Frau sucht seit 35 Jahren nach ihrem Sohn

Tragische Geschichte: Marion Ruthardt malte die Frau und das Bild auf die Straßen Neukirchens. Foto: Hanert

Neustadt. 3D-Figuren, Märchenszenen und Porträts: Passend zur Rotkäppchenwoche stand das Straßenmalerfestival in Neustadt im Zeichen der Brüder Grimm.

Die 250 Meter lange Marktstraße in der Altstadt bot den Künstlern Raum, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Trotz unzähliger toller Bilder, stach ein Porträt ganz besonders heraus. Denn hinter dem Straßengemälde steckt eine tragische Geschichte: Es erzählt die Geschichte einer Mutter, die seit 35 Jahren vergeblich ihren spurlos verschwundenen Sohn sucht.

Seit nunmehr sieben Jahren kommt die in Duisburg lebende Straßenmalerin Marion Ruthardt zum Neustädter Festival. Vor drei Jahren begegnete sie einer älteren Frau, die völlig gedankenverloren auf einer Bank saß und ihren Blick nicht von einem Foto ließ. „Aus Interesse und Neugier habe ich mich damals zu ihr gesetzt und gefragt, was sie bewege und ob ich ein Foto von ihr machen dürfe“, erinnert sich die Künstlerin.

Erst später bekam Marion Ruthardt Kontakt zur Verwandschaft der Frau und erfuhr die tragische Geschichte hinter dem Bild. Die beginnt damit, dass eines der sieben Kinder in die Klinik muss. Die Eltern fuhren mit den beiden Söhnen Mohammed und Ramazan, damals fünf und drei Jahre alt, in die Klinik, um ihre Tochter zu besuchen. Die Jungs hatten sich zum spielen auf dem Gelände der Marburger Uniklinik verteilt, doch nur Ramazan kehrte zurück.

Die Polizei suchte damals nach dem Jungen, doch vergeblich. Die siebenfache Mutter quält bis heute die Ungewissheit, was ihrem Sohn zugestoßen ist. Seit 35 Jahren trägt sie das einzige Bild ihres Sohnes mit sich, in der Hoffnung, dass irgendjemand doch etwas gesehen hat.

Straßenmalerfest in Neustadt

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