Geschichtsbuch: Während des 1. Weltkriegs blühte in der Schwalm das Hamstern

Brot ganz ohne Getreide

Lieber „K-Brot“ als „kaa Brot“: Dieser Teller propagierte mit einem Schwälmer Mädchen das Kriegsbrot. Foto:: Lindenthal  

Ab Oktober 1915 galt dienstags und freitags ein Verkaufsverbot für Fleischwaren. Spätestens seit der um 50 Prozent verringerten Kartoffelernte im Herbst 1916 und dem folgenden Hungerwinter („Kohlrübenwinter“) war trotz Lebensmitteldiktatur der Mangel nicht mehr zu verbergen. Aber auch Berichte über Lebensmittelkrawalle und Hungerstreiks waren für die Presse tabu. Da es kriegsbedingt an Arbeitskraft und Düngemitteln fehlte, fiel auch die Getreideernte 1917 extrem schlecht aus. Maßnahmen zur Lebensmittelstreckung und künstliche Nahrungsmittel (Kunsthonig, Kunstbutter, Kunstlimonade und so weiter) hatten Hochkonjunktur.

Am bekanntesten unter diesen zweifelhaften Qualitäten war das K-Brot, ein Kriegsbrot, das überwiegend nicht aus Getreidemehl, sondern aus Kartoffeln hergestellt wurde. Nach der missratenen Kartoffelernte 1916 wurden auch Reismehl, Gerstenschrot, Soja-, Erbs-, Mais- und Maniokmehle und Rübenschnitzen zur Streckung verwendet. Sogar Holz-, Stroh- und Spelzmehl wurde zum Brotbacken zugelassen. Selbst dieser Brotersatz musste gegen Ende des Krieges stark rationiert werden. Dennoch wurde auch von einem gut genährten Schwälmer Mädchen propagiert: Lieber „K-Brot“ als kaa (=kein) Brot (siehe Abbildung). Neben diesem Tummelplatz für Lebensmittelbetrüger blühten der Schwarzmarkt und das Hamstern. Artikel unten

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