Flüchtlinge von gestern und heute bestimmten den Hugenottensonntag

Aufruf zur Barmherzigkeit

Zeitreise: Zum Hugenottensonntag kamen Männer, Frauen und Kinder in historischen Kostümen . Fotos: Decker

Frankenhain. Am Sonntagnachmittag versammelten sich rund 150 Besucher auf dem Hugenottenplatz in Frankenhain. Gemeinsam gedachten sie in einem Gottesdienst der geflohenen französischen Protestanten, die vor über 300 Jahren in Frankenhain eine neue Heimat fanden.

Auf einem Weinfass lag die alte französische Bibel, die damals von einem Flüchtling mitgebracht worden war. Elaine Balkenhol las den Psalm 70 als Schriftlesung in französischer Sprache und trug den dazu gehörenden Kommentar vor. Sie sei berührt von der Aktualität dieser Textstelle, denn er laute übersetzt: „Der Psalm lehrt uns, dass Gott denen hilft, die verfolgt werden.“

Der einstige Täufling des ersten Hugenottengottesdienstes im Jahr 2001, Cecile Keller, las als Konfirmandin den Predigttext vom barmherzigen Samariter. Wie ein roter Faden bestimmte das aktuelle Flüchtlingsdrama den Gottesdienst. Dekan Christian Wachter überlegte mit dem Gleichnis, wer heute der Nächste sei. „Die Bilder von Krieg, Enthauptungen und übervollen Booten gehen uns nah“, sagte Wachter, „Wer mir nahe kommt, das ist mein Nächster.“

Pfarrer Dieter Schindelmann bat in seinem Fürbittengebet darum, allen, die fliehen müssen, freundlich und barmherzig zu begegnen. Mit Trompeten und Posaunen sorgte der Posaunenchor der Franz-von-Roques Kirchengemeinde für die Musik.

„Die Bilder von Krieg, Enthauptungen und übervollen Booten gehen uns nah.“

Dekan Wachter

Bereits vor dem Gottesdienst stellten sich ein Team der Hessenschau ein und interviewte Dieter Schindelmann, Reinhart Darmstadt und Anette Naujoks vom Hugenottenverein zum aktuellen Thema „Flucht gestern, Flucht heute“.

Das schöne Wetter ließ die Gäste nach dem Gottesdienst bei Kaffee und französischen Gebäck auf dem Hugenottenplatz verweilen.

Von Christiane Decker

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