Ruhlandpfad

Auf den Spuren des Wassers - 600 Jahre Wasserversorgung in Treysa

Arbeit am Ruhlandpfad: Von links Daniel Fries, Stefan Küst, Gerhard Hosemann, Henok Asefar, Peter Kucera und Ali Asad.
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Arbeit am Ruhlandpfad: Von links Daniel Fries, Stefan Küst, Gerhard Hosemann, Henok Asefar, Peter Kucera und Ali Asad.

Bald jährt sich die erste Erwähnung der Versorgung Treysas mit Wasser zum 600. Mal: 1424 ging dieses wichtige Ereignis in die Annalen ein.

Treysa – Ein, wie Gerhard Hosemann zu Recht anmerkt, „genialer Graben“ leitete das Wasser vom Katzenbach unterhalb von Sachsenhausen an Frankenhain vorbei zum Büttenteich (Bereich Hephata).

Von da habe ein hölzernes Röhrensystem unter der Wiera hindurch zum Kumpf auf dem Marktplatz geführt. 1988 hatte der Knüllgebirgsverein (KGV) einen Rundwanderweg an diesem flächenhaften Denkmal eingerichtet, 2004 wurde der „Ruhlandpfad“ mithilfe des Stadtgeschichtlichen Arbeitskreises mit Informationstafeln runderneuert. Im Januar 2007 schlug dann der Sturm Kyrill fürchterlich zu. 2018 habe der Pfad von Sturm Friederike den Rest erhalten, Markierung und Hinweise mussten entfernt werden.

Jetzt kommt wieder Bewegung in die Sache: Wie Gerhard Hosemann berichtet, bemüht sich der KGV Treysa seit Ende 2018 in Zusammenarbeit mit dem dem STAK (Stadtgeschichtlicher Arbeitskreis) darum, den Rundwanderweg neu anzulegen.

Eröffnung Ende Oktober

Hessen Forst habe die ehemalige Wegführung halbwegs freigeschnitten, Landschaftsbauingenieur Jörg Haafke plante mit, der Zweckverband Schwalmaue wurde eingebunden. Die Pandemie habe das Unterfangen nicht einfacher gemacht, doch nun stelle der Zweckverband Schwalmaue entsprechende Mittel zur Verfügung, so Hosemann.

Bei der Reparatur und Neuanlage des Weges parallel zum Wassergraben sei viel Handarbeit angesagt gewesen, berichtet Hosemann weiter, es gehe eng und steil zu. Mit einer Arbeitsgruppe des Vereins Arbeit und Bildung wurde gerade zwei Wochen lang kräftig angepackt. Nun wartet die Markierungsarbeit auf den KGV Treysa, dessen Vorsitzender Hosemann seit vielen Jahren ist, beim Hauptverein ist er Geschäftsführer.

Stadthistoriker Bernd Raubert

Ende Oktober soll der neu gestaltete Ruhlandweg dann der Öffentlichkeit vorgestellt werden, gemeinsam mit dem STAK um Bernd Raubert, so der augenblickliche Zeitplan.

Sieben heimatgeschichtliche Kilometer

Der zukünftige Rundwanderweg Ruhlandpfad wird eine Gesamtstrecke von rund sieben Kilometern haben. Ausgangspunkte sind der Wanderparkplatz in Frankenhain beziehungsweise die Wanderkiefer (Landstraße nach Gilserberg). Grundlage der Neukonzeption des Rundwanderwegs Ruhlandpfad ist ein Gestattungsvertrag, den der KGV Treysa mit Hessen Forst (Forstamt Jesberg) abgeschlossen hat. Die Regionalentwicklung Schwalmaue hat aus dem Regionalbudget 2021 rund 7000 Euro zur Verfügung gestellt.

So kam das kühle Nass in die Oberstadt

Im Mittelalter wurde an der Wasserversorgung Treysas getüftelt. Es gab diverse gegrabene Brunnen, aber die Oberstadt hatte nicht ausreichend Wasser.

Vom Katzenbach gespeist, entstand ein Graben entlang der Höhenlinie bis nach Treysa. Unterhalb Sachsenhausens befand sich eine Ableitungsstelle, deren Wasserzufluss mittels einer Staustufe reguliert wurde. Über ein Grabensystem gelangte das Wasser dann bis zum Büttenteich, einem flachen Sammelteich, der südwestlich des Altstadtberges, etwa auf der Höhe Hephatas lag.

Dort wurde das Wasser von der damals ansässigen Papiermühle benötigt. „Aus dem künstlich angelegten Teich wurde das Wasser in hölzernen Wasserleitungsröhren auf den 8,20 Meter tiefer liegenden Altstadtberg geleitet. Damit konnte man das Tal mittels es artesischen Prinzips überwinden, erklärte Bernd Raubert in einem HNA-Archivartikel.

Am Marktkumpf: Renate Wagner erzählte am Brunnen über Johannes Ruhland. Arhcivfoto: Dorothee Köppe

Vor knapp 40 Jahren dokumentiert

Einige dieser hölzernen Röhren sind noch erhalten und gehören zur Sammlung des Stadtgeschichtlichen Arbeitskreises. Das Buchenholz stammte aus den herrschaftlichen Wäldern bei Frankenhain. Das Wasser sprudelte in der Oberstadt aus drei Kümpfen, dem Brau-, dem Strauch- und dem Marktkumpf mit dem Johannismännchen. Der Marktkumpf wurde 1949 bei der Umgestaltung des Platzes an seine heutige Stelle versetzt.

Größere Teile des Grabens wurden vor langer Zeit eingeebnet, erst vor knapp 40 Jahren wurde das ehemalige Grabensystem mittels alter Karten nachgezeichnet und vom Arbeitskreis dokumentiert.

Die Sage von Johannes Ruhland und der Johannismann als Brunnenheiliger

Im Johannismännchen auf dem Treysaer Brunnen vermischen sich verschiedene Zusammenhänge.

Johannes Ruhland ist eine sagenhafte Gestalt, er soll ab 24. Juni 1683 für den Wasseranschluss der Oberstadt Treysa gesorgt haben soll. Ruhland soll in ein Gefangener in Ziegenhain gewesen sein, er bot sich an, der Oberstadt Wasser zu verschaffen, wenn man ihm Straffreiheit gewährt. Er soll dann die hochgelegene, eineinhalb Wegstunden entfernten Quelle bei Sachsenhausen ausgewählt und das Leitungssystem gebaut haben. Zum Dank erhielt er die Freiheit – und ein Denkmal. Am Johannistag wurde die Brunnenfigur gefeiert.

Leider stimmt dies alles wohl nicht, in dem Buch „Treysa: Das Profil einer Stadt – Eine Stadt mit Profil“ von 1982 heißt es, dass Hermann von Kuborg schon um 1423 der Erfinder des Leitungssystems war. Der Johannisbrunnen auf dem Marktplatz war nach Angaben aus dem Buch 1863 durch den Bildhauer Johannes Ingebrand aus Fritzlar erbaut worden, die Rolandsfigur darauf sei Sinnbild der Marktgerechtigkeit. Der Name Johannes erinnere an den Brunnenheiligen Johannes den Täufer. (Anne Quehl)

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