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Bei einem Stromausfall sollen Feuerwehrhäuser zum Anlaufpunkt werden

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Von: Matthias Haaß

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Feuerwehrmann Mario Nickel steht neben einer Deckenlampe auf einer Leiter.
Leuchtturmkonzept: Bei einer Übung baute die Feuerwehr Todenhausen im örtlichen Multifunktionshaus eine Notbeleuchtung auf. Im Bild Mario Nickel. © Feuerwehr

Im Falle eines Stromausfalls sollen Feuerwehrhäuser zu Leuchttürmen in der stromlosen Dunkelheit werden.

Schwalm-Eder – Bei der Feuerwehr soll die Bevölkerung im Idealfall nicht nur die Möglichkeit haben, Notrufe abzusetzen, sondern das Feuerwehrhaus soll auch über eine autarke Stromversorgung verfügen, um als Aufenthaltsort dienen zu können.

Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal im vergangenen Sommer erwiesen sich solche beleuchtete und stromversorgte Punkte als wichtiger psychologischer Faktor, wie auch Angehörige des THW Schwalmstadt unserer Zeitung damals berichteten.

Der Strom für die Feuerwehrhäuser werde mittels Stromaggregaten – mobil oder fest eingebaut – erzeugt und in eine dafür vorgesehene Stelle eingespeist, erklärt Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar: „Diese Anforderung formuliert die DIN 14092 Feuerwehrhäuser. Die aktuelle Version der DIN stammt aus dem April 2012, die Anforderung der Notstromversorgung war bereits in der Vorgängerversion von 2009 niedergelegt.“

Bei dem Stromaggregat dürfe es sich auch nicht um ein eigentlich für ein Einsatzfahrzeug vorgesehenes Aggregat handeln, betont die Kreisbrandinspektorin. Das Aggregat im Feuerwehrhaus sei ausschließlich für den Zweck der Notstromversorgung vorzusehen.

Der Stromerzeuger ist gelb und hat die Form eines Quaders.
Ein tragbarer Stromerzeuger, den die Feuerwehr für die Notbeleuchtung verwenden kann. © Privat

Der Hintergrund ist einfach: Die Feuerwehren müssen auch im Falle eins länger andauerenden Stromausfalls einsatzbereit sein und benötigen dann natürlich ihre technische Ausrüstung für den Ernstfall. Fachleute rechnen bei Stromausfällen auch mit einer vermehrten Anzahl von Einsätzen.

So heißt es im Mustereinsatzplan Stromausfall des Landes Hessen: „Weiterhin ist damit zu rechnen, dass bei längerem Auskühlen von Häusern oder Wohnungen durch die Inbetriebnahme von behelfsmäßigen Heiz- oder Kochanlagen (in der Regel. Holzfeuerung oder gasbetriebene Geräte) zusätzliche Brandgefahren entstehen.“

Nachholbedarf bei Vorbereitung auf Stromausfälle

So weit die Theorie. Da das Thema Stromausfall in der Vergangenheit bei der großen Versorgungssicherheit in Deutschland eher stiefmütterlich behandelt wurde, verfügt die Mehrzahl der bestehenden Feuerwehrhäuser im Landkreis wohl nicht über eine funktionsfähige Notstromversorgung. Das heißt, der Leuchtturm beschränkt sich auf die Blaulichter der Einsatzfahrzeuge – und das auch nur so lange, wie Diesel vorhanden ist.

Die Erklärung ist relativ einfach: Notstrom ist immer ein Kostenfaktor, der in der Vergangenheit ganz gerne eingespart wurde. Um ein einfaches Feuerwehrhaus zu ertüchtigen, muss eine Kommune immerhin gut 10 000 Euro investieren. Bei Flächengemeinden im ländlichen Raum kommt da schnell eine relativ große Summe zusammen.

mittlerweile Investitionen in Notstrom

Angesicht von Naturkatastrophen, Krieg und Energiekrise setzt mittlerweile langsam ein Umdenken ein. Einerseits weil es die Norm fordert und andererseits, weil die Notwendigkeit erkannt wurde – wie zum Beispiel in der Gemeinde Gilserberg. Bei den Neubauten von Feuerwehrhäusern sehe man die Einspeisemöglichkeit für Notstrom vor und habe zusätzliche Stromerzeuger beschafft, sagt Bürgermeister Rainer Barth: „Die wurden auch gefördert.“

Es stellt sich ein weiteres Problem beim Leuchtturmkonzept: Es gibt nicht mehr in jedem Ort eine Feuerwehr. Auch für diese müsse Vorsorge getroffen werden, mahnt Dittmar. Der Kreis schlägt vor, bei einem Stromausfall, der länger als 30 Minuten andauert, an zentraler Stelle, beispielsweise ein DGH, ein Feuerwehrfahrzeug mit Funkgerät zu stationieren.

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