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Teelichtofen: Basteltrend aus dem Internet erhöht Brandgefahr

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Von: Matthias Haaß

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Ein Teelichtofen steht auf einem Tisch.  Vier Teelichter brennen unter einem umgedrehten Tontopf.
Hübsch und dekorativ anzusehen aber keinesfalls Ersatz für eine Heizung: Teelichtöfen werden im Internet als Energiespartipp angepriesen. Baumärkte und Feuerwehren betrachten das mit Sorge. © Matthias Haaß

In Zeiten der Energiekrise werden die Menschen kreativ. Um Wohnzimmer und Küche warm zu bekommen, baut sich so mancher Schwälmer einen Teelichtofen.

Schwalm – Egal ob Facebook, Instagram, TikTok oder Pinterest, der Trend aus den Sozialen Medien ist offenbar im Landkreis angekommen, das registrieren aktuell auch die Baumärkte der Region. Ist ja auch ganz einfach: Für einen Teelichtofen benötigt man lediglich einen Tontopf, einen Tonuntersetzer, eine Gewindestange und natürlich ein paar Teelichter.

Teelichtofen wärmen nur wenig

Die vermeintlich kostengünstige Ersatzheizung habe es den Leuten angetan, heißt es im Hagebaumarkt in Treysa. Man stelle seit einigen Wochen eine verstärkte Nachfrage nach den für den Bau des Teelichtofens notwendigen Einzelteilen fest, sagt eine Mitarbeiterin im Gespräch mit der HNA: „Dabei bringen die Dinger nichts. Die sehen nett aus und sorgen für eine schöne Stimmung auf der Terrasse.“

Ein Teelicht hat ungefähr eine Leistung von 30 bis 40 Watt. Bei fünf Teelichtern sind das gut 200 Watt. Nicht unbedingt viel, wenn man bedenkt, dass Heizungen je nach Größe im Durchschnitt 800 bis zu 2000 Watt leisten. Die Annahme, dass man einem Teelichtofen einen ganzen Raum heizen kann, ist illusorisch. Mittlerweile habe man sogar schon Anfragen nach bereits fertig zusammengebauten Teelichtöfen bekommen, so die Baumarktmitarbeiterin kopfschüttelnd.

Gefahr von Wohnungsbränden

Gegen die Öfen als solches spricht überhaupt nichts – als Dekoration oder Gewächshausheizung findet sich auf der Homepage von Hagebau sogar eine Bauanleitung – in der Wohnung kann es aus Sicht der Hagebaumitarbeiterin bei unsachgemäßer Anwendung schnell brandgefährlich werden.

Brennt ein Teelicht, verflüssigt sich das in den Aluschälchen befindliche Paraffin. Stehen viele Teelichter auf zu engem Raum eng beisammen, kann sich das Feuer ausbreiten – es kommt zu einem unkontrollierten Feuer auf dem Tisch. Löschversuche mit Wasser seien kontraproduktiv, warnt die Feuerwehr. Wie bei einem Fettbrand kann es zu einer massiven und schlagartigen Brandausbreitung kommen. Der Grund: Das Wasser sinkt unter das flüssige und leichtere Paraffin. Es erhitzt sich explosionsartig, da die Temperatur des brennenden Paraffins um ein Vielfaches über dem Siedepunkt des Wassers liegt. Der entstehende Wasserdampf steigt auf und nimmt das brennende Paraffin in einem regelrechten Feuerball mit sich – wohlgemerkt in Sekundenbruchteilen.

Belastung für die Zimmerluft

Die Feuerwehr weist außerdem darauf hin, dass offenes Feuer natürlich auch Sauerstoff verbraucht. Um Kopfschmerzen oder Unwohlsein vorzubeugen, wird dann oft ein Fenster geöffnet, was das Zimmer wiederum abkühlt.

Ein Holzkohlegrill oder Ähnliches sei übrigens auch eine ganz dumme Idee, warnen die Feuerwehren. Bei der unvollständigen Verbrennung der Kohle entsteht giftiges Kohlenmonoxid. Da der im Raum stehende Grill keinen Abzug hat, verteilt sich das geruchs- und geschmacklose Gas in der Wohnung.

Das Problem: Kohlenmonoxid verhindert im Körper die Bindung von Sauerstoff an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Das Blut kann den Sauerstoff nicht mehr transportieren. Bei hoher Konzentration führt CO schnell zu Bewusstlosigkeit und Tod. Da es in der Vergangenheit immer wieder Fälle von CO-Vergiftungen gab, haben Rettungsdienst und viele Feuerwehren im Kreis immer CO-Warngeräte dabei. (Matthias Haaß)

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