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Ottraus Bürgermeister kickt in der deutschen Bürgermeister-Auswahl

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Großartige sportliche Auszeichnung für Ottraus Bürgermeister: Jonas Korell absolvierte sein erstes Länderspiel für die deutsche Fußballnationalmannschaft der Bürgermeister. Die Partie gegen eine Bürgermeisterauswahl aus Polen fand im Rahmen eines Trainingslagers in Wittenberg statt und endete 3:3-Unentschieden.

Ottrau. Trotz der natürlich geringeren sportlichen Relevanz im Vergleich zur Nationalmannschaft der Profifußballer war der Auftritt im Deutschland-Trikot ein besonderer Moment für Korell. „Ich bin stolz, ein Teil dieses speziellen Teams zu sein, das ein wichtiges Element im Austausch mit anderen Politikern im In- und Ausland darstellt“, betont der 29-Jährige.

Das Länderspiel gegen Polen nutzten die Bürgermeister für Hilfsmaßnahmen zugunsten der Ukraine. Die Einnahmen des Spiels erhielt die regionale Flüchtlingshilfe. Zudem spendete die Mannschaft 6000 Euro und 150 Paar Schuhe an die polnischen Kollegen für die Flüchtlingsaufnahme. Korell selbst stellte 20 neue, ausgemusterte Feuerwehrstiefel-Paare für den Außeneinsatz bei Rettungs- und Aufräumarbeiten zur Verfügung.

Abgesehen vom karitativen Zweck, dem Spielen und Trainieren, sprachen die 20 Bürgermeister ständig über Politik. Es ging um Themen, mit denen sich die Kollegen im Alltag beschäftigen. Derzeit vor allem der Krieg und der Umgang mit Flüchtlingen, aber auch Probleme wie zum Beispiel die Wasserversorgung, die den jungen Bürgermeister in Ottrau umtreibt. Die Rathauschefs tauschten sich über die Situationen aus und boten sich gegenseitig Hilfe an. Korell schätzt die Teamarbeit: „Die verschiedenen Sichtweisen und Ansätze bringen mir einen Mehrwert für die Gemeindearbeit.“

Den Kontakt zur Nationalmannschaft, die der Deutschen Städte- und Gemeindebund im Vorfeld der Europameisterschaft 2008 gründete, stellte der Fußballer des Kreisoberligisten SG Immichenhain/Ottrau im vorigen Jahr über den Amtskollegen Andre Stenda aus Hohenroda (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) her. Nach einem obligatorischen Bewerbungsschreiben überzeugte der ehemalige Gruppenliga-Akteur mit seinen Fähigkeiten als Feldspieler in einem Trainingslager. Unter dem verantwortlichen Bundestrainer Helmut Glanzner, ein einstiger Zweitliga-Spieler beim VfR Bürstadt und aktueller Bürgermeister im südhessischen Einhausen, feierte Korell daraufhin am 2. April sein offizielles Länderspiel-Debüt in Jessen an der Elster (Sachsen-Anhalt). Allerdings nicht wie geplant im Feld, sondern wegen einer Oberschenkel-Verletzung als Torwart. Die eigentliche Paradeposition des Ottrauers, der er im Schwalm-Eder-Kreis zu den besten Schlussmännern gehört.

Ähnlich wie die anderen Teilnehmer zahlte der Neuling den viertägigen Termin der Nationalmannschaft selbst und nahm für die Trainingseinheiten und ein Kleinfeldturnier Urlaub. Als Partner des Deutschen Fußball-Bundes definiert sich die Elf, zu der mehrere Ex-Regionalliga- und Oberliga-Spieler zählen, aber keineswegs als typische Altherren-Truppe. „Die Mannschaft hat zwar eine Botschafter-Funktion, ist aber ehrgeizig und will immer gewinnen“, berichtet Korell über die Tugenden des Teams. Die sportliche Ambition zeigt sich auch durch die regelmäßige Organisation von Länderspielen und Teilnahmen an Turnieren. Die vom Auswärtigen Amt vorbereiteten Reisen unter anderem nach Brasilien, Südafrika, Palästina, Israel, Armenien und China verbanden die fußballaffinen Bürgermeister mit Spendenaktionen für örtliche Hilfsprojekte, die besondere Einblicke in örtliche Spannungssituationen offenbarten. Aber auch lokal sind die Fußballer aktiv. In dieser Woche sind sie für ein Testspiel bei einem Vereinsjubiläum in Crailsheim (Baden-Württemberg) zu Gast. Danach wäre die vierte Europameisterschaft in Trnava (Slowakei) vom 29. Mai bis 2. Juni der nächste größere Höhepunkt für den EM-Gewinner von 2008 gewesen. Der Kriegszustand stoppte jedoch die Planungen. Statt der EM gibt es ein Turnier für den Frieden, bei dem die Verständigung der Bürgermeister aus 14 europäischen Nationen im Vordergrund steht (29. Mai bis 2. Juni). Ottraus Bürgermeister Jonas Korell ist für die Veranstaltung in der Slowakei nominiert. (Fabian Seck)

Sportliche Bürgermeister: links Helmut Glanzner (Bürgermeister Gemeinde Einhausen) und Jonas Korell.
Sportliche Bürgermeister: links Helmut Glanzner (Bürgermeister Gemeinde Einhausen) und Jonas Korell. © Fabian Seck

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