daniel vom Regionalen Verkehrsdienst der Polizei: „Da eine Umleitung immer nur eine Empfehlung und keine Verpflichtung ist, würden Ortskundige und „Navifahrer“ immer den Weg über Ascherode benutzen.“

Ein erster Versuch, die Situation in Ziegenhain zu entschärfen, schlug am vergangenen Mittwoch fehl. Mit Ampeln sollte der Verkehrsfluss am Abzweig Festungsstraße/Erich Rohde Straße (beim Netto-Markt) gelenkt werden. Nach wenigen Minuten wurden die Ampeln aber wieder abgeschaltet – der Verkehr staute sich bis weit nach Ziegenhain hinein. Ursache hierfür seien die Nichteinhaltung der offiziellen Umleitung und der dadurch wesentlich verstärkte Verkehrsdruck innerhalb Ziegenhains gewesen, heißt es dazu aus dem Rathaus.

Aufgrund fehlender Alternativen setzen die Verantwortlichen jetzt erstmal auf das Prinzip Hoffnung. Wie bei allen Straßensperrungen und Umleitungen muss sich der Verkehr erst einmal „einlaufen“, so die Polizei

Ascheröder ärgern sich über Umleitung

Im Ascheröder Ortskern ist derzeit ein sehr hohes Verkehrsaufkommen. Neben vielen Autofahrern, die wie hier oft zu schnell fahren, nutzen auch LKW-Fahrer trotz Verbots die Strecke als Umleitung.
Im Ascheröder Ortskern ist derzeit ein sehr hohes Verkehrsaufkommen. Neben vielen Autofahrern, die wie hier oft zu schnell fahren, nutzen auch LKW-Fahrer trotz Verbots die Strecke als Umleitung. © Philipp Knoch / freie wähler

Die Umleitung durch Ascherode ist im Dorf Hauptgesprächsthema, obwohl bisher nur eine Woche installiert. Stoßstange an Stoßstange quetschen sich die Fahrzeuge durch den Ortskern. Für viele Anwohner ein nicht tragbarer Zustand.

Für Autofahrer ist Ascherode die reguläre Umleitungsstrecke. Aber auch viele Lastkraftwagenfahrer, die eigentlich weitläufig über Wasenberg umgeleitet werden sollten, nutzen Ascherode als schnellere Abkürzung. Von den Verbotsschildern lassen sie sich nicht aufhalten. Das hat Michael Knoche, Ortsvorsteher von Ascherode, erkannt. „Das ist aktuell schon noch ein Problem. Hoffentlich wird demnächst noch stärker kontrolliert.“

Michael Knoche Ortsvorsteher Ascherode
Michael Knoche Ortsvorsteher Ascherode © Freie Wähler

Direkt am ersten Tag der Umleitung hatte sich im Feierabendverkehr ein Stau von der Südbahnhofkreuzung in Ziegenhain bis zum Ortseingang (etwa 900 Meter) gebildet. Sofort hörte man im Dorf, dass es doch eine Alternative geben müsse. Der ein oder andere Autofahrer beschaffte sich im Handumdrehen selber eine, indem er über Feldwege abkürzte oder den Weg parallel des Bahnradwegs. Der aktuelle Zustand sei so nicht tragbar, lautete der allgemeine Kanon der Ascheröder.

Es wurde der Vorschlag gemacht, es könne doch erlaubt werden, über Feldwege zu fahren. Konkret sollte der an die Straße In der Aue in Treysa anschließende Feldweg bis zur Deponie Ziegenhain für den normalen Verkehr freigegeben werden – wenigstens in eine Fahrtrichtung. Andere forderten, den Verkehr gleich komplett über Allendorf/Landsburg oder Wasenberg umzuleiten.

Keine Alternativen möglich

„Verschiedene Alternativen wurden im Ort schon hitzig diskutiert“, erzählt Knoche, „aber es gibt leider keine bessere Lösung. Feldwege dürfen nicht temporär für den normalen Verkehr freigegeben werden. Und niemandem ist geholfen, wenn der Verkehr aus dem einen Ort in einen anderen umgeleitet wird.“ Dies löse kein Problem, es verlagere es nur. Es falle eine wichtige Verbindung in Schwalmstadt weg. Während der Arbeiten müsse man mit zeitlich begrenzten Einschränkungen leben.

In Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt habe der Ortsbeirat gangbare Maßnahmen erarbeitet und eine Bedarfsampel bei der Bushaltestelle in der Mitte des Dorfs bekommen. Jede Bushaltestelle ist jetzt entweder mit einer Ampel oder mit einer Verkehrsinsel ausgestattet, die die Straßenüberquerung vereinfachen. Am wichtigsten ist Knoche die Schwächsten im Straßenverkehr, also die Fußgänger und Fahrradfahrer, zu schützen. Das habe man bestmöglichst erreicht.

Bei der Verkehrsinsel am Brunnenplatz wünschte sich Knoche zusätzlich einen Zebrastreifen. „Der wurde leider nicht genehmigt. Vonseiten der Stadt wurde uns erklärt, da gäbe es zu hohe Hürden. Die entsprechende Stelle müsse kontinuierlich von Fußgängern frequentiert werden.“ In einem Dorf mit wenigen hundert Einwohnern nur schwer möglich. Eine Ampel sei an dem Platz ebenfalls abgelehnt worden.

Die Benutzer des Bahnradwegs bekämen wahrscheinlich eine temporäre Ampel. Für alle anderen Maßnahmen gibt es erst mal keine Pläne. „Wir sind im regen Austausch mit der Stadt Schwalmstadt. Die Geschwindigkeitsmesstafeln in Ascherode werten aus, wie viele Fahrzeuge durch den Ort fahren. Diese Daten werden wir uns in den nächsten Wochen ansehen und entscheiden, ob wir noch etwas verändern müssen.“ (Phlipp Knoch und Matthias Haaß)

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